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Leichenfund am Leipziger Elsterbecken Grausige Details im Prozess zu Stückelmord an zwei Frauen in Leipzig
Thema Specials Leichenfund am Leipziger Elsterbecken
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08:59 02.03.2018
Dovchin D. wird zum Prozessauftakt im Landgericht Leipzig geführt. Der Mongole soll zwei Frauen ermordet und ihre Leichen grausam zerstückelt haben. Quelle: Kempner
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Leipzig

 Ein schmaler, kleingewachsener Mann mit Turnschuhen und weißem T-Shirt betritt in Handschellen den Saal 115 des Leipziger Landgerichts. Der unscheinbare Asiate mit getönter, rahmenloser Brille soll eines der grausamsten Gewaltverbrechen der vergangenen Jahre in Leipzig begangen haben. Zwei 40 und 43 Jahre alte Frauen lockte Dovchin D. im April und November 2016 laut Anklage in seine Wohnung nach Altlindenau, erwürgte die betrunkenen Opfer in seinem Bett und zerstückelte anschließend ihre Leichen. Die sterblichen Überreste soll der 38-jährige Mongole ins Elsterbecken, teilweise aber auch in den Müll geworfen und die Toilette heruntergespült haben.

Leichenteile mit Fahrradständer versenkt

Dovchin D. wirkt regungslos, als Staatsanwalt Torsten Naumann beim Prozessauftakt am Freitagmorgen die Anklagepunkte mit erschreckenden Details vorträgt. Zweifacher Mord und Störung der Totenruhe wird dem verheirateten Konstruktionsmechaniker vorgeworfen. Äußern will er sich dazu vorerst nicht, auch bei der nächsten Verhandlung nur Angaben zu seiner Person machen, wie sein Anwalt Stefan Wirth ankündigt. Die Tatvorwürfe hatte der in Ulan Bator geborene Angeklagte bereits nach seiner Festnahme im Februar weitgehend eingeräumt. Vor Gericht wird Dovchin D. von einer Dolmetscherin unterstützt.

Zwei Frauen soll Dovchin D. (38) umgebracht, ihre Leichen zerstückelt und anschließend entsorgt haben. Am 17. November begann am Leipziger Landgericht der Prozess gegen den 38-jährigen Mongolen wegen zweifachen Mordes.

Bundesweit sorgte besonders der erste der beiden Morde im April 2016 für Entsetzen. Der Fund der zerteilten Leiche von Maria D. aus Portugal (43) im Elsterbecken weckte Erinnerungen an den Leipziger Stückelmordfall von 2011. Damals wurde die Leiche eines 23-Jährigen auf ähnliche Weise zugerichtet und entsorgt. Der Täter Benjamin H. wurde zu 14 Jahren Haft verurteilt und in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Auch die Leiche von Maria D. entdeckten Spaziergänger. Arme und Beine waren abgetrennt. Mit einem Fahrradständer und Steinen beschwert soll Dovchin D. die Tote zwischen dem 10. und 21. April an der Landauer Brücke versenkt haben.

Die beiden Opfer Maria D. (links) und Anja B. Quelle: Polizei

Verweigerter Sex als Mordmotiv?

Während die Soko „Brücke“ 2016 unter Hochdruck nach dem Mörder fahndete, suchte dieser sich ein zweites Opfer. Anja B. (40) verschwand im November spurlos. Teile ihrer Leiche fanden die Ermittler im Februar im Keller des Wohnhauses von Dovchin D. in der Demmeringstraße 42 sowie im verfallenen Apostelhaus in unmittelbarer Nähe. Die Mutter einer zweijährigen Tochter aus Grünau soll in der Nacht vom 29. auf 30. November umgebracht worden sein, vermutlich in den Morgenstunden, so die Anklage. Bis zum Neujahrstag 2017 behielt D. die Leiche wohl noch in seiner Wohnung. Die zerstückelten Körperteile der Toten warf der 38-Jährige zum Teil auch in den Hausmüll und in die Toilette, berichtet Staatsanwalt Naumann.

Die Durchsuchungen der Polizei am Montagabend in zwei Gebäuden im Stadtteil Lindenau sind am Dienstag fortgesetzt worden. Kriminalisten in weißen Schutzanzügen sicherten am Vormittag Spuren im seit vielen Jahren leerstehenden Apostelhaus in der Apostelstraße.

Die Tat selbst soll in beiden Fällen ähnlich abgelaufen sein. Dovchin D. habe sich „auf den Bauch der auf dem Bett liegenden, stark angetrunkenen Frauen“ gesetzt und die wehrlosen Opfer „mit beiden Händen erwürgt“, schildert der Staatsanwalt. Ob es zuvor zum Sex kam, werden im Prozess Gutachter klären müssen. Mögliches Motiv könnte zumindest im Fall von Anja B. verweigerter Geschlechtsverkehr sein. Entsprechende Avancen soll die 40-Jährige laut Staatsanwaltschaft zurückgewiesen haben. Kennengelernt hatten sich der Täter und seine Opfer vermutlich in einer Bar in Lindenau, in der die Frauen ebenso wie der Mongole verkehrten.

Angehörige und Freunde der Opfer im Gericht

Insgesamt hat die erste Strafkammer unter dem Vorsitz von Richter Hans Jagenlauf 15 Verhandlungstage bis zum 5. März 2018 angesetzt. An dem Mordprozess nehmen als Nebenkläger auch der Vater der heute dreijährigen Tochter von Anja B., ihre Mutter und Schwester sowie vier Angehörige von Maria D. teil. Auch Freundinnen von Anja B. verfolgten am Freitag den Auftakt des Prozesses. Er wird am 11. Dezember fortgesetzt.

Von Robert Nößler

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