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Katholikentag Neuer Dresdner Bischof: „Leipzig ist symphatisch und eine junge Stadt“
Thema Specials Katholikentag
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09:13 26.05.2016
Fototermin in der Hofkirche: Heinrich Timmerevers in der Dresdner Hofkirche. Quelle: dpa-Zentralbild
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Leipzig

Der künftige Bischof des Bistum Dresden-Meißen Heinrich Timmerevers (63) kommt zu drei Veranstaltungen des Katholikentages nach Leipzig. Im Interview sagt er, was er vom Jubiläums-Glaubensfest erwartet und warum er gern nach Dresden geht.

Herr Weihbischof, „Leipzig kommt!“ hieß mal ein Werbespruch der Messestadt. Sind Sie neugierig auf Leipzig?

So ganz unbekannt ist mir Leipzig nicht; trotzdem freue ich mich, während des Katholikentags ausführlich Gelegenheit zu haben, diese Stadt noch intensiver kennenzulernen. Vor einem Jahr habe ich die Messestadt zuletzt besucht. Davor war ich lange Jahre nicht dort gewesen. Ich war beeindruckt, wie lebendig und sympathisch Leipzig seine Gäste empfängt. Und mir gefällt, dass mitten im Stadtzentrum die Universität steht, so dass man hier auch immer viele junge Menschen sieht. Diese Stadt ist jung!

Katholikentage sind Glaubensfeste. Worauf freuen Sie sich besonders?

Zu einem Katholikentag gehören natürlich die großen Feiern unseres Glaubens: die Gottesdienste. Dabei werden sicherlich sehr unterschiedliche Gestaltungen und eine lebendige Vielfalt zu erleben sein. Darauf freue ich mich. Zugleich wird man sich auf den verschiedenen Foren und Podien zu den aktuellen Fragen in Kirche und Gesellschaft austauschen. Man wird miteinander diskutieren, versuchen, einander zu verstehen, und an Lösungen arbeiten. Auch das gehört zum Katholikentag. Und ich bin sehr gespannt auf viele neue Begegnungen und freue mich natürlich darauf, die Menschen im Bistum Dresden–Meißen kennen zu lernen.

Das Themenspektrum ist breit, die Podien prominent besetzt. Welche zentrale Botschaft könnte von Leipzig ausgehen?

Dass Kirche nicht für sich selbst da ist, sondern für die Menschen! Wir müssen uns für andere einsetzen, die in – welcher Weise auch immer - in Not sind und der Hilfe bedürfen. Zugleich braucht dieses Engagement aber auch eine Quelle, aus der es sich nährt. Das ist die Botschaft des Evangeliums, das sind Gaben, die uns aus der Begegnung mit Gott und aus den Feiern des Glaubens erwachsen.

Im ZdK gibt es Stimmen, die zur immer größeren Vielfalt des Katholikentages sagen: Weniger ist mehr. Was sagen Sie?

Ich kenne diese Debatte nicht im Detail, daher ist es für mich schwierig, mich dazu zu äußern. Weniger ist mehr, das mag zwar häufig stimmen. Doch sind die angebotene Fülle und Vielfalt ja auch eine Chance, die Lebendigkeit unserer Kirche und unseres Glaubens zu erleben.

Seht, da ist der Mensch – heißt das Motto in Leipzig. Viele verschließen aber hier die Augen und sehen nur das Fremde. Ist Kirche zu leise in der Flüchtlingsfrage?

Aus meiner jetzigen Perspektive sehe ich, dass Kirche – und dabei denke ich besonders an unsere Gemeinden und unsere vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer – Großes und Gutes für die Flüchtlinge leisten. Oft geschieht das sehr verborgen, selbstverständlich und still. Natürlich sind damit nicht alle Probleme und Herausforderungen gelöst. Unsere Gesellschaft wird sich verändern. Das wird man nicht aufhalten können, indem man Grenzen schließt und neue Mauern errichtet. Wir müssen aber auch auf die Sorgen und Ängste der Menschen eingehen. Wir brauchen Gelegenheiten, miteinander zu reden und den Dialog zu führen. Ängste kann man mit Parolen ausdrücken, aber man überwindet sie damit nicht. Wir müssen miteinander reden!

Ihr Wahlspruch als Weihbischof ist „Suchet, wo Christus ist.“ Haben heute zu viele Menschen diese Suche aufgegeben?

Das zu beurteilen, vermag ich nicht. Ich bin aber davon überzeugt, dass Gott den Menschen sucht. Das ist seine größte Sehnsucht, er will bei den Menschen sein! Wenn sich Gott und der einzelne Mensch gefunden haben, verändern sich die Lebensperspektiven. Meine Erfahrung ist: Gott macht das Leben eines Menschen attraktiv.

Als neuer Dresdner Bischof kommen Sie in einen Landstrich ohne feste Glaubensbindungen. Ein Problem für Sie?

Nein, auch in der Region, in der ich bisher tätig war, gibt es Städte und Landstriche, in denen der christliche Glaube immer weniger oder mitunter kaum eine Rolle spielt. Gleichzeitig aber gibt es immer wieder Christen, die ihren Glauben mit Entschiedenheit und Freude leben und bezeugen. Das bestärkt uns gegenseitig und hilft uns, offen zu sein für alle Menschen.

Ihr Vorgänger in Dresden, Bischof Heiner Koch, ist recht schnell von der Elbe an die Spree nach Berlin gewechselt. Sind Sie gekommen, um zu bleiben?

Wenn ich nun nach Dresden komme, verlasse ich meine vertraute Heimat und ich wünsche mir sehr, im neuen Bistum eine neue Heimat und ein neues Zuhause zu finden. Dafür braucht man Zeit. Und ich möchte hier bleiben. In der katholischen Kirche ist es üblich, als Bischof im Alter von 75 Jahren in den Ruhestand verabschiedet zu werden. Das würde ich gerne in Dresden erleben.

Von Olaf Majer

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