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15:04 28.11.2018
Die Neue Architektur der Gemeinschaft: Ansicht aus der Ausstellung Together! im Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig Quelle: Mark Niedermann

Wohnraum ist eine knappe Ressource – das wird in den letzten Jahren immer deutlicher. Die Immobilienpreise in den Metropolen steigen und klassische Konzepte des Wohnungsbaus werden dem Bedarf nicht mehr gerecht. Diese Herausforderungen haben eine stille Revolution in der zeitgenössischen Architektur ausgelöst: das Bauen und Wohnen im Kollektiv. "Together! Die Neue Architektur der Gemeinschaft" ist die erste Ausstellung, die dieses Thema umfassend beleuchtet und räumlich erfahrbar macht.
Anhand von Modellen, Filmen und begehbaren Wohnsituationen im Maßstab 1:1 präsentiert sie neben einer Vielzahl von Beispielen aus Europa, Asien und den USA auch zehn Hausprojekte aus der wachsenden Stadt Leipzig. Historische Vorläufer veranschaulichen zugleich die Geschichte der gemeinschaftlichen Architektur – von den Reformideen des 19. Jahrhunderts bis hin zur Hippie- und Hausbesetzerszene, die mit dem Slogan »Make love, not lofts« antrat.

Ausstellungsbereiche

Im ersten Ausstellungsteil werden gesellschaftliche Hintergründe dargestellt, die als Referenz auch für aktuelle Problematiken im Wohnbausektor stehen. Auf acht Monitoren werden Filme über Protestbewegungen gezeigt, z. B. über die Freistadt Christiania in Kopenhagen. Auch die Inszenierung des Raumes nimmt das Thema „Protest“ auf: Ein Banner flattert von der Decke, der Boden ist aus Pflastersteinen, die Wände sind tapeziert mit Protestfotos. Auf Schildern wird eine Chronologie sozialer Wohnideale von den 1880ern bis zu den 1990ern präsentiert.
Klar wird: Heute wie damals befindet sich die Gesellschaft im Umbruch. Die Lebensrealität von immer mehr Menschen weicht von klassischen Familienstrukturen ab. Paare, Alleinerziehende, Singles, alleinstehende ältere Menschen – das Leben in Gemeinschaft ist eine vielversprechende Alternative, die soziale Kontakte fördert und Kosten senkt.

Wie diese Entwicklungen die Architektur des modernen Wohnungsbaus beeinflussen, wird im zweiten Raum an 21 großformatigen Modellen realer Projekte gezeigt, die als fiktive Stadt zusammengeführt sind. Die Beispiele stammen u. a. aus Berlin, Zürich, Los Angeles, Tokio und Wien mit Entwürfen von international renommierten Architekturbüros wie einszueins architektur, Jesko Fezer, Heide & von Beckerath, pool Architekten, Ryue Nishizawa oder Michael Maltzan Architecture.*
Bei allen Projekten ist neben Wohnraum auch gemeinschaftlich genutzte Fläche vorhanden und oft sind Öffentlichkeit und Privatsphäre nicht mehr klar voneinander getrennt. Anhand verschiedenfarbiger Bereiche können Besucher*innen die unterschiedlichen Nutzungen an den Modellen nachvollziehen.

Den dritten Teil der Ausstellung bildet eine begehbare Clusterwohnung mit gemeinschaftlichen und privaten Räumen im 1:1 Format. Grundrisse und Hintergrundinformationen zeigen, wie das neue Wohnen in Gemeinschaft umgesetzt wird.
An den Wänden der Wohnung werden Fotografien von Daniel Burchard präsentiert, der in verschiedenen Ländern gemeinschaftliche Wohnprojekte besucht und dokumentiert hat. Dabei wird deutlich, dass viele der neuen Wohnkollektive auch deshalb ein Labor gesellschaftlicher Entwicklungen sind, weil sie neue Verbindungen von Wohnen und Arbeiten erproben, die erst Dank der Digitalisierung möglich geworden sind.

Aber wie funktioniert die neue Architektur der Gemeinschaft ökonomisch, welche Herausforderungen stellt sie im Alltag und wie lässt sie sich praktisch realisieren?
In einem Co-Working Space werden diese Fragen anhand von fünf internationalen Beispielen erläutert: die Sargfabrik in Wien, das Zwicky-Süd in Zürich, La Borda in Barcelona, R50 in Berlin und die Apartments with a Small Restaurant in Tokio.
Ergänzend für die Präsentation in Leipzig wird in diesem Zusammenhang auch das Leipziger Pöge-Haus näher vorgestellt. Viele der gemeinschaftlichen Projekte sind eng mit dem öffentlichen Leben verflochten und integrieren Gewerbeeinheiten: Das Zürcher Projekt Kalkbreite beispielsweise widmet die Hälfte seiner Fläche Gewerbefunktionen und umfasst neben öffentlichen Einrichtungen wie einem Kino, einem verpackungsfreien Supermarkt, Restaurants und Cafés, Arztpraxen und diversen Büroflächen auch einen frei zugänglichen Innenhof mit Kinderspielplätzen.
Projekte wie die Kalkbreite beweisen, dass sich gemeinschaftliche Wohnmodelle heute nicht nur erfolgreich im kommerziellen Wohnungsmarkt behaupten, sondern ihn auch positiv verändern können. Sie sind Teil der so genannten »sharing economy«, die die Rolle des Eigentums grundlegend neu definiert. Die Ausstellung zeigt den Einfluss dieser Entwicklungen auf die Art, wie die Bewohner/-innen und Architekt/-innen heute gemeinsam neue Formen des Zusammenlebens entwickeln – nicht als ein Produkt rein individueller Bedürfnisse, sondern als eine Antwort auf eine zentrale Frage unserer Zeit: Wie wollen wir in Zukunft miteinander wohnen?

Eine Ausstellung des Vitra Design Museum Weil am Rhein, kuratiert von Ilka und Andreas Ruby sowie EM2N.

Zum Thema: Mehr Ausstellungen und News aus den Leipziger Museen!

Hausprojekte in Leipzig:
Die Ausstellung wird ergänzt durch zehn Beispiele von Leipziger Hausprojekten (u. a. Pöge Haus, Alternative Wohngenossenschaft Connewitz eG, ZusammenLeben eG), die im letzten Raum präsentiert werden. Dadurch soll der Diskurs gezielt auch auf die regionale Wohnbausituation gelenkt werden. Dieser Schwerpunkt spiegelt sich auch im umfangreichen Begleitprogramm wider.

Together! Die Neue Architektur der Gemeinschaft
29. November 2018 bis 17. März 2019
im Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig

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