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Dresdner Semperoper: Zwingerteich-Karpfen schwamm in der Tiefgarage

Dresdner Semperoper: Zwingerteich-Karpfen schwamm in der Tiefgarage

2002 gingen die Bilder der Zerstörung durch die „Jahrhundertflut“ in Dresden um die Welt. Ganz Deutschland und Tausende von Menschen weltweit nahmen Anteil am Schicksal Dresdens.

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Die Flut zerstörte in der Semperoper unter anderem viele Musikinstrumente.

Quelle: Archiv

Dresden. Es war Glück im Unglück, dass die wildgewordenen Wasser der alten Weißeritz und drei Tage später die zu einem reißenden Fluss angewachsene Elbe keinen Schaden im weltberühmten Zuschauerraum der Semperoper, in den weithin bekannten prachtvollen Foyers und Vestibülen anrichten konnten.

Auch die Bühne selbst sowie einige höher gelegene Proberäume, Ballettsäle und Künstlergarderoben blieben unversehrt. Doch die Schäden, die die Flut zum Beispiel in den überfluteten Kellern anrichtete, waren schwerwiegend und verhinderten zunächst alle technisch notwendigen Vorgänge für einen normalen Bühnenbetrieb.

Trotziger Zorn hielt alle aufrecht

Der damalige Intendant der Semperoper, Christoph Albrecht, sprach von dem „trotzigem Zorn“, mit dem man sich aufrecht hielt. Von der „Gewissheit, dass wir, sobald dieses verdammte Wasser weg ist, wieder anfangen. Wir sind entschlossen zu schauen, wo wir derweil auftreten können. Um den Menschen zu zeigen: Wir sind da, und wenn ihr wollt, machen wir für euch Musik und tanzen. Ansonsten heißt es, nicht den Mut zu verlieren!“

Am 9. November 2002 öffnete sich der Vorhang wieder, um unter eingeschränkten technischen Bedingungen, ohne Bühnenfahrten (Luft und Licht von außen eingespeist) Vorstellungen zu ermöglichen. Und noch bis zum 23. März 2003, der wegen der Flut hinaus geschobenen Premiere von Richard Wagners „Siegfried“, teilten sich die Bauarbeiter mit den Künstlern das Gebäude.

Schuhfundus ertrunken

Glücklicherweise weilten zum Zeitpunkt der Katastrophe die Sächsische Staatskapelle und der Staatsopernchor bei den Salzburger Festspielen. Deshalb war der Schaden an Instrumenten geringer als anfangs angenommen. Dennoch waren mehrere Steinway-Flügel, Cembali und ein Hammerklavier durch das Wasser unbrauchbar geworden. Einige Instrumente wie auch wertvolles historisches Material aus den Archiven konnten gerettet, Regiebücher und Klavierauszüge mit wichtigen Eintragungen für die Inszenierungsarbeit aus dem Wasser geborgen werden.

Die Kostüme des Ballettabends „Illusionen – wie Schwanensee“ konnten im Wettlauf mit der steigenden Flut gerade noch in Sicherheit gebracht werden. Allerdings gingen weitere Kostüme, ein ganzer Schuhfundus zum Beispiel, und Ausstattungen im wahrsten Sinne des Wortes „den Bach hinunter“.

Viele technische Einrichtungen waren seit der Wiedereröffnung der Semperoper 1985 modernisiert und auf den neuesten Stand gebracht worden. Während des Hochwassers wurden 70 Prozent der Bühnentechnik, 80 Prozent der Elektrotechnik, 50 Prozent der Heizungs-, Lüftungs- und Sanitäreinrichtungen und 90 Prozent der Gebäudeleittechnik zerstört. Ausgefallen waren Starkstrom- und Niederspannungsanlagen sowie Notstromaggregate. Die Liste ließe sich mit Brandmelde- und Klimaanlagen, Steuerungsaggregaten für Beleuchtung und Bühnenmaschinerie oder Hydraulik für die Hubpodien der Bühne beliebig fortsetzen.

Auch in den Dekorations- und Kostümwerkstätten verursachte das Wasser große Schäden an Fußböden und dort lagerndem Material. Das gesamte Erdgeschoss des Funktionsgebäudes der Semperoper mit der wichtigsten Probebühne und unverzichtbaren Unterlagen wie Personalakten oder der Vorstellungschronik standen unter Wasser.

Neuer Grundwasser-Senkbrunnen

Für die Bausanierung wurden insgesamt zirka 180 Aufträge ausgelöst. Die Ausführung lag bei insgesamt elf verschiedenen Planungsbüros und 98 Firmen, davon allein 91 aus Sachsen. Zeitweilig bewegten sich bis zu 200 Menschen auf der Baustelle. Mitarbeiter von 34 Firmen kamen erst später, in der Reihenfolge der geplanten Bauabläufe, hinzu.

Der Freistaat Sachsen ließ vorsorglich eine zusätzliche Grundwasser-Entlastungsanlage rund um die Oper bauen. Inzwischen gehört das Hochwasser 2002 zur Geschichte der Semperoper. Der Besucher findet keine Anzeichen mehr für das Geschehene. Nur neben der Rezeption im Bühneneingang des Funktionsgebäudes kann man an einer Marke den damaligen Pegelstand des Wassers ablesen. Aber die Erinnerung an den Zusammenhalt der Mitarbeiter und die Unterstützung durch zahllose Menschen und Institutionen bleibt. Und an den Karpfen des Zwingerteiches, der in der Tiefgarage schwamm, wo er nun wirklich nicht hingehörte.

Annegudrun Heilmann

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