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Spannendes Streitgespräch mit Bodo Ramelow zum Katholikentag in Leipzig

„Ich glaube nichts, mir fehlt nichts“ Spannendes Streitgespräch mit Bodo Ramelow zum Katholikentag in Leipzig

Kann man auch ohne Gott gut leben? Dieser Frage ging gestern Nachmittag in der Kongreßhalle das Große Podium nach – vor fast tausend Katholiken, die mehrheitlich aus dem Rheinland, aus Westfalen und aus Bayern kamen.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) am Donnerstag in Leipzig.

Quelle: dpa

Leipzig. Kann man auch ohne Gott gut leben? Dieser Frage ging gestern Nachmittag in der Kongreßhalle das Große Podium nach – vor fast tausend Katholiken, die mehrheitlich aus dem Rheinland, aus Westfalen und aus Bayern kamen.

„In diesem Raum werden Sie es nicht nachvollziehen können, weshalb Religion für viele Menschen draußen irrelevant sind“, stellte Eberhard Tiefensee fest. Tiefensee? Richtig: Das ist ein vertrauter Name in Leipzig. Der 63-jährige Philosophieprofessor an der Theologischen Fakultät der Universität Erfurt ist der Bruder von Leipzigs Ex-Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee (61, SPD). Der ältere Bruder wurde 1979 als Priester geweiht und war unter anderem als katholischer Studentenpfarrer in Leipzig aktiv. Der renommierte Theologe ist jetzt unter anderem Berater der Deutschen Bischofskonferenz – in der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen.

Ein Mann, der also weiß, wovon er spricht. Und so klärt Tiefensee die Podienbesucher über die Realitäten auf: Immerhin seien in der Stadt, die den 100. Katholikentag ein Zuhause gibt, 82 Prozent konfessionslos, dagegen nur gut 4 Prozent katholisch. „Es geht auch ohne Kirche als Werteagentur. Religiöse Menschen unterscheiden sich in ihren Moralvorstellungen nicht wesentlich von nichtreligiösen Menschen“, so Tiefensee. Dennoch: „Ob wir sie brauchen oder nicht – Religion ist einfach da, und wir sollten uns zu ihr positionieren.“

Auch deshalb sei es notwendig, den Blick auf den Homo areligiosus zu richten, machte Moderator Hubertus Schönewerk klar – ohne dabei missionieren zu wollen, vielmehr gehe es um das Verstehen. Das Motto der Diskussion lautete ausdrücklich „Ich glaub’ nichts, mir fehlt nichts“. Passend zum eher säkularen Osten wurde der Untertitel gewählt: „Religiös Indifferente: Eine Herausforderung für die Kirche“. Heißt, wie mit dem Nicht-Verhältnis zur Religion umgehen?

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke), der aus einer alten protestantischen Familie stammt und seinen Glauben aktiv praktiziert, zeigte einen Weg: „Wenn die Kirchen zum Beispiel nach dem Massaker am Gutenberg-Gymnasium nicht offen gewesen wären, hätten wir keine Chance gehabt, die wunden Seelen berühren zu können. Diese indifferenten Menschen kamen in die Kirche. Man sieht, dass in einer Region, in der die Masse mit Religion nichts am Hut hat, die Kirche dennoch die Menschen erreichen kann.“ Zugleich kritisierte Ramelow den Umgang der DDR mit dem christlichen Glauben. „Es gab eine sehr totalitäre Art, Menschen den Glauben auszutreiben.“ Natürlich sei dieses SED-Erbe Teil seiner Linkspartei – „und damit setze ich mich auseinander“.

Stephan Dreyer, der ehemalige Geschäftsführer des Ökumenischen Forums Hafencity Hamburg, forderte dazu auf, „den Menschen die Möglichkeit zur Entschleunigung zu geben“. Die Politikwissenschaftlerin Stefanie Hammer aus Erfurt, die sich als „religiös unmusikalisch“ bezeichnete, sagte, Kirche sei vor allem in schwierigen Zeiten gefragt. Und Ulrich Lieb, ehemaliger Seelsorgeamtsleiter aus Magdeburg, forderte schließlich, die „Sprache der Menschen“ zu sprechen und sich nicht in kirchlichem Fachchinesisch zu ergehen. Das kam an im Publikum – wo viele doch einfach nur verstehen wollen, warum viele ohne den Glauben leben können.

Andreas Debski

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