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Leichenfund am Leipziger Elsterbecken Zwei Morde in Leipzig aufgeklärt: 38-Jähriger festgenommen
Thema Specials Leichenfund am Leipziger Elsterbecken Zwei Morde in Leipzig aufgeklärt: 38-Jähriger festgenommen
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18:29 28.02.2017
Beamte durchsuchen das Wohnhaus des mutmaßlichen Mörders. Quelle: Kempner
Leipzig

Ein 38 Jahre alter Mann aus Leipzig hat die Portugiesin Maria D. (43) und die Deutsche Anja B. (40) im vergangenen Jahr getötet. „Wir gehen davon aus, dass beide Fälle mit großer Wahrscheinlichkeit aufgeklärt sind“, sagte Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz am Dienstag gegenüber LVZ.de.

Der entscheidende Schlag gelang den Ermittlern am Montagnachmittag. Da klingelten sie mit einem Durchsuchungsbeschluss an der Wohnungstür des Tatverdächtigen in der dritten Etage eines Mehrfamilienhauses an der Ecke William-Zipperer-Straße/Demmeringstraße. Unter dem Druck der Ermittlungen brach der Mieter zusammen. Im Zuge der Durchsuchung habe er beide Morde gestanden, hieß es am Dienstag. „Er hat zu den Taten Angaben gemacht“, so Schulz.

Die Durchsuchungen der Polizei am Montagabend in zwei Gebäuden im Stadtteil Lindenau sind am Dienstag fortgesetzt worden. Kriminalisten in weißen Schutzanzügen sicherten am Vormittag Spuren im seit vielen Jahren leerstehenden Apostelhaus in der Apostelstraße.

Das Motiv des 38-Jährigen, der nicht vorbestraft ist, liegt allerdings noch im Dunkeln. Ein Spaziergänger hatte im April des vergangenen Jahres den Torso von Maria D. unter der Landauer Brücke im Elsterbecken gefunden. Der Fall um die zerstückelte und grausam zugerichtete Leiche der Frau gab den Beamten lange Zeit ein Rätsel auf. Augenzeugen hatten sie zuletzt in der Blue Moon Bar in der Endersstraße in Lindenau lebend gesehen. Danach verlor sich ihre Spur.

Einen neuen Ansatz fanden die Ermittler der Soko „Brücke“ durch einen zweiten Fall. Seit 29. November 2016 wurde die 40-jährige Anja B. aus Leipzig-Grünau vermisst. Sie wurde zwei Wochen nach ihrem Verschwinden per Öffentlichkeitsfahndung gesucht. Auch sie soll sich in einer Bar in Lindenau aufgehalten haben.

„Im Zuge der Ermittlungen haben sich die Hinweise auf den 38-Jährigen verdichtet“, so Schulz. In seinem Geständnis, welches er am Dienstag vor dem Ermittlungsrichter in Kurzform noch einmal wiederholte, habe er nicht nur die grausamen Verbrechen zugegeben, sondern auch Angaben zum Tatort gemacht. Polizei und Staatsanwaltschaft wollen dazu noch keine Aussagen machen. Gegen den Mann wurde Haftbefehl erlassen.

Neben der Wohnung des mutmaßlichen Mörders wurde allerdings auch der Keller im Haus versiegelt. Das Untergeschoss darf derzeit auch von den restlichen Mietern nicht mehr betreten werden. Möglicherweise hat er dort seine beiden Opfer umgebracht.

Die Leiche von Anja B. fand die Polizei am Montag nach Hinweisen des Tatverdächtigen im Apostelhaus in der Apostelstraße, wenige Meter vom Wohnhaus des 38-Jährigen entfernt. Kriminalisten sicherten am Dienstag dort in Schutzanzügen weitere Spuren, Beamte aus Thüringen unterstützten sie mit Spürhunden. Zum Zustand der Leiche wollte Schulz auch aus ermittlungstaktischen Gründen und aus Rücksicht auf die Hinterbliebenen keine Angaben machen. Die sterblichen Überreste von Anja B. werden derzeit in der Rechtsmedizin untersucht.

Matthias Roth