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Pegida Dresdner Politologe Patzelt: „Auflösung von Pegida wäre Wunschdenken“
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Legida und Proteste
18:14 22.01.2015
Der Dresdner Politikwissenschaftler Werner Patzelt glaubt nicht, dass sich Pegida nach dem Rücktritt von Lutz Bachmann erledigt hat. (Archivbild) Quelle: dpa
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Dresden

Frage: Was bedeutet der Rücktritt von Frontmann Lutz Bachmann für die Pegida-Bewegung?

Patzelt: Wenn Pegida eine Bewegung wäre, die um einen charismatisch-genialen Führer herum entstand, dann wäre der Rücktritt das Ende. Lutz Bachmann war aber nur der Kristallisationspunkt einer eher zufällig um ihn herum entstandenen Bewegung. An seine Stelle werden nun andere treten. Im Grunde werden viele sogar erleichtert sein, dass sie sich nun nicht mehr mit der peinlichen Biografie Bachmanns und seinen unerträglichen Äußerungen im Internet auseinandersetzen müssen. Es wäre also Wunschdenken, zu erwarten, dass sich mit dem Rückzug nun auch Pegida auflösen würde.  

Ermittlung wegen Volksverhetzung, ausländerfeindliche Kommentare - bestätigen die Vorwürfe gegen Bachmann nicht den Eindruck, dass Pegida im Kern rechtspopulistisch ist?

Dass unter den Pegida-Leuten auch Rechtsradikale und Rechtsextremisten sind, war doch von Anfang an bekannt. Wenn man auf die Webseiten von Pegida und deren Anhängern geht, findet man jede Menge unsäglicher Aussagen. Der Streit ging aber darum, ob die Mehrheit der Pegida-Demonstranten solche „Stinkstiefel“ sind, oder ob das nur eine Minderheit ist. Nach meiner Beurteilung sind die meisten aber normale Leute - wenngleich ziemlich weit rechts von der Mitte. Viele werden sich von einem peinlich gewordenen Frontmann befreit empfinden. Eine Minderheit wird zu trotziger Solidarisierung neigen.

Schwächen die Machtkämpfe zwischen Legida und Pegida die islamkritische Bewegung?

Die Ableger von Pegida wurden ja in der Regel nicht von Dresden aus organisiert. Vielmehr hat man andernorts den Mobilisierungserfolg nachzuahmen versucht - mit unterschiedlichen Programmen. Dabei war Legida mit seinen zum Teil rechtsextremistischen Forderungen von Anfang an klar rechter als Pegida. Und nachdem die Dresdner Organisatoren nun anscheinend versuchen, gegen ihr Bild als islamfeindliche und xenophobe Faschistengruppe anzugehen, sieht man ganz besonders rechtsgerichtete Bewegungen wie Legida mit großer Sorge. Anscheinend entbrennt nun ein Macht- und Deutungskampf darum, wer tatsächlich für Pegida als system- und politikerkritische Bewegung stehen darf.

ZUR PERSON: Werner J. Patzelt (61) ist Gründungsprofessor des Dresdner Instituts für Politikwissenschaft und hat den Lehrstuhl für Politische Systeme und Systemvergleich an der Technischen Universität Dresden seit 1991 inne.

Christiane Raatz

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