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LVZ-Lesungen Erste Lesung im Café Satz: „Bandenland“ – was kriminelle Clans in Sachsen anrichten
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LVZ Autorenarena
15:05 25.03.2017
Der Autor und Journalist Olaf Sundermeyer (l.) im Café Satz mit LVZ-Lokalchef Björn Meine (r.). Quelle: André Kempner
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Leipzig

 Es war ein kurzweiliger Abend im Café Satz. Olaf Sundermeyer vermittelte den rund 40 Besuchern einen Einblick in die Strukturen der organisierten Kriminalität in Deutschland – bei allem Ernst auf unterhaltsame Weise. Auch Sachsen ist stark von marodierenden Diebesbanden betroffen – Leipzig gilt zum Beispiel als Zentrum des Autodiebstahls. Woher die Banden kommen und wieso sie in Deutschland besonders gut agieren können – darum geht es im Buch „Bandenland“, das außerdem mögliche Wege aus der Kriminalitätskrise aufzeigt. Olaf Sundermeyer (44) ist Redakteur beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) in der Abteilung „Investigativ und Hintergrund“. Er beschäftigt sich seit Jahren mit Themen der inneren Sicherheit und Bandenkriminalität, aber ebenso mit Rechtsextremismus und Gewalt im Fußball.

Deutschland rüstet auf: Bürger wollen sich selbst schützen. Die Antragsflut bei „kleinen Waffenscheinen“ in Sachsen, Pfeffersprays an der Baumarktkasse, der zunehmende Einbau von Alarmanlagen, die Gründung von Bürgerwehren – all das sind Anzeichen dafür, dass viele nicht mehr auf das staatliche Gewaltmonopol vertrauen. Die Tendenz ist relativ neu – und sie hängt unmittelbar mit der Erweiterung des Schengen-Raums zusammen: 2007 fielen unter anderem die Grenzkontrollen von und nach Polen und Tschechien weg – parallel zu Einsparungen bei Landespolizeien, zum Beispiel in Sachsen und Brandenburg. In seinem Buch „Bandenland“, das am Donnerstag erschienen ist, liefert der Journalist Olaf Sundermeyer eine schonungslose Analyse der Kriminalitätssituation in Deutschland. Er hat mit Ermittlern und Staatsanwälten gesprochen und im Milieu recherchiert.

Leipziger Buchmesse 2017 bei der LVZ. Sehen Sie hier Fotos der Lesungen von Katrin Weber und Olaf Sundermeyer.

Sundermeyer deckt in seinem Buch in mehreren Schritten ein Geflecht von organisierten Banden und Clans auf, die hochprofessionell arbeiten. Die zwar in den meisten Fällen nicht gewalttätig agieren. Die aber mit schwer zu fassenden und noch schwerer zu inhaftierenden Einbrechern, Auto-, Fahrrad- und Taschendieben die staatliche Autorität mehr und mehr untergraben. Und die, daran besteht nach Sundermeyers sorgfältiger Analyse kein Zweifel, zu einem sehr großen Teil aus dem Ausland kommen. Die „importierte Kriminalität“ sei in Polizeikreisen längst gängiger Begriff. „Der soziale Frieden in unserem Land droht zu erodieren“, konstatiert der Autor.

Olaf Sundermeyer fordert ein Ablegen der Scheuklappen. „Köln hat uns geholfen“, zitiert der Journalist einen Ermittler. Die Silvesternacht, nach der über 1200 Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft eingingen, viele wegen sexueller Übergriffe, hat zu einem offeneren Umgang geführt. Die Täter kamen vor allem aus den Maghreb-Staaten und dem arabischen Raum. Dafür, dass auch die seit Jahren zunehmenden Einbrüche und Diebstähle nicht aus der Mitte der Gesellschaft erwachsen, liefert Sundermeyer jede Menge Daten und Belege. Europol geht davon aus, dass mindestens die Hälfte aller Einbrüche in Westeuropa auf das Konto organisierter reisender Banden geht. Algerische Antänzer, polnische Autodiebe oder albanische Drogendealer seien keine Erfindung populistischer Demagogen, sondern Ergebnis einer zunehmend globalisierten Welt, sagt Sundermeyer. Er fordert vor allem mehr Ermittler und Staatsanwälte sowie mehr Polizei in Bund und Ländern, auf Bahnhöfen und in Bahnen. „Sicherheit kann man kaufen“, sagt der Autor. Nötig seien aber auch mehr internationale Zusammenarbeit, mehr Videoüberwachung und: bessere Integration. „Es wird eine der wichtigsten Aufgaben der nächsten Jahre sein, Migranten und ihre Kinder in Deutschland so zu behandeln, dass diese sich erst gar nicht für ein Leben in der Kriminalität entscheiden.“

Olaf Sundermeyer: Bandenland. Deutschland im Visier von organisierten Kriminellen. C.H. Beck Verlag. 175 Seiten, 14,95 Euro.

Von lvz

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