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Die LVZ berichtet Starke Festival-Eröffnung
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Leipziger Lachmesse 2018
13:07 17.10.2017
Gruppenbild mit Preisträger: Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke, Helmut Schleich und Martin Buhl-Wagner (r.) von der preisstiftenden Messe Leipzig.   Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

 Es ist eine Weile her, es ist heute unvorstellbar, aber es ist passiert: Vor einigen Jahren musste ein Lachmesse-Gastspiel Helmut Schleichs mangels Kartennachfrage abgesagt werden. Anno 2017 trägt der Bayer aus dem ausverkauften Academixer-Keller den Preis des Festivals nach Hause, Geschenke von Kollegen und viele Erinnerungen an einen wunderbaren Eröffnungsabend mit „Bravo“-Rufen aus dem Publikum. Sie ging am Sonntag also schon mal gut los, die 27. Lachmesse.

Chronologisch gesehen begann das internationale Festival für Humor und Satire schon nach dem Frühstück: Im Haus Leipzig feierten Tom Pauls und Peter Ufer am Vormittag zehn Jahre „Sächsisches Wort des Jahres“ – unter den Gästen auch Helmut Schleich, der sich dafür bedankt, „dass die Sachsen den Bayern das Saufen beigebracht haben“: Vom Chemnitzer Komponisten Bernhard Dietrich nämlich stammt der Schunkelknaller „Ein Prosit der Gemütlichkeit!“, den seit 1912 beim Münchner Oktoberfest Bajuwaren wie Amis und Japaner singen. „Oans, zwoa, gsuffa.“

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Bei den Academixern prostet man sich mit (Frei-)Bier erst nach getaner Arbeit zu: nachdem Anke Geißler den Abend mit politischen Spitzen eingeleitet, zum Schleich-Programm hinübergeführt und der Kabarettist eindrucksvoll unterstrichen hat, wie sehr er den Preis verdient. „Ehrlich“, dieses zwischen Komik und fieser Schärfe austarierte Meisterstück, reiht brillante Studien über erdachte und verblichene Charaktere aneinander. Allen voran natürlich der Poltergeist der CSU, Franz Josef Strauß, den Schleich in Gestik und Mimik perfekt trifft und in seiner Selbstherrlichkeit köstlich überzeichnet. Herrlich auch Heinrich von Horchen, der Gesangslehrer von Jopie Heesters, der über Silben ebenso stolpert wie über die Kungelei in der EU. Und dann gibt’s noch die mordende „Bestie von Dodlbach“, deren fatale Ehrlichkeit einen deftigen Kontrast zur politisch-gesellschaftlichen Empfehlung bildet, Wahrheiten besser für sich zu behalten.

Zumindest gemogelt hat sein langjähriger Begleiter und Regisseur Rainer Pause, indem er Schleich scheinheilig per SMS viel Spaß in Leipzig gewünscht und nach dem Wetter dort gefragt hat – und nun als Überraschungs-Laudator die Bühne entert. Der Kabarettist und Gründer des Pantheon-Theaters Bonn seziert den Preisträger liebe- und respektvoll bis zwinkernd; in einer grauen, speckigen Lederjacke à la Bruno Jonas, die ihn wie ein Requisit aus der kabarettistischen Aufmüpfigkeit der 80er umgibt. Als der CSU-Guru noch lebte. Für Pause bezeichnend, dass sich Schleich an vergangenen Politikern wie Strauß abarbeiten muss, „weil es den gegenwärtigen an Profil mangelt“.

Prasselnder Applaus, Überreichung des von der Leipziger Messe gestifteten 3500-Euro-Preises und Glückwünsche von Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke. Der Rest ist Feiern – und Vorfreude auf das, was nun noch alles kommt.

Von Mark Daniel

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