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LVZ-Autorenarena Kermani, Gysi, Fischer: Tag 3 der LVZ-Autorenarena wird politisch
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LVZ Autorenarena
10:20 19.03.2018
Ex-Außenminister Joschka Fischer in der LVZ-Autorenarena.  Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

 Am dritten Tag der Leipziger Buchmesse wird es politischer in der LVZ-Autorenarena. Eröffnungsgast Navid Kermani berichtet von Reise-Erlebnissen an den Grenzen, Rissen und Gräben die sich gegenwärtig in Europa neu auftun. Die Langform seiner „Spiegel“-Reportage, für die er von seiner Heimatstadt Köln durch den Osten Europas bis nach Isfahan reiste, trägt den Titel „Entlang den Gräben“. Im Gespräch mit Mathias Wöbking erklärt Kermani: „Geschichte öffentlich zu erinnern, ist überall schwierig.“

Raphael Thelen und Thomas Victor stellen ebenfalls ihre Reportage vor. Und: Das Material für „Straße der Träume – ein Roadtrip auf der B 96“ sammelten sie in Ostdeutschland. „Wie kommt man auf die Idee, einen Roadtrip auf der B 96 zu machen“, interessiert Olaf Majer. „Wir hatten gelesen, dass sie in der DDR eine der wichtigsten Straßen war“, erklärt Raphael Thelen. Wie die Route 66 durch die USA, führt die B 96 einmal durch Ostdeutschland. Die beiden Autoren berichten von zahlreichen Gesprächen mit Leuten, denen sie unterwegs begegneten. Dabei schrecken sie nicht davor zurück, von gescheiterten Existenzen zu erzählen. Wie auch von Menschen , die noch Träume haben.

Mit Gretchen Dutschke ist danach jemand in der LVZ-Autorenarena zu Gast, der immer Träume hat und hatte. Die gebürtige Amerikanerin und Witwe des 1979 verstorbenen Rudi Dutschke erzählt in „1968. Worauf wir stolz sein dürfen“, wie sie ihren späteren Ehemann kennenlernte und wie sie Teil der 68er-Bewegung wurden. LVZ-Redakteur Jürgen Kleindienst möchte wissen, „worauf genau sie denn stolz sein dürfe?“ Dutschke: „Wir dürfen stolz sein, auf das, was wir getan haben.“ Es sei ein anderes Deutschland nach 1968 gewesen. Und: „Es ist noch da.“

André Kubiczek verrät im Gespräch mit dem Autor dieses Beitrags, dass er den Titel seines Gegenwartsromans „Komm in den totgesagten Park und schau“ ursprünglich nur als Arbeitstitel wählte, weil der Verlag seine Titel bisher ohnehin einkassiert hatte. „Diesel Mal ist er einfach so durchgegangen“, sagt Kubiczek. Er könne aber – so wie das ganze Buch – auf die aktuelle Zerrissenheit der deutschen Gesellschaft angewandt werden.

Gregor Gysi: Bin leidenschaftlich Anwalt

LVZ-Chefredakteur Jan Emendörfer begrüßt im Anschluss Gregor Gysi, der seine Autobiografie „Ein Leben ist zu wenig“ vorstellt. Auch die 30 Minuten Redezeit in der LVZ-Arena sind für Gysi zu wenig. Aus seinem ereignisreichen Leben verrät er einige Episoden: „Ich bin leidenschaftlich ein Anwalt. Ich vertrete immer jemanden, der in einer schweren Situation ist.“ Er habe beispielsweise Bürger der DDR vertreten, die niemand vertreten wollte. Einer Person, die ihn anfeindete, habe er einmal gesagt: „Wenn sie mich netter behandelt hätten, wären Sie mich schon lange los.“

Fotos aus der LVZ-Autorenarena auf der Leipziger Buchmesse 2018, u.a. mit Gregor Gysi, Gretchen Dutschke, Guido Knopp, Dominique Horwitz, Sabine Ebert, Joschka Fischer, Sebastian Fitzek.

Um gute Manieren geht es auch in Jalid Sehoulis Buch „Von der Kunst, schlechte Nachrichten gut zu überbringen. „Es gibt kein allgemeines Rezept“, sagt der 49-Jährige im Gespräch mit Nikos Natsidis. Man könne aber trotz schlechter Rahmenbedingungen ein gutes Gespräch führen. Ungünstig sei beispielsweise in jedem Fall, wenn der Arzt im Flur des Krankenhauses sagt: „Ja, der Krebs ist wieder da“, erläutert der Gynäkologe und Onkologe.

„Jetzt wird es historisch“, kündigt André Böhmer im Anschluss an und begrüßt den „Geschichtslehrer der Nation“. In seiner Autobiografie „Meine Geschichte“ verknüpft Guido Knopp eigene Lebensstationen mit gesellschaftlichen Entwicklungen. Der 70 Jahre alte Historiker erzählt beispielsweise von seiner Studienzeit bei Theodor W. Adorno, Touren mit seinem ersten Auto – einem Fiat 500 – und vom Mauerfall, so wie er ihn erlebte und das ZDF davon berichtete.

„Du lässt dein Leben jetzt einfach so laufen, hast keinen Plan.“ Das habe Norbert Wehrstedt Dirk Zöllners Kolumnen „Affenzahn“ entnommen. Wehrstedt will wissen, ob das denn stimme. Der Sänger schaue jetzt nur alle zwei Wochen im Vorlauf, was demnächst so anliege, sonst werde ihm langweilig. Zöllner: „So versuche ich, das Leben etwas auszubremsen.“

„Weimar spielt immer noch eine Hauptrolle. Sie haben das richtig lieb?“, fragt Peter Korfmacher zu Beginn des nachfolgenden Gesprächs mit Dominique Horwitz, dessen neuer Roman „Chanson d’Amour“ wie schon der Vorgänger in der Klassikerstadt spielt. „Ich weiß nicht, ob ich Weimar lieb habe, aber ich habe meine Frau lieb und die wohnt in Weimar“, so Horwitz.

Hungersnöte und Weltuntergangspropheten

Von Weimar führt der Weg in der LVZ-Autorenarena danach zur Leipziger Bestseller-Autorin Sabine Ebert. Als „Meisterin des historischen Romans“ wird sie von Anita Kecke willkommen geheißen. Im zweitem Teil ihrer Romareihe über Friedrich Barbarossa, die den Titel „Schwert und Krone – Der junge Falke“ trägt, erzählt sie von Hungersnöten und Weltuntergangspropheten in den deutschen Landen des 12. Jahrhunderts. Warum sie sich jetzt auf Barbarossa konzentriere, interessiert Kecke. „Er ist eine der schillerndsten und bedeutendsten Persönlichkeiten des Mittelalters“, erklärt Sabine Ebert.

Joschka Fischer habe keine Autobiografie geschrieben, sagt Jan Emendörfer über „Der Abstieg des Westens“. Es sei ein politischer Essay. Aus der Geschichte könne man lernen, dass der Aufstieg von dominanten Weltmächten – und deren Abstieg – nicht friedlich verlaufen, sagt der langjährige Außenminister. Heute hätten wir es mit globalen und atomaren Mächten zu tun, das mache es nicht gerade einfacher, führt Fischer weiter aus. „Wie gehen wir damit um?“, fragt er in Bezug auf Deutschland und gibt die Antwort gleich selbst: Es führe kein Weg an einem gemeinschaftlichen Europa vorbei.

Mit Fabian Kahl nimmt ein weiterer prominenter Leipziger in der LVZ-Arena Platz. Bekannt ist der 26-Jährige aus der ZDF-Reihe „Bares für Rares“. In „Der Schatzsucher. Auf der Jagd nach Kunst und Kuriositäten“ beschreibt er, wie er überhaupt dazu kam. Im Gespräch mit Kerstin Decker verrät er: „Es kam unverhofft.“ Eines Tages sei ein Kamerateam auf ihn zugekommen, als er wie so oft seinen Stand auf dem Agra-Flohmarkt betreute.

Sebastian Fitzek setzt den Schlusspunkt am dritten Tag der LVZ-Autorenarena. Und Anita Kecke rät dem Publikum: „Setzen sie sich hin, aber schnallen sie sich an“, denn Deutschlands erfolgreichster Autor von Psychothrillern präsentiert sein neues Buch „Flugangst 7 A“. Schwangeren, die demnächst fliegen wollen, rät Fitzek, besser das Lesen des Buches erst einmal zu verschieben.

Von Mathias Schönknecht

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