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LVZ Autorenarena
15:26 04.03.2018
Die Finalisten vor der Alten Handelsbörse: Isabel Fargo Cole, Matthias Senkel, Georg Klein, Esther Kinsky und Anja Kampmann (von links). Quelle: André Kempner
Leipzig

Es sei ein bisschen wie ein Speeddating, sagt Jörg Plath, der den Abend in der Leipziger Handelsbörse moderiert – gemeinsam mit Katrin Schumacher. Wobei der Vergleich klemmt, da bei dieser Partnersuche nur eine Seite spricht. Das mit der Geschwindigkeit aber stimmt. Anderthalb Stunden haben fünf Autoren Zeit, sich und ihre Romane vorzustellen. Dazu spricht Buchmessedirektor Oliver Zille ein paar warme Worte.

In gut einer Woche beginnt die Leipziger Buchmesse, die Aufwärmphase für das Publikum hat begonnen. Neben dem Format „Buchmesse schmeckt“ mittags in der Moritzbastei gab es am Freitag eine Vorstellungsrunde der für den Belletristik-Preis der Leipziger Buchmesse nominierten Autoren. Der Sieger wird am 15. März bekanntgegeben.

Matthias Senkel: Dunkle Zahlen. Roman. Matthes & Seitz; 488 Seiten, 24 Euro Quelle: Verlag

Es sind auch diesmal fünf: Isabel Fargo Cole, Anja Kampmann, Esther Kinsky, Georg Klein und Matthias Senkel. Ihre Romane sind in den zurückliegenden Wochen erschienen. Das gehört zu den Wünschen Oliver Zilles, dass sie frisch sein mögen, die Literaturen, das heißt: aus dem Frühjahrsprogramm. Denn die Auswahl der Finalisten – auch in den weiteren Kategorien Sachbuch/Essayistik und Übersetzung – sei nicht nur eine Möglichkeit, Autoren „etwas zurückzugeben“, sondern die Chance, in der Masse der Neuerscheinungen „zu fokussieren“.

Anja Kampmann: Wie hoch die Wasser steigen. Roman. Hanser Verlag; 352 Seiten, 23 Euro Quelle: Verlag

Im Fall der Belletristik fällt das Licht auf Romane, die von drei Frauen und zwei Männern geschrieben wurden, die Jüngste ist 1983 geboren, der Älteste 1953. Zwei Mal geht es zurück in die Zeit des Kalten Krieges, zwei Mal aber auch in die Zukunft. Ähnlichkeiten sind zufällig, die von den Juroren ausgewählten Werke außerordentlich verschieden.

Nach kurzer Plauderei geht’s für eine kurze Lesung ans Pult – Speeddating eben. Dass Moderatorin Schumacher in Anja Kampmanns (34) Debüt „Wie hoch die Wasser steigen“ eine „diffuse Figur“ erkennt, erklärt die in Leipzig lebende Schriftstellerin so: „Je nachdem, mit wem er zusammenkommt, ist er ein anderer.“ Er – das ist Waclaw, auch Wenzel genannt, der auf einer Bohrinsel arbeitet, die er verlässt, nachdem sein Freund Matyás dort vermutlich verunglückt ist. Viele Jahre hat er da draußen gearbeitet, jetzt kehrt er zurück an Land und in die Länder seiner Vergangenheit, seines Lebens.

Wie Kampmann ist auch Matthias Senkel Absolvent des Deutschen Literatur Instituts, lebt in Leipzig und hat viel recherchieren müssen. Sein Roman „Dunke Zahlen“ führt weit zurück und weit voraus, und vor allem folgt er der Entwicklungsgeschichte der Rechentechnik gekoppelt an die gesellschaftliche Entwicklung der Sowjetunion. Senkel, Jahrgang 1977, arbeitet mit Listen, Kreuzworträtseln, Abkürzungsverzeichnissen und derart vielen Formen, dass er sich zum Formalismus bekennen soll, was er „gern“ tut.

Geog Klein: Miakro. Roman. Rowohlt; 336 Seiten, 24 Euro Quelle: Verlag

Weit in die Arbeitswelt der Zukunft führt Georg Klein (64) Menschen und Technik in seinem Roman „Miakro“. Er sei überrascht gewesen, dass sein Verlag das Buch eingereicht habe „ohne mich zu fragen“, denn „zum zweiten Mal kriegt man so einen Preis nicht“. Klein hat ihn 2010 für den „Roman unserer Kindheit“ erhalten. Noch dazu werde es ihm „immer ein Rätsel bleiben, dass der Text mehrheitsfähig war“. Das lässt sich über alle Finalisten sagen, denn jedes Buch hat etwas Spezifisches, fast Eigentümliches.

„Wenn man die Dinge beim Namen nennt, wird alles politisch“, sagt Isabel Fargo Cole, die 1973 Illinois (USA) geboren wurde, in New York aufgewachsen ist und seit 1995 in Berlin lebt. Man könne nicht nicht politisch sein. Sie nähert sich im Roman „Die Grüne Grenze“, dessen Handlung in den 70ern einsetzt, den Schichten deutscher Geschichte, aber auch dem Harz, der politischen Geschichte einer Landschaft sozusagen.

Esther Kinsky: Hain. Geländeroman. Suhrkamp; 287 Seiten, 24 Euro Quelle: Verlag

Auf das Genre „Geländeroman“ nicht schon früher gekommen zu sein, ärgert sich Esther Kinsky (61). Unter dem Titel „Hain“ („Es sollte ein Gehölz im Titel sein.“) erwächst auf Italienischen Reisen Wissen über Zeiten, Orte und Natur. Aber „nicht um des Wissens willen“, sondern aus der Erzählung, aus überraschende Blickachsen zum Assoziativen.

Isabel Fargo Cole: Die grüne Grenze.Roman. Nautilus; 496 Seiten, 26 Euro Quelle: Verlag

Alle fünf, das wird in der leider keineswegs voll besetzten Handelsbörse klar, führen weit weg, um fremde, kaum vertraute Welten näher zu bringen. „Ich habe grundsätzlich Vertrauen in die Phantasie der Lesenden“, sagt Georg Klein. Es klingt wie ein Schlusswort.

Eine Aufzeichnung sendet Deutschlandfunk Kultur in der Nacht zum 11. März um 0.05 Uhr

Die Nominierten – Namen und Termine

Belletristik: Isabel Fargo Cole: „Die grüne Grenze“, Anja Kampmann: „Wie hoch die Wasser steigen“, Esther Kinsky: „Hain: Geländeroman“, Georg Klein: „Miakro“, Matthias Senkel: „Dunkle Zahlen“

Sachbuch/Essayistik: Martin Geck: „Beethoven. Der Schöpfer und sein Universum“, Gerd Koenen: „Die Farbe Rot. Ursprünge und Geschichte des Kommunismus“, Andreas Reckwitz: „Die Gesellschaft der Singularitäten. Zum Strukturwandel der Moderne“, Bernd Roeck: „Der Morgen der Welt. Geschichte der Renaissance“, Karl Schlögel: „Das sowjetische Jahrhundert. Archäologie einer untergegangenen Welt“

Übersetzung: Robin Detje: übersetzte aus dem amerikanischen Englisch „Buch der Zahlen“ von Joshua Cohen, Olga Radetzkaja: aus dem Russischen „Sentimentale Reise“ von Viktor Schklowskij, Sabine Stöhr, Juri Durkot: aus dem Ukrainischen „Internat“ von Serhij Zhadan, Michael Walter: aus dem Englischen die „Werksausgabe“ in drei Bänden von Laurence Sterne, Ernest Wichner: aus dem Rumänischen „Oxenberg und Bernstein“ von Catalin Mihuleac

Die Preisträger werden am 15. März, 16 Uhr, auf der Buchmesse (Glashalle) bekanntgegeben; zuvor stellen sich alle Nominierten vor: Belletristik: 11 Uhr (Halle 4, Stand F 100), Sachbuch: 12 Uhr (Halle 4, Stand F 100); Übersetzung: 13 Uhr (Halle 4, Stand C 505), preis-der-leipziger-buchmesse.de

Von Janina Fleischer

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