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Flutartiger Regen machte Tschechien-Kessel 2002 zur tödlichen Wasserfalle

Flutartiger Regen machte Tschechien-Kessel 2002 zur tödlichen Wasserfalle

Monsunartige Regenfälle machen aus Tschechien Mitte August 2002 buchstäblich eine voll laufende Wanne. „Wir sind eigentlich eine große Ebene, die von Bergen umschlossen ist“, sagt Tschechiens Präsident Václav Havel.

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Auch in Tschechien hatte das Hochwasser 2002 gewütet.

Quelle: dpa

Dresden. In diesen Bergen haben die zwei böhmischen Hauptflüsse ihre Quelle, die Moldau und die Elbe.

Ihre Zuflüsse bilden Hunderte von Flüssen und Bächen, in deren Umgebung 2002 Wohnungen, Denkmäler und Firmen weggespült oder beschädigt werden. Havel spricht von 3,5 Milliarden Euro Schäden und mehr als 210 000 Menschen, die ihre Häuser verlassen mussten. Ins mediale Gedächtnis brennt sich der Seebär Gaston ein, den das Hochwasser der Moldau aus dem Prager Zoo in die Elbe schwemmt. Hunderte Kilometer von Tschechiens Hauptstadt entfernt wird Gaston bei Wittenberg in Sachsen-Anhalt am Flussufer aufgefunden. Das Tier verstirbt beim Heimtransport an Entkräftung und einer Infektion.

Damals wird fast die Hälfte des Zoos überflutet. Die Käfige von mehr als 1000 Tieren müssen evakuiert werden, oft unter dramatischen Umständen. 134 Tiere sterben, darunter der Elefant Kadir, das Nilpferd Lentilka, der Löwe Bert. Es entstehen Schäden von acht Millionen Euro.

Zehn Jahre nach dieser Katastrophe, die über die Elbe und die Gebirgsflüsse auch Dresden heimsuchte, arbeiten Deutsche und Tschechen in der „Internationalen Kommission zum Schutz der Elbe“ (IKSE) in Magdeburg dermaßen systematisch zusammen, dass eine Flut von 2002 mitsamt Schäden „heute so nicht mehr auftreten können“, beteuert IKSE-Präsident Fritz Holzwarth. So sei ein funktionierendes Vorhersagesystem entstanden. Die Daten der Melde- und Erfassungszentren stünden beiden Staaten jederzeit und kostenneutral online zur Verfügung.

Auf diese Weise habe sich die Vorwarnzeit von ehemals 24 Stunden auf heute 60 Stunden erhöht. Die bei der Jahrhundertflut beschädigten Pegel sind alle repariert und mit Datenfernübertragung ausgerüstet worden. Im August 2002 hatten fast ein Drittel der 108 Pegel an den sächsischen Flüssen den Wassermassen nicht stand gehalten. Die Vergrößerung des Wasserrückhaltevolumens an den Stauanlagen der so genannten Moldau-Kaskade und in den 311 Talsperren im Einzugsgebiet der Elbe sei eine wirksame Flutprävention, erläutert Holzwarth weiter.

„Schon beim Hochwasser 2006 ist es uns gelungen, durch gesteigerten Rückhalt in den Sperren die Menge des abfließenden Hochwassers zu verringern.“ Der in den sächsischen Talsperren zur Verfügung stehende Rückhalteraum sei vom August 2002 bis heute stufenweise um 39 Millionen Kubikmeter auf 161 Millionen Kubikmeter erhöht worden. Dazu gehöre mit fünf Millionen Kubikmetern Rückhalteraum das 2006 in Betrieb genommene Becken Lauenstein im Müglitztal.

Eine aktuelle Studie zur Wichtigkeit der Talsperren in Tschechien für Dresden belege Pegelsenkungen von bis zu 80 Zentimetern durch die Staustufen an Moldau und Eger, sagt Jens Olaf Seifert, Abteilungsleiter im Umweltamt der Stadt Dresden. Seifert wies zudem auf die natürlichen Retentions- also Flussrückzugsräume hin, die Tschechien auch im Interesse der eigenen Elbanlieger (Usti nad Labem, Decin) frei hält.

Ohne diese Flächen wären die eingetretenen Pegelstände in Dresden 2002 noch höher ausgefallen. So bildete sich aber ein etwa 68 Quadratkilometer großer See zwischen Melnik und Usti. Wenn das Wasser dort nicht zurückgehalten worden wäre, wären die Pegelstände in Dresden etwa zwei Meter höher eingetreten.

rare

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