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Drei Monate vor Katholikentag in Leipzig: Kritik an Förderung hält an

„Jeder soll seine Party selbst bezahlen“ Drei Monate vor Katholikentag in Leipzig: Kritik an Förderung hält an

Die Leipziger Stadträtin Ute Elisabeth Gabelmann hat ihre Kritik an der städtischen Förderung des Katholikentags bekräftigt. „Jeder soll seine Party selbst bezahlen“, sagte sie im Gespräch mit den Veranstaltern. Ein erneutes Bürgerbegehren gegen die Finanzspritze für den evangelischen Kirchentag 2017 schloss sie aus.

Foto vom Abschlussgottesdienst des Katholikentages 2012 in Mannheim.

Quelle: dpa

Leipzig. Nach den Erfahrungen mit dem gescheiterten Bürgerbegehren zum Katholikentag in Leipzig schließt die Initiatorin Ute Elisabeth Gabelmann (Piraten) ein ähnliches Vorgehen gegen den evangelischen „Kirchentag auf dem Weg“ im kommenden Jahr aus. Dafür habe sie nicht noch einmal die Kraft, sagte die Stadträtin dem Online-Portal „100 Tage – 100 Menschen“, das vom Deutschen Katholikentag initiiert wurde.

Gabelmann kritisierte dabei insbesondere die Hürden für die Bürgerbeteiligung. Wäre es möglich gewesen, die Stimmen im Internet zu sammeln, so die Piraten-Politikerin und Mitglied der SPD-Stadtratsfraktion, hätte ihre Initiative die 22.500 notwendigen Unterschriften „wahrscheinlich relativ locker eingesammelt“. Mit Ablauf der Frist waren es nur etwa 18.000. Dass dies nicht reichte, bezeichnete Gabelmann als fatales Signal: „Alle, die sich für das letzte Bürgerbegehren engagiert haben, die haben gezeigt bekommen: Über 18.000 Unterschriften sind für den Arsch.“

Piraten-Stadträtin Ute Elisabeth Gabelmann.

Quelle: Kempner

„Jeder soll seine Party selbst bezahlen“

Im Gespräch mit der Katholikentag-Web-Portal „100 Tage – 100 Menschen“ erneuerte sie ihre Kritik an der Förderung des Katholikentags durch die Stadt Leipzig mit einer Million Euro. „Jeder soll seine Party selbst bezahlen – insbesondere, wenn auf dieser Party eine bestimmte Weltanschauung verbreitet werden soll“, stellte Gabelmann klar. Die fünftägige Veranstaltung diene der Missionierung und müsse daher nicht vom Staat bezahlt werden. „Und wenn der Katholikentag mit zehn Millionen Budget plant und selber nur fünf Millionen stemmen kann – dann muss er eine Nummer kleiner planen“, forderte die Stadträtin.

Die Piratin bedauerte, dass es keine eindeutigen Richtlinien für die Kulturförderung durch den Stadtrat gebe. Dass Orchester während des Kirchentages auftreten, möchte sie nicht als Begründung gelten lassen: „Mit dieser Argumentation können wir auch ein Helene-Fischer-Konzert fördern. Das kann aber nicht Sinn der Sache sein.“

Auch anderen Gründen, die Befürworter der Finanzspritze anführen, erteilte Gabelmann eine Abfuhr: In Leipzig würden durch den Katholikentag kaum Arbeitsplätze geschaffen. „Stattdessen werden übrigens ganz viele freiwilligen Helfer gesucht.“ Auch die Hotellerie profitiere nicht im erhofften Maße, da viele Teilnehmer in Privatquartieren unterkommen. „Für mich hieß das zu gut Deutsch: verarscht“, fand die Stadträtin klare Worte.

Gabelmann kritisiert Unterbringung in Schulen

Für den Katholikentag werden unter anderem Schulen für die Unterbringung genutzt. „Auch Schulen haben weltanschaulich neutral zu sein“, ist Gabelmann überzeugt. „Und für mich gehört es auch dazu, dass man eben nicht das Schulgebäude räumen muss, weil wir gerade eine Großveranstaltung haben. Dass das nicht einmal hinterfragt wird, finde ich bedenklich.“

Der 100. Deutschen Katholikentag findet vom 25. bis 29. Mai in Leipzig statt. Im Reformationsjahr 2017 wird die Messestadt außerdem Gastgeberin eines weiteren religiösen Events: Vom „Kirchentag auf dem Weg“ wollen die Besucher zur Feier der 500. Wiederkehr von Luthers Thesenanschlag nach Wittenberg aufbrechen. Leipzig will auch diesen kleinen Kirchentag mit fast einer Million Euro unterstützen.

Das Gespräch von Ute Elisabeth Gabelmann mit dem Web-Portal „100 Tage – 100 Menschen“ ist am Sonnabend erschienen. Das Multimedia-Projekt erzählt bis zum Beginn des Deutschen Katholikentages in Leipzig 100 Geschichten über Menschen, die mit der Veranstaltung in Berührung kommen.

Von Michael Frömmert

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