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LVZ-Autorenarena Von Hans Modrow bis zu Sky du Mont: Das war der Sonntag in der LVZ-Autorenarena
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LVZ Autorenarena
10:12 19.03.2018
Hans Modrow in der LVZ-Autorenarena. Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

Am letzten Tag der LVZ-Autorenarena geht es zu Beginn mit Thomas Fritz in die Vergangenheit. Die ersten beiden seiner Bücher seien Kriminalromane in der Gegenwart gewesen, stellt Moderator Christian Neffe voraus. Warum er die Handlung von „Kinder des Labyrinths“ nun in der Antike spielen lässt, möchte er ergänzend wissen. Fritz: „Mich hat der Stoff schon lange interessiert“, und zudem sei es auch ein Schuss Polemik gewesen, eine Trotzreaktion. Denn: Die Gegenwart lasse nichts neben sich zu, Fritz habe gedacht, da „erzähle ich mal so einen antiken Stoff.“

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Fotorückblick mit Sky Du Mont, Iny Lorentz, Jan Weiler und mehr Gästen der LVZ-Autorenarena auf der Leipziger Buchmesse 2018.

Nachdem alle Termine von Jan Weiler am Messe-Samstag wegen des Bahnausfalls geplatzt waren, haben die Besucher der LVZ-Arena am Sonntag Glück. Denn: Er ist da – mit seinem neuen Roman „Kühn hat Ärger“. „Viele denken, das ist ein Krimi. Aber ich bin kein Krimi-Schreiber“, sagt Weiler im Gespräch mit Jana Brechlin. Es gebe zwar ein Opfer, einen Täter und auch einen Kommissar, im Vordergrund seiner Bücher stehe aber die Beschreibung des Lebens in einer überforderten Gesellschaft. „Die Temperatur im Leben geht immer von heiß auf kühl – und so muss es auch in den Büchern sein.“

Mehr heiß als kühl ging es in der Depeche-Mode-Fankultur der DDR zu. Der 1971 in Leipzig geborene Historiker Sascha Lange widmete sich daher gemeinsam mit dem Grafiker Dennis Burmeister in „Behind the Wall“ diesem „Phänomen“, wie Lange sagt. „Warum wurde Depeche Mode in der DDR dermaßen verehrt?“, fragt Mark Daniel. Lange: „Wir konnten es nicht komplett aufschlüsseln“, aber durch das Auftreten der Band als Gang in den 80ern, hätten Fans immer irgendwie dazugehören und ein Teil dieser Gang werden wollen. Sehr angenehm findet Daniel, dass sich der Autor zurückhält und keine eitle Ich-Geschichte erzähle. Man müsse all diese Dinge für alle Fans erzählen, erklärt Lange, das sei in der Ich-Form nicht möglich.

„Ich habe keine Zeit zum Abheben. Ich muss schreiben.“

Dass gleich zwei Personen im Anschluss in der LVZ-Autorenarena Platz nehmen, als Iny Lorentz zu Gast ist, hat eine einfache Erklärung: Hinter dem Namen verbirgt sich das Schriftstellerehepaar Iny Klocke und Elmar Wohlrath. Mit ihren Romanreihen „Die Wanderhure“ und „Die Wanderapotheke“ erreichten sie Millionenauflagen. „Sie wirken trotz des Erfolgs ganz bodenständig und überhaupt nicht abgehoben“, bemerkt Armin Görtz. „Ich habe keine Zeit zum Abheben, entgegnet Wohlfahrt trocken, „ich muss schreiben.“ In ihrem neuen Roman „Tage des Sturms“ geht es um eine Romanheldin in der Zeit der Märzrevolution 1848.

Mit einer klaren Ansage ist das Buch des letzten DDR-Ministerpräsidenten der SED, Hans Modrow, betitelt: „Ich will meine Akte. Wie westdeutsche Geheimdienste Ostdeutsche bespitzeln“. Im Gespräch mit Olaf Mayer erklärt der 90-Jährige, dass es ihm mit der Forderung weniger um seine eigene Geschichte, sondern seine Rolle als Historiker und Schriftsteller gehe. Nicht nur die SED-Diktatur, sondern auch die Arbeit der Geheimdienste und alles drumherum müsse aufgearbeitet werden, fordert Modrow. Sonst bekomme man eine nicht den Tatsachen entsprechende Geschichtsschreibung.

„Nach Hans Modrow machen wir jetzt einen Sprung westwärts“, kündigt im Anschluss Norbert Wehrstedt Felicitas Hoppe an. Die Büchner-Preisträgerin unternahm eine Expedition nach Amerika, um sich auf die Spuren der russischen Schriftsteller Ilf und Petrow zu begeben, die 80 Jahre vor ihr unterwegs waren und zu Kultfiguren wurden. Niedergeschrieben hat Hoppe dies in „Prawda. Eine amerikanische Reise“. „Wo fast niemand hinfährt, wenn er in die USA reist, ist der Mittlere Westen“, sagt die Schriftstellerin. Wer aber dorthin fahre, erlebe ein anderes, unbekanntes Amerika. Im Mittleren Westen könne man auch die derzeitige politische Entwicklung in den USA besser zu verstehen versuchen.

Alexander Zimmeck hat das folgende Buch nicht geschrieben, aber die MDR-TV-Sendung „Unsere köstliche Heimat“ erfunden, erklärt LVZ-Redakteurin Kerstin Decker. Etwa 60 Gerichte habe er bisher in der Sendung vorgestellt. „Man denkt immer, es ist alles erzählt,“ aber auch für die nächste Zeit sei bereits wieder Stoff für drei neue Folgen gefunden worden. Im Buch geht es nicht nur darum, die Gerichte, sondern auch Leute aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen vorzustellen, aus denen die Gerichte stammen, berichtet Zimmeck. „Am besten ist es, wenn sich Leute bei uns melden, mit Rezepten, die wir noch nicht kennen“, sagt er. Da das nicht oft der Fall sei, gehe er über Touri-Informationen, Heimatmuseen oder Lokalzeitungen.

Julius Fischer: „Ich bin Rentner im Herzen“

„Woher all der Hass“, fragt Moderatorin Nadine Marquardt im Anschluss. „Je mehr Leute man trifft, umso höher ist die Gefahr, dass einem nervige Eigenschaften von Menschen auffallen“, erläutert Julius Fischer. „Es ist ein ironisches Buch“, relativiert er im Anschluss den Titel „Ich hasse Menschen“. „Mein Wunsch war es, Hass so ein wenig aus der Schmuddelecke herauszuholen.“ Es passt mehr zu einem meckernden Rentner als zu einem Autoren mit Mitte 30, entgegnet Marquardt. „Ich bin Rentner im Herzen“, sagt Fischer. Ein guter Grund, um Menschen auch auf der Buchmesse zu hassen, sei übrigens: „Ich bleibe einfach mal mitten im Gang stehen. Warum sind Menschen so“, fragt sich der Leipziger Autor.

Vom Moderator zum Gast der LVZ-Autorenarena wird im Anschluss Mark Daniel. Er präsentiert im Gespräch mit Jürgen Kleindienst „Rock ’n’ Roll 4evermore. Irre Trips zu alten Helden“. Zwischen den Buchdeckeln stehen die Geschichten, wie Daniel mit seinem Freund „Hümmi“ zu Konzerten von alten Rock-Recken reiste. Warum auch Chris de Burgh auftauche, fragt Kleindienst, er sei doch so gar nicht rockig. Das Lied „A Spaceman Came Travelling“ sei der einzige Grund gewesen. Es live zu hören, sei dann ganz schön enttäuschend gewesen, erklärt Daniel.

Zum Abschluss der diesjährigen Autorenarena ist einer zu Gast, der nicht vorgestellt werden muss: Sky du Mont. Seit 2002 schreibt der Schauspieler auch Bücher. In seinem aktuellen Werk „Jung sterben ist auch keine Lösung“ schickt eine 97-jährige Mutter ihren 76-jährigen Sohn, den Protagonisten des Romans, auf die Suche nach einem Altenheimplatz – für sich selbst, nicht für die resolute Mutter. Die Idee für das Bücher sei nach einer Begebenheit mit seiner eigenen Mutter entstanden, verrät du Mont. Als er 52 war, habe er mit ihr an deren Tisch gesessen, als ein Nachbar hereinkam. Seine Mutter habe dann gesagt: „Das ist Herr Müller. Steh auf und gib ihm die Hand.“

Von Mathias Schönknecht

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Sonntagnachmittag. Die Leipziger Buchmesse 2018 neigt sich ihrem Ende zu. In der LVZ-Autorenarena wird es noch einmal spannend, u.a. mit den Gästen Julius Fischer, Felicitas Hoppe und Grandseigneur Sky du Mont. Seien Sie dabei – vor Ort oder LiveStream.

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