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KWL Wasserwerke: Sondereinheit Ines ermittelt
Thema Specials KWL Wasserwerke: Sondereinheit Ines ermittelt
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09:28 19.01.2010
In Schieflage geraten: Die Kommunalen Wasserwerke Leipzig (KWL). Die Ermittlungen laufen. Quelle: Volkmar Heinz
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Leipzig

Allerdings nicht bei den Leipziger Experten für Wirtschaftskriminalität, wie der dortige Oberstaatsanwalt Lutz Lehmann gestern erklärte: "Wir haben das Verfahren an Sachsens Antikorruptionseinheit Ines abgegeben. Und zwar unter Berücksichtigung der Tatsache, dass bei Ines bereits in diesem Zusammenhang ermittelt wurde."

Wie berichtet, untersuchte Ines auch schon die Cross-Border-Leasing-Geschäfte der KWL sowie der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB). Im Ergebnis wurde unter anderem Heininger im Oktober 2009 angeklagt. "Es stimmt. Ines hat ein Ermittlungsverfahren gegen die beiden Herren von den Leipziger Wasserwerken wegen des Verdachts der Untreue eingeleitet", bestätigte Oberstaatsanwältin Heike Teitge in Dresden.

Die KWL beurlaubten gestern Lutz Reichardt, einen der beiden Finanzprokuristen des Unternehmens. Damit konnten sich die Kräfte, die Reichardts sofortige Entlassung angestrebt hatten, nur teilweise durchsetzen. Vor einer endgültigen Entscheidung müssten die näheren Umstände genau geprüft werden, hieß es. Wie die LVZ schon am Montag berichtete, soll der Prokurist von den Geheimgeschäften, die Heininger und Schirmer 2006 in London abschlossen, gewusst haben. Schriftstücke, die im Zusammenhang mit den spekulativen Finanzanlagen stehen und erst im Zuge der jetzigen Aufklärung auftauchten, tragen seine Unterschrift. Reichardt war seit 1999 Prokurist der KWL, zudem bislang Geschäftsführer der Tochterfirma Wassergut Canitz GmbH, die auf 750 Hektar ökologischen Landbau betreibt.

Im Unternehmen tauchten derweil Gerüchte auf, das Abdanken des anderen langjährigen Finanzprokuristen Peter Gork, der die KWL 2008 auf Betreiben Heiningers verlassen musste, könne im Zusammenhang mit den geheimen CDO-Geschäften gestanden haben. Dem Unternehmen droht daraus inzwischen ein Schaden von über 100 Millionen Euro.

Um weitere böse Überraschungen auszuschließen, hat Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) eine Feinprüfung aller Stadtfirmen auf CDO-Geschäfte veranlasst. Insbesondere bei den LVB, wo Heininger bis September 2008 ebenfalls Finanzgeschäftsführer war, werde nun noch mal ganz genau hingeschaut.

Um die Risiken für die Wasserwerke zu begrenzen, sollen in nächster Zeit gleich zwei Finanzfachleute als Geschäftsführer an der Spitze stehen. Neben Volkmar Müller, der bereits am 8. Januar berufen wurde und von der städtischen Beratungsgesellschaft BBVL kam, ist als zweiter Geschäftsführer Rainer Prigge im Gespräch, ein gelernter Kaufmann, der in der Lüneburger Heide lebt. Die Entscheidung darüber soll heute der KWL-Aufsichtsrat treffen, der ab 16 Uhr am Sitz in der Johannisgasse tagt.

Nicht nur bei den geheimen Konten und CDO-Geschäften in London gibt es noch viel zu tun. Nach LVZ-Informationen hatte Heininger ein wichtiges Cross-Border-Leasing-Depot, das zum Rückkauf des Leipziger Trinkwassernetzes im Jahr 2033 dienen soll, als Unternehmensanleihe des New Yorker Finanzkonzerns MBIA platziert. MBIA verlor während der Finanzkrise innerhalb eines halben Jahres fast 90 Prozent seines Börsenwertes.

 

Jens Rometsch

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