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Ausstellungen Sebastian Hosu zeigt aufgefrischtes Fleisch
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13:39 19.06.2018
 Arbeit von Sebastian Hosu in seiner Ausstellung „Green Meat“ im Museum der bildenden Künste Leipzig. Quelle: Christian Modla
Leipzig

 Sportliche Betätigung kann eine gruppenbildende Maßnahme sein. Wenn dann noch alle gemeinsam an einem Strang ziehen, ist das einen Schnappschuss fürs Familienalbum wert.

Sebastian Hosu hat in den Alben seiner Schwiegereltern gestöbert und sich Motive angeeignet. Nostalgie spielt dabei keine Rolle. Die Menschen bleiben namenlos, das Ereignis ist ebenso zweitrangig. Darum nennt sich die nach einem alten Schwarzweißfoto entstandene Kohlezeichnung auch „Landscape“. Die Sportler scheinen nur Beiwerk in der erahnbaren Parklandschaft zu sein.

Der 1988 im rumänischen Satu Mare geborene Künstler hat in seiner Heimat, in Italien und Belgien studiert, war schließlich Meisterschüler von Heribert W. Ottersbach an der HGB. Der Expressionismus des Kosmopoliten Sebastian Hosu sieht sehr deutsch aus. Doch sein früherer Leipziger Mentor ist ja bekannt dafür, im Unterschied zu den Helden von Brücke und Blauer Reiter nicht mit der Staffelei in die Landschaft zu ziehen, sondern medial bereits vorhandene Bilder aufzuarbeiten.

Es geht um die Zerlegung

Auch Hosu bedient sich dieser Secondhand-Malerei. Er dekonstruiert seine ziemlich willkürlich ausgewählten Vorlagen. Deshalb muss man die Bilder dieser Ausstellung als Gruppe betrachten. Die Banalität des einzelnen Motivs wird durch die serielle Verwandlung aufgehoben. Fast könnte man Vögel auf einer Stange in einem der großformatigen Gemälde vermuten. Doch es ist die vorläufige Endstufe der Verfremdung einer der tauziehenden Personen.

Der Maler hat sich den einen Menschen aus dem Team herausgegriffen, ihn isoliert und immer weiter abstrahiert. Es geht also nicht um das Illustrieren des Gewesenen, sondern um dessen Zerlegung. Das ist keine Analyse, sondern eine freie Anverwandlung zum Zwecke eigener Bilder. Diese sind dann manchmal kaum noch als gegenständliche Abbildungen zu erkennen, von Körpern bleiben nur isolierte Fragmente, die Umgebung löst sich ganz auf.

Bild von Sebastian Hosu. Quelle: Christian Modla

Auch mit der Farbe geht Hosu nach eigenem Geschmack um. Das ursprüngliche Foto in Graustufen aus dem Album wird nicht entsprechend einer vermeintlichen Realität koloriert, sondern in kräftigen Tönen neu erfunden. Hier trifft er sich tatsächlich mit den Expressionisten, deren Pferde blau und der Himmel rot sein konnten.

„Green Meat” nennt sich die Ausstellung. Die Assoziation zu Gammelfleisch klingt nicht appetitlich. Doch es geht offenbar mehr um die Freiheit, Dinge so zu sehen, wie man es möchte.

Kein Tummelplatz der Beliebigkeiten

Im Raum liegt eine Fliesmatte aus Hosus Atelier, Spuren der heftigen Arbeitsweise dokumentierend. Die Gäste der Vernissage bedienen sich aus den Kästen, die eine Leipziger Brauerei mit dem roten Stern gespendet hat. Es geht zwanglos zu.

Das passt zwar zum Charakter der Ausstellungsreihe Connect Leipzig, für die Direktor Alfred Weidinger die frühere Rumpelkammer mit der symbolträchtigen Zündkerze zu einem Erprobungsfeld für ganz junge Künstler gemacht hat. Doch es ist kein Tummelplatz der Beliebigkeiten.

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120 Bewerber gab es für diese im schnellen Monatsrhythmus stattfindenden Ausstellungen, zehn wurden von einer internationalen Jury mit Auskennern von Tallin über Berlin bis Prag auserwählt. Bei aller Lässigkeit in der Geste ist es eine Ehre, sich in solch einem großen Museum kurz nach dem Studium präsentieren zu können.

Der Titel der Reihe spielt auf eine noch engere Verknüpfung des Museums mit der Stadt an. Zugleich werden aber auch Kontinuitäten und Brüche innerhalb der lokalen Kunstszene aufgezeigt. So kann man gegenwärtig von Rink und Gille über Muhr bis zu Hosu Etappen der Leipziger Kunst bei einem einzigen Besuch des Hauses jenseits der Dauerausstellung erleben.

Sebastian Hosu: Green Meat, bis 17. Juni, Di und Do–So 10–18 Uhr, Mi 12–20 Uhr; Museum der bildenden Künste Leipzig, Katharinenstr. 10

Von Jens Kassner

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