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Ausstellungen Fotoschau zeigt Spuren das Kalten Krieges
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17:24 07.02.2019
Der holländische Fotograf Martin Roemers zeigt seine Bilder im Zeitgeschichtliches Forum. „Streng geheim – Spuren des Kalten Krieges“, heißt die Sonderschau. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Zwei Kinder malen Herzchen an einen ehemaligen Bunker. Das sind die einzigen Menschen, die auf einem der Fotos zu sehen sind. Die zeigen ausgediente verrostete Panzer, stillgelegte Flugzeuge, verbrauchte Munition, Wandmalereien in ehemaligen sowjetischen Kasernen und vieles mehr. Der niederländische Fotograf Martin Roemers hat die baulichen und topographischen Hinterlassenschaften des Ost-West-Konflikts in Europa dokumentiert. Unübersehbar hat der 56-Jährige, der im niederländischen Delft lebt und arbeitet, seinen Schwerpunkt auf die Relikte der Roten Armee auf dem Gebiet der früheren DDR und auf die mit riesigem Aufwand errichteten Bunker- und Kontrollanlagen gelegt. 60 Fotos des Künstlers sind seit gestern in einer Sonderschau im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig zu sehen. „Streng geheim – Spuren das Kalten Krieges“ ist diese überschrieben. Die Aufnahmen entstanden zwischen 1998 und 2009 in zehn Ländern. Auf beiden Seiten des „Eisernen Vorhangs“. Seit damals mag zwar reichlich Gras über diese Relikte gewachsen sein.

Doch was sagen sie uns heute? „Die Abrüstungsverträge in den 1980er Jahren waren ein Superergebnis“, erinnert Jürgen Reiche, der Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums. Nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1989/90 drohte bekanntlich mehrmals eine direkte militärische Konfrontation der Supermächte USA und Sowjetunion. Europa war ein Pulverfass, geprägt von ideologisch unüberbrückbaren Gegensätzen. Weltweit entstanden riesige Schutzanlagen und Bunker. „Wir leben in einer problematischen Zeit“, betont Reiche. So stehe der INF-Vertrag über atomare Mittelstreckenraketen vor dem Scheitern. Die für Europa wichtigste Vereinbarung zur atomaren Abrüstung, 1987 von Ronald Reagan und Michail Gorbatschow unterschrieben, wäre damit tot. Deshalb sei es wichtig, daran zu erinnern, was es im kalten Krieg für Ängste gab und wie man sich vermeintlich schützen wollte. Die Bunker waren perfekt und pervers zugleich. Regierungen und Armeen richteten sich ein, um im Atomkrieg – vor dem sich ohnehin keiner wirklich schützen kann – gegebenenfalls zum Gegenschlag ausholen zu können.

Zum Thema: Mehr Ausstellungen und News der Leipziger Museen

Roemers Fotografien laden zum Nachdenken und Diskutieren ein. Für Veranstaltungen will das Forum seine Bühne nutzen. Wie berichtet, hat das Zeitgeschichtliche Forum seine Dauerschau über die Geschichte Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg überarbeitet und im November 2018 neu eröffnet. Neu ist der Ansatz, die Ausstellung am Ende zu einer großen Bühne zu öffnen. Das soll Raum für vielfältige Gespräche und Diskussionsrunden bieten – eben auch mit Zeitzeugen rund um den Kalten Krieg und seine Hinterlassenschaften.

Fotograf Martin Roemers, zweimaliger Preisträger des World Press Photo Awards, wurde bekannt durch seine Langzeit-Fotoprojekte. Seine Arbeitern hängen in renommierten Museen.

Die Sonderschau im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig ist bis 30. Juni 2019 zu sehen. Geöffnet ist dienstags bis freitags 9 bis 18 Uhr, am Wochenende 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Von Mathias Orbeck

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