Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Legida Legida plant keine Demos mehr – stattdessen Kabarett und Netzwerkarbeit
Thema Specials Legida und Proteste Legida Legida plant keine Demos mehr – stattdessen Kabarett und Netzwerkarbeit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Legida und Proteste
20:29 10.01.2017
Legida auf dem Weg durch das Waldstraßenviertel. Auf der Abschlusskundgebung kündigten die Rechtspopulisten an, künftig nicht mehr auf der Straße demonstrieren zu wollen. Quelle: LVZ
Leipzig

Legida läuft künftig nicht mehr. Fast auf den Tag genau zwei Jahre nach der ersten Demonstration in Leipzig verkündete Legida-Organisator Arndt Hohnstädter am Montagabend, dass das fremden- und islamfeindliche Bündnis in Zukunft nicht mehr für große Veranstaltungen mobilisieren wird. "Wir haben uns als Legida wirklich bemüht, mit Dresden und Chemnitz eine Struktur aufzubauen. Leider ist uns das bis heute nicht geglückt", erklärte Hohnstädter auf der Legida-Bühne und schob später hinterher: "Freunde, es soll kein Abgesang sein, aber wir werden uns hier auf der Straße künftig zurücknehmen, weil in Zeiten, in denen unser Staat von Außen und Innen bedroht wird, ist es nicht opportun, jede Woche oder jeden Monat tausende Polizisten von ihren Familien abzuhalten."

Gegenüber LVZ.de bestätigten Hohnstädter und Mitstreiter Stephane Simone später, dass das Netzwerk künftig keine regelmäßigen Demonstrationen mehr in Leipzig organisieren werde. Stattdessen seien kleinere Veranstaltungen denkbar - unter anderem nannte Hohnstädter Kabarett-Abende mit Stephane Simone als Beispiel. Politisch will Legida künftig eher im Hintergrund an einem sachsenweiten Bürgerforum arbeiten, in dem sich auch andere gleichgesinnte Initiativen organisieren können.

400 Legida-Anhänger treffen auf mehr als 2000 Gegendemonstranten

Der Montag zeigte auch deutlich, dass Legida in Leipzig zunehmend die Kraft ausgeht. Die Forschungsgruppe Durchgezählt ermittelte bei Ihren Erhebungen noch 340 bis 400 Teilnehmer bei der Demonstration des rechten Bündnisses. Das waren deutlich weniger als beim vergleichbar stark mobilisierten Jahrestag vor einem Jahr. Im Dezember bei der letzten regulären Legida-Veranstaltungen waren sogar nur bestenfalls 150 Menschen gekommen.

Im Gegensatz zu den Rechtspopulisten war der Gegenprotest auch am Montag in Leipzig um ein Vielfaches größer. 1500 bis 2000 Menschen gingen am Montag gegen Legida auf die Straße. Die Polizei musste Demonstrationszüge aus der Innenstadt umleiten, weil diese größer als erwartet waren. Es war ein breites Bündnis aus Bürgern, Vereinen, Kirchen, Gewerkschaften und Parteien von FDP über SPD, Linke und Grüne. Nur die Leipziger CDU erteilte dem Gegenprotest eine Absage - wie bereits in den Monaten zuvor.

„Leipzig hat heute ein Zeichen gesetzt“, erklärte ein merklich erschöpfter Grünen-Landeschef Jürgen Kasek nach der Demonstration. „Die letzten zwei Jahre waren für die, die den Gegenprotest organisiert haben sehr anstrengend.“ Er hegt die Hoffnung, dass man nun wieder zu einer sachlichen Diskussion zurückkehren könne.

Während sich mehrere Demonstrationszüge von Hauptbahnhof, Nikolaikirche und Augustusplatz in Bewegung setzten, lief ein weiterer Zug aus Connewitz in Richtung Innenstadt. Ein Jahr nach dem Angriff von mehr als 200 Tätern aus dem rechten Spektrum demonstrierten 500 bis 750 Menschen Unterstützung für den Stadtteil im Leipziger Süden – angemeldet waren 150. „Ich hätte nicht erwartet, dass so viele kommen“, erklärte Linken-Politikerin Juliane Nagel am Abend. „Das war ein starkes Zeichen.“ Die Versammlungsbehörde leitete den Demozug wegen der großen Teilnehmerzahl um. Nach der Vereinigung auf der Käthe-Kollwitz-Straße ging es für die Legida-Gegner gemeinsam zum Waldplatz. Im Viertel hatten sich die Bürger vorbereitet. Aus vielen Fenstern tönte „Freude schöner Götterfunken“ – die Europa-Hymne, mit dem Text der Ode an die Freude war die Melodie des Gegenprotests.

Demonstrationen blieben weitgehend friedlich

Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort. Während die Demozüge ins Waldstraßenviertel liefen, sperrte die Polizei jeweils nur die Bereiche um die jeweiligen Gruppen. So blieb das komplette Verkehrschaos in der Innenstadt aus. Das Waldstraßenviertel war an vielen Stellen abgesperrt. Mit Gittern, Beamten und Wasserwerfern hielten die Ordnungshüter beide Lager getrennt. Einen Durchbruchsversuch der Gegendemonstranten in Richtung Legida gab es. Später kam es am Waldplatz zu Gerangel zwischen Polizisten und Legida-Gegnern, als diese einen Böller in Richtung der Gegendemonstraten schleuderten und Mülltonnen umgeworfen wurden.

Der Umzug von Legida durchs Waldstraßenviertel wurde von lautem Protest begleitet. Auch von hier flog ein Böller in Richtung Legida-Demo. Ansonsten hatte die Polizei die Lage unter Kontrolle. Auch der Heimweg der verschiedenen Gruppen verlief ohne größere Störungen. In Leipzig blieb es an diesem Montagabend weitgehend friedlich. Die Polizei registrierte bis zum Abend (23 Uhr) neun Straftaten im Rahmen der Demonstrationen: drei versuchte gefährliche Körper Verletzungen, eine Körperverletzung, drei Widerstände gegenüber Polizeibeamten, ein Verstoß gegen das Versammlungsgesetz und eine Sachbeschädigung. „Freiheitsentziehende Maßnahmen gab es keine“, so Polizeisprecher Andreas Loepki. Es wurden lediglich die Personalien festgestellt.

LVZ.de begleitet die Ereignisse am 9.1.2017 mit einem Liveticker. Im Folgenden ist dieser noch einmal zum Nachlesen.

1500 bis 2000 Gegendemonstranten haben am 9. Januar 2017 in Leipzig gegen Legida protestiert. Bei den Rechtspopulisten kamen weniger als 400 Teilnehmer.
  • 09.01.17 22:50
    Abschluss
    Wir beenden für heute den Live-Ticker zum Demonstrationsgeschehen. Die LVZ wünscht eine ruhige Nacht.
  • 09.01.17 22:49
    Neun Straftaten am Rande der Demos
    Laut Polizei wurden am Abend im Zusammenhang mit den Demonstrationen neun Straftaten registriert. Darunter drei versuchte gefährliche Körperverletzungen, eine Körperverletzung, drei Fälle von Widerstand gegen Polizeibeamte, eine Sachbeschädigung und ein Verstoß gegen das Versammlungsgesetzt. Festnahmen gab es keine. Die Personalien wurden festgestellt.
  • 09.01.17 22:09
    Alles ruhig in der Stadt
    Keine Vorkommnisse. Der Abend verläuft ruhig in der Stadt, erklärte Polizeisprecher Andreas Loepki eben gegenüber der LVZ.

  • 09.01.17 21:54
    Erleichterung
    Auf der Gegenseite macht sich Erleichterung breit. "Die letzten zwei Jahre waren für die, die den Gegenprotest organisiert haben sehr anstrengend", erklärt Grünen-Landeschef Jürgen Kasek. "Vielleicht können wir nun sachlich diskutieren." Die Bürger Leipzigs haben in den zwei Jahren Protest gegen Legida ein Zeichen gesetzt, sagt Kasek. Das sagt auch Juliane Nagel, Landtagsabgeordnete der Linken. Aber sie warnt, es könnte Ein Pyrrhussieg sein. "Auch Leipzig ist nicht ohne Rassismus." Nach der Erleichterung über ein Ende von Legida sieht sie nun die Chance, gegen Alltagsrassismus in der Stadt aktiv zu wirken, oder stärker abseits der Großstadt in der Region zu wirken.
  • 09.01.17 21:26
    Abreise verläuft reibungslos
    Die Abreise der Legida-Anhänger über den Leipziger Hauptbahnhof verlief ohne Störungen. Yvonne Manger, Sprecherin der Bundespolizei in Leipzig erklärte, dass alles ruhig blieb am Bahnhof.
  • 09.01.17 21:15
    Die Reaktionen
    Der Bürgerverein Waldstraßenviertel freute sich über den breiten Protest im Quartier. Die Bewohner hätten ein Zeichen für Mitmenschlichkeit und Toleranz gesetzt. Ausdrücklich bedankt sich der Verein bei der Polizei "für ihr umsichtiges Handeln".
  • 09.01.17 21:00
    Legida läuft nicht mehr
    Arndt Hohnstädter und Stéphane Simone erklären gegenüber LVZ.de: Legida wird nicht mehr in dem Umfang wie bisher mobilisieren.

    Stattdessen soll es Veranstaltungen im kleineren Rahmen geben. Was genau ist noch nicht sicher, aber auch an Formate wie Kabarett wird gedacht.
  • 09.01.17 20:47
    Nur noch kleinere Veranstaltungen
    Nochmal Hohnstädter bei Legida: Stéphane Simone wird künftig nur noch kleinere Legida-Veranstaltungen organisieren.
  • 09.01.17 20:42
    Ist Legida am Ende?
    Arndt Hohnstädter erklärt auf der Legida-Bühne: "Wir sind weiter im Internet, wie rufen zu Veranstaltungen auf, aber die zwei Jahre haben viel Kraft gekostet." Ist es - zwei Jahre nach dem ersten Aufzug - das Ende der Legida-Demos in Leipzig?
  • 09.01.17 20:35
    Abschlusskundgebung
    Legida will sich, so heißt es auf der Bühne, auf der Straße zurücknehmen, dafür künftig politischer arbeiten. Das rechte Bündnis will ein Bürgerforum anstoßen.
  • 09.01.17 20:27
    Feuer in der Leibnizstraße
    In der Leibnizstraße brennt eine Papiertonne, heißt es aus der Einsatzleitstelle der Feuerwehr. Ob es einen Zusammenhang mit dem Demo-Geschehen gibt, steht nicht fest.
  • 09.01.17 20:24
    Baldiges Ende der Legida-Abschlusskundgebung
    Geschlossen wollen die verbliebenen Legida-Teilnehmer in Richtung Straßenbahn laufen.
  • 09.01.17 20:11
    Ruhe kehrt ein
    Im Waldstraßenviertel entspannt sich die Lage. Die Demonstrationen lösen sich auf.
  • 09.01.17 20:03
    Der Abend neigt sich dem Ende
    Bei Legida gehen die ersten. Auch auf der Gegenseite machen sich die ersten Teilnehmer auf den Heimweg.
  • 09.01.17 20:02
Tickaroo Liveblog Software

Der erste Jahrestag von Legida im Januar wurde von rechtsextremen Krawallen in Connewitz überschattet. Auch zum zweijährigen Bestehen will die fremdenfeindliche Initiative wieder in Leipzig demonstrieren. Unter dem Motto „#Blockruf“ formiert sich dagegen Protest.

17.01.2017

Die Staatsanwaltschaft Leipzig hat ein Ermittlungsverfahren gegen die frühere Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling eingestellt. Der früheren Pegida-Frontfrau war vorgeworfen worden, sie habe versucht, deutsche Männer für einen fremden Wehrdienst anwerben zu wollen. Die Ermittlungen sind nun beendet.

29.11.2016

Nur rund 200 Menschen sind am Abend zur Demonstration der rechtspopulistischen Initiative Legida gekommen. Der Aufmarsch wurde von Gegendemos und Kundgebungen begleitet. In der Innenstadt kam es zu kurzen Tumulten, als Hooligans den Grünen-Politiker Jürgen Kasek entdeckten.

17.01.2017