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Ausstellungen Leipziger Universitätsbibliothek zeigt historische Professorengalerie
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12:19 14.11.2018
Vom Mediziner Johannes Ittig (links oben) bis zum Philologen Christian Friedrich Frankenstein (rechts unten): Leipziger Professoren von 1600 bis 1800. Quelle: André Kempner
Leipzig

„Man erlebt an dieser Universität immer wieder Überraschungen“, sagt Rudolf Hiller von Gaertringen. Wenn am Donnerstagabend in der Galerie im Neuen Augusteum die Ausstellung „Kluge Köpfe“ eröffnet wird, sieht sich der Kustos erneut angekommen nach einem jahrelangen Weg. Die barocke Professorengalerie der Universitätsbibliothek, entstanden ab 1600 über 200 Jahre, zählt zu den bis dato unbekannten Kunstschätzen der Alma Mater und wird nun, erstmals umfassend wissenschaftlich bearbeitet, vorgestellt.

Die Sammlung umfasst 70 Porträtgemälde. So komplex waren sie zum letzten Mal um 1890 in der Öffentlichkeit präsent. Damals noch im Mittelpaulinum, das 1510 als Bibliothek des Dominikanerklosters errichtet worden war und ab 1543 zur Universität gehörte. Im Mittelpaulinum hatte über 350 Jahre die Unibibliothek ihren Sitz, es wurde 1892 abgerissen. Grund dafür war der Bau der Bibliotheca Albertina und die Roßbach’sche Umgestaltung der Universität am Augustus­platz. Einzelne Professorenporträts waren später in der neuen Unibibliothek zu sehen, auch hingen die prominenten Altvorderen in den Dienstzimmern. Oder, deshalb Hillers „Überraschung“, sie verschwanden verpackt in den Depots.

„Die Ausstellung präsentiert neue Forschungen zur weitgehend nicht publizierten Professorengalerie des 17. und 18. Jahrhunderts, wie es sie in dieser Fülle und Qualität in Deutschland vielleicht nur noch in Tübingen gibt“, so Hiller, der als Professor für Kunstgeschichte seit 2010 zum Thema mehrere Seminare anbot. Die in Diensten der Kustodie stehenden Restauratorinnen Sibylle Wulff und Claudia Nicolaisen-Luckenbach waren in den vergangenen Jahren mit den Konservierungs- und Rekonstruktionsarbeiten betraut.

Die Professoren bezahlten die Künstler aus eigener Tasche

Zur Entstehung der Galerie gibt es keine Schriftquellen. Wesentlich Erkenntnisse beruhen also auf den Bildern selbst. Hiller: „Die Inschriftensammlung Salomon Stepners von 1675 gibt Hinweise auf die Anfänge der Galerie. Wenig später rief Bibliotheksdirektor Joachim Feller die Professorenschaft zur Stiftung ihrer Bildnisse auf und bewirkte so das beschleunigte Wachstum der Porträtgalerie.“ Die Professoren wurden nicht gemalt, sie ließen sich malen und bezahlten den Künstler, der sie auf Leinwand, Holztafeln oder auf Kupferplatten verewigte, aus eigener Tasche.

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Es gibt laut Hiller bemerkenswert gute künstlerische Arbeiten, zum Beispiel das Porträt des Mediziners Christian Lange, der um 1640 in Holland weilte und sich, so die Vermutung, von einem Meister der Rembrandt-Zeit porträtieren ließ. Ihm entgegen steht jener unbekannte Maler, der seine Modelle samt und sonders mit langen Nasen darstellte.

Prachtstück der Schau: Matrikelbuch 1644/45

Manch ein Professor der Medizin, von Jura, Philosophie und Theologie ließ sich nicht nur malen, an ihn erinnert im Paulinum ebenso sein Epitaph. Die Darstellung in den unterschiedlichen Medien wird in der Ausstellung erläutert. Das Prachtstück der Schau, das Matrikelbuch 1644/45 des Mediziners Johannes Hoppe mit seinem Porträtgemälde, wird ansonsten im Universitätsarchiv im Stahlschrank aufbewahrt.

Im 19. Jahrhundert fand die Repräsentation der Professoren kaum mehr mit gemalten Porträts, sondern eher mit Marmorbüsten statt. Zu DDR-Zeiten wurde die neue Tradition der Rektorengalerie begründet. Freilich mussten und müssen die Magnifizenzen den Malauftrag nicht selbst bezahlen.

„Kluge Köpfe – Die Professorengalerie der Universitätsbibliothek Leipzig 1600 – 1800“ , Eröffnung Donnerstag, 19 Uhr. Zu sehen bis 19. Dezember 2018 sowie von 7. bis 26. Januar 2019 dienstags bis freitags, 11 bis 18 Uhr, samstags, 11 bis 14 Uhr, Galerie im Neuen Augusteum, Augustusplatz 10

Von Thomas Mayer

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