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Buchmesse-News Leipziger Buchmesse mit Aufruf zu Toleranz eröffnet
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LVZ Autorenarena
21:35 14.03.2018
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) überreicht der norwegischen Autorin und Journalistin Asne Seierstad den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung. Quelle: dpa
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Leipzig

Mit einem Aufruf zu Respekt, Toleranz und Vielfalt startet die Literaturbranche auf der Leipziger Buchmesse in den Bücherfrühling. Angesichts des Erstarkens rechter Kräfte und Verlage sagte Börsenvereinschef Heinrich Riethmüller am Mittwochabend bei der Eröffnungsfeier, die gesamte Zivilgesellschaft sei gefordert, sich wieder mehr mit inhaltlichen Themen auseinanderzusetzen und auch extreme Positionen nicht wegzuschweigen.

„Ein lebendiger Meinungsbildungsprozess, der geprägt ist von der inhaltlichen Auseinandersetzung, dem Austausch, der Diskussion und der Debatte, ist essenziell für unsere Demokratie“, sagte Riethmüller bei dem Festakt im Leipziger Gewandhaus.

Riethmüller verteidigte die Zulassung rechter Verlage zu dem viertägigen Branchentreff. „Wenn wir Meinungsfreiheit ernst nehmen, müssen wir sie auch jenen zugestehen, deren Wertvorstellungen und Meinungen wir nicht teilen, ja deren Ansichten wir sogar für gefährlich halten“, sagte er.

"Daraus haben wir gelernt.“

Im vergangenen Herbst war es auf der Frankfurter Buchmesse zu Tumulten an den Ständen rechter Verlage gekommen. In Leipzig hat die Initiative #verlagegegenrechts Protestaktionen angekündigt. Kurz vor der offiziellen Eröffnung hatten am Mittwochabend rund 400 Menschen vor dem Leipziger Gewandhaus gegen rechte Verlage auf der Buchmesse protestiert. „Wir werden nicht hinnehmen, dass rechte Ideologien auf der Buchmesse verbreitet werden“, sagte René Arnsburg, Mitinitiator von #verlagegegenrechts. Hinter der Initiative stehen mehr als 70 unabhängige Verlage sowie rund 200 Einzelpersonen, die einen Aufruf gegen rechte Stimmungsmache auf der Buchmesse unterzeichnet haben.

Riethmüller begründete das Nein zu einer Ausgrenzung Andersdenkender mit den Erfahrungen in der NS-Zeit. Damals habe sich der Börsenverein des Deutschen Buchhandels aus opportunistischen Beweggründen den neuen Machthabern angedient und freiheitliche Grundwerte über Bord geworfen, sagte er. „Unser innerer Wertkompass ging uns damals verloren. Daraus haben wir gelernt.“

Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung

Bei dem Festakt wurde am Mittwochabend die norwegische Autorin Åsne Seierstad mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung geehrt. Die 48-Jährige erhielt die mit 20 000 Euro dotierte Auszeichnung für ihr Buch „Einer von uns“ über den norwegischen Massenmörder Anders Breivik. „Schriftsteller sein heißt, die Antworten, das Schweigen, das Handeln in Worte zu fassen und auf Papier zu bringen“, sagte Seierstad bei der Preisverleihung.

Bei der Leipziger Buchmesse stellen bis zum Sonntag mehr als 2600 Verlage aus 46 Ländern ihre Neuerscheinungen vor. Gastland ist dieses Jahr Rumänien.

Angesichts des medialen Wandels stehe die Branche vor großen Herausforderungen, sagte Riethmüller. Zwar sei der Umsatz in den vergangenen zehn Jahren weitgehend stabil geblieben. Allerdings habe man 6,5 Millionen Käufer verloren - fast 20 Prozent der Kunden. Diese Menschen müssten für das Buch zurückgewonnen werden. „Wir haben mit dem Buch ein Produkt, das einen Ausgleich zur Hektik des Alltags verspricht“, sagte er.

Leipziger Buchpreis wird vergeben

Mit Spannung wurde für den ersten Messetag am Donnerstag die Vergabe des renommierten Leipziger Buchpreises erwartet. In der Sparte Belletristik sind fünf Autoren nominiert: Isabel Fargo Cole („Die grüne Grenze“), Anja Kampmann („Wie hoch die Wasser steigen“), Esther Kinsky („Hain: Geländeroman“), Georg Klein („Miakro“) und Matthias Senkel („Dunkle Zahlen“). Auch in den Kategorien Sachbuch/Essayistik und Übersetzungen gibt es jeweils fünf Bewerber.

Zur Buchmesse und dem dazugehörigen Lesefestival „Leipzig liest“ werden knapp 300.000 Besucher erwartet. Vor allem junge Leute sind von der parallel laufenden Manga-Comic-Con angezogen.

Nach den Zusammenstößen zwischen rechten und linken Aktivisten bei der Frankfurter Buchmesse wurden in Leipzig die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Einzelheiten nannte Buchmessechef Oliver Zille nicht. Er betonte, Verlage aus dem rechten Spektrum dürften in Leipzig ausstellen, solange sich die Publikationen im Rahmen der Gesetze bewegten.

Die rechtsgerichtete Wochenzeitung „Junge Freiheit“ (JF) hatte in der Vorwoche ihre Teilnahme an der Buchmesse zurückgezogen. Durch die Standplatzierung in einem von der Messe konstruierten „rechtsextremen Block“ von Verlagen sei eine Teilnahme absolut rufschädigend und wirtschaftlich sinnlos, hieß es in der Begründung.

LVZ

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