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Legida Leipziger Polizei dementiert Kindes-Vergewaltigung durch Flüchtlinge
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Legida und Proteste
14:06 04.10.2015
Erneut kursieren bei Facebook offenbar erfundene Schreckensmeldungen über Asylbewerber in Leipzig.  Quelle: dpa
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Leipzig

Erfundene Meldungen über Diebeszüge von Asylbewerbern in Leipziger Supermärkten kursieren in sozialen Netzwerken bereits seit Wochen. Am Wochenende haben die Gerüchte eine neue Qualität erreicht. Das fremden- und islamfeindliche Bündnis Legida berichtete auf seiner Facebook-Seite über eine angeblich von Zeugen verhinderte Vergewaltigung eines Kindes durch Asylbewerber an der Red-Bull-Arena. Die Polizei und auch RB Leipzig wiesen das Ganze als haltlos zurück. Inzwischen dementieren auch die Verfasser.

Auf Anfrage von LVZ.de sagte eine Polizeisprecherin am Samstag: „Uns ist in dieser Hinsicht nichts bekannt. Wir gehen mindestens von einer Fake-Meldung aus.“ Rund um die Erstaufnahmeeinrichtung in der Ernst-Grube-Halle, in der mehr als 400 Flüchtlinge untergebracht sind, seien in der vergangen Woche keinerlei Vorfälle bekannt, betont die Polizei. Es gebe keine Anzeige und auch keine Anhaltspunkte, um zu ermitteln.

Polizei prüft rechtliche Schritte

Geprüft werden daher nun intern auch rechtliche Schritte. Laut der Sprecherin könnte möglicherweise der Tatbestand der Verleumdung erfüllt sein. Denn Legida behauptete in dem als „Eilmeldung“ überschriebenen Posting vom Freitagabend: „Der Polizei Leipzig ist der Vorgang bekannt, er darf jedoch angeblich nicht veröffentlicht werden.“ Daran sei absolut nichts dran, betonte die Sprecherin.

Auch Fußball-Zweitligist RB Leipzig wurde in der Meldung explizit erwähnt. „Nach vertraulicher Mitteilung aus Polizeikreisen haben Fans von RB (oder Spieler?) die Vergewaltigung eines Kindes durch sogenannte Flüchtlinge/Asylforderer in Stadionnähe nur durch körperliches Eingreifen verhindern können.“ Der Verein verwehrt sich gegen die Behauptung, Spieler seien in den Vorfall involviert gewesen. Dahingehend sei nichts bekannt, teilte der Klub gegenüber LVZ.de mit.

Am späten Samstagabend ruderte Legida daraufhin zurück. "Danke an die Polizei für die Richtigstellung der uns zugetragenen Meldung", hieß es in einem Update der Meldung bei Facebook. "Der Sachverhalt hat sich nach Polizeiangaben NICHT bestätigt!" Das ursprüngliche Posting, das zuvor im Netz für Wirbel gesorgt hatte, blieb darunter stehen. Mehr als 400 Nutzer hatten die Fake-Nachricht bereits bei Facebook geteilt.

Erfundene Gerüchte über Flüchtlinge nichts Neues

Bereits vor rund zwei Wochen hatten Meldungen über randalierende und stehlende Flüchtlinge im Globusmarkt Leipzig-Seehausen im Netz für Unruhe gesorgt. Sowohl der Filialleiter als auch die Polizei hatten dem jedoch widersprochen. Asylbewerber aus der benachbarten Halle 4 auf der Neuen Messe würden in dem Markt einkaufen und normal bezahlen, hieß es. Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) verurteilte die Gerüchte: „Hinter diesen Falschmeldungen steckt strategisch geplante, bösartige Aufwiegelei von ganz rechts außen. Widerlich!“

Als „Deppen“ hatte Polizeisprecher Andreas Loepki die Verfasser solcher Nachrichten in sozialen Netzwerken bezeichnet. MDR Info sagte er: „Es reicht, dass ein Depp – ich sag es mal so, denn es sind solche – irgendeine Halbwahrheit oder einen erfunden Sachverhalt postet. Wenn zwei oder drei andere das wiederum teilen, wird es wieder welche geben, die es auch teilen. So vermehrt sich das. Am Ende glauben die Leute, weil es 1.000 oder 2.000 andere irgendwo verlinken, dass das Gerücht wahr sein muss, weil so viele es schreiben. Nein, ist es eben nicht.“

Von LVZ

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