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"Wir wollten der Stadt nie schaden" - Bischof Heiner Koch zum Katholikentag in Leipzig

"Wir wollten der Stadt nie schaden" - Bischof Heiner Koch zum Katholikentag in Leipzig

Das erhoffte Interview mit dem Bischof des Bistums Dresden-Meißen zur Debatte um den avisierten Ein-Million-Zuschuss der Stadt Leipzig für die Ausrichtung des 100. Deutschen Katholikentages kam am Dienstagmorgen leider nicht zustande.

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Seit anderthalb Jahren Bischof des katholischen Bistums Dresden-Meißen: Heiner Koch, 60 Jahre alt, geboren in Düsseldorf.

Quelle: dpa

Leipzig. Doch die im Raum stehenden Fragen zum Treffen von Zehntausenden Gläubigen Ende Mai 2016 an der Pleiße - offiziell vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) veranstaltet - waren Heiner Koch dann doch zu wichtig. So reagierte der 60-jährige Oberhirte von 142.000 katholischen Christen in Sachsen und Ost-Thüringen am späten Dienstagnachmittag noch schriftlich.

LVZ:

Der Widerstand gegen den Zuschuss ist groß. Wie kommen die teils sehr heftigen Reaktionen der Leipziger bei Ihnen an?

Heiner Koch:

Bevor ich die Einladung an die Katholiken und an alle Interessenten zum Katholikentag 2016 nach Leipzig ausgesprochen habe, habe ich mit den Verantwortlichen der Stadt und der evangelischen Kirche in Leipzig und in Sachsen gesprochen. Ich bin dankbar für ihre herzliche Ermutigung und ihre Bereitschaft, dieses Ereignis mitzutragen. Ich wusste, dass es auch in Leipzig Menschen gibt, die der katholischen Kirche sehr kritisch gegenüberstehen und auch diesen Katholikentag massiv angehen werden.

Mir war auch klar, dass sich Diskussionen an der finanziellen Unterstützung entzünden würden. Den für den Katholikentag Verantwortlichen im Zentralkomitee der deutschen Katholiken kann ich aus den aktuellen Diskussionen heraus nur dringend raten, argumentativ und transparent viel stärker in die Diskussion einzutreten und um Verständnis zu bitten. Mehr als die finanzielle Diskussion aber bewegen mich Briefe, die eine Position vertreten, dass Religion in den privaten Raum gehöre. Dass Gott in der Gesellschaft keinen Platz haben dürfe. Dass hier die Religion des Atheismus regiere.

Und mich bedrückt, dass ich selbst plötzlich anfange zu rechnen: In unserem kleinen, finanzschwachen Bistum geben wir jedes Jahr Millionen Euro in erzieherische und karitative Einrichtungen, deren Dienste sich einer hohen Nachfrage vieler Bürgerinnen und Bürger Sachsens erfreuen, die keiner Kirche angehören. Die Katholiken in unserem Bistum haben noch nie gefragt, wie viel Geld aus ihren Beiträgen für diese Menschen ausgegeben wird. Ihnen wird nun der Vorwurf gemacht, dass sie staatlich gefördert werden wollen. Ich habe in Sachsen immer ein solidarisches Miteinander erlebt und möchte nicht, dass hier ein Keil zwischen uns und die anderen Bürgerinnen und Bürgern geschlagen wird.

Wie erklären Sie sich die harsche Kritik aus der Bevölkerung?

Die Leipziger haben ein Recht auf eine klare Begründung und Transparenz der Verwendung ihrer Steuermittel. Der Protest hat Recht, wenn er hier vor der Entscheidung auf Aufklärung pocht. Deshalb haben die Verantwortlichen des Zentralkomitees als Veranstalter des Katholikentags angeboten, die Fraktionen des Stadtrats aufzusuchen und ihnen Rede und Antwort zu stehen und die Informationen zu erläutern, die sie bereits vorgelegt haben.

Der Stadtrat hat die Entscheidung in der Vorwoche auf Eis gelegt. Gesetzt dem Fall, Sie hätten vor dem Plenum für den Katholikentag werben dürfen, was hätten Sie den Damen und Herren gesagt?

Ich hätte den Stadtrat um ein Mittragen dieses Katholikentages gebeten. Mir war es von Anfang an ein Anliegen, dass dieser eben nicht ein Binnen-Treffen der deutschen Katholiken wird, sondern auch ein gegenseitig bereichernder Austausch mit den Menschen, die unserem Glauben und unserer Kirche nicht angehören. Dazu sind mir aus Leipzig sehr viele positive Signale und Einladungen gegeben worden.

Ich hätte darum geworben, mit dem Katholikentag ein Zeichen zu setzen, dass die Menschen in dieser weltoffenen Stadt bereit sind, das Leben auch von Minderheiten wie den Katholiken zu fördern. Ich hätte ihnen mit wissenschaftlich belegbaren Aussagen deutlich gemacht, dass der erbetene Zuschuss sich finanziell für die Stadt auszahlt, eine Investition in einen Gewinn ist. Die Zahlen der vergangenen Katholikentage sind da eindeutig. Ich hätte versucht, den Stadträten zu verdeutlichen, welche Werbung kurz- und langfristig der Besuch von so vielen Menschen darstellt. Ich hätte erklärt, dass wir uns dem Wohl der Stadt verpflichtet fühlen.

Deshalb haben wir auf Bitten der Stadt den Katholikentag verlegt vom Himmelfahrtswochenende, weil dort große Messen in Leipzig stattfinden sollen, deren Vertreter mir persönlich sagten, dass sie selbstverständlich bereit wären, der katholischen Kirche in Leipzig den Vorrang zu lassen. Ich habe dies damals abgelehnt, weil es einen großen finanziellen Nachteil für die Stadt bedeutet hätte. Wir gehen nun auf das für uns deutlich ungünstigere Fronleichnamswochenende - ohne staatlichen Feiertag. Aber wir wollten der Stadt nie schaden. Dass jetzt der Vorwurf erhoben wird, wir nutzten die Stadt aus, tut nach den Gesprächen in den vergangenen Wochen auch persönlich weh.

Die Stadt Leipzig soll eine Million Euro geben, der Freistaat Sachsen drei Millionen Euro zuschießen. Um wie viel Geld hat das Zentralkomitee der deutschen Katholiken das Bistum Dresden-Meißen gebeten?

Mit der kleinen Katholikenzahl im Bistum Dresden-Meißen, die ein Viertel der Bewohner der Stadt Leipzig ausmacht, sind wir an eine für uns schmerzhafte finanzielle Obergrenze gegangen, als wir dem Zentralkomitee 600.000 Euro als Zuschuss für den Katholikentag zugesagt haben.

Sollte Leipzig als Zuschuss-Geber ausfallen, springt dann das Bistum ein?

Wir machen durch den Katholikentag keinen finanziellen Gewinn, es kommen keine Gelder zurück. Mehr als die genannte Summe können wir nicht beisteuern.

Hatten Sie seit dem vertagten Stadtratsvotum Kontakt zu Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD)?

In meinem Namen hält der durch unser Bistum für den Katholikentag beauftragte Leipziger Pfarrer Gregor Giele mit dem Oberbürgermeister Kontakt. Das Zentralkomitee, die Katholiken der Stadt Leipzig und ich als Bischof werden darüber hinaus schnellstens das Gespräch mit dem Oberbürgermeister und den Fraktionen im Stadtrat und auch mit anderen Gruppierungen suchen, die dies wünschen, um offene Fragen zu beantworten und für einen fairen Austausch zu sorgen.

Ich bin letztlich nicht für die finanzielle Sicherung des 100. Deutschen Katholikentages verantwortlich. Ich möchte aber keinen Euro annehmen, der nicht ehrlich und überzeugt gegeben ist. Und ich möchte einen Katholikentag in Leipzig erleben, an den sich auch viele Bürgerinnen und Bürger der Messestadt frohen Herzens erinnern, die nicht unserer Kirche angehören.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.07.2014

Dominic Welters

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