Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
News Es werde „LUX“: Am Freitag erhält Benedikt Leonhardt den LVZ-Kunstpreis
Thema Specials Leipziger Museen News Es werde „LUX“: Am Freitag erhält Benedikt Leonhardt den LVZ-Kunstpreis
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Schau!, das Leipziger Museumsportal - eine Sonderveröffentlichung von LVZ.de
14:57 25.06.2018
LVZ-Kunstpreisträger Benedikt Leonhardt (33) vor einer seiner Arbeiten.  Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Am Freitag um 18 Uhr erhält der Maler Benedikt Leonhardt (33) den 12. Kunstpreis der Leipziger Volkszeitung, am Mittwoch wurde die Presse durch seine Ausstellung „LUX“ im 1. Stock des Museums der bildenden Künste in Leipzig geführt. Museumsdirektor Alfred Weidinger sieht schon jetzt vier Gewinner: Zuerst natürlich den Künstler selbst, dann die Zeitung, die die Auszeichnung seit 1995 vergibt und das auch weiterhin tun will – und das Museum. „Wir sind dankbar dafür, diesen Beitrag für die Stadt leisten zu können“, sagt Weidinger. Der vierte Gewinner ist laut dem Direktor ein Abwesender: Max Klinger, dessen „Christus im Olymp“ man kürzlich, wie er es ausdrückt, „rübergebracht zu Beethoven“ habe.

Der Raum, der bisher unter anderem von diesem 3,62 mal 7,22 Meter großen Monumentalwerk dominiert wurde, ist deutlich größer und heller geworden – und jetzt Teil der Veranstaltungen, die bisher als „Kabinett-Ausstellungen“ etwas latent Puppenstubiges verströmten. Weidinger: „Für den Künstler war das natürlich ein bisschen stressig, weil er noch ein paar Bilder dazumalen musste.“ Leonhardt hat auf diesen Zuwachs an Ausstellungsfläche mit leisem Witz reagiert. Die „Christus im Olymp“-Wand bespielt er ausgerechnet mit Kleinformaten.

Womit wir bei der Kunst des Malers wären, der in Leipzig geboren wurde, an der Hochschule für Grafik und Buchkunst studierte und bei Astrid Klein seinen Meisterschüler-Abschluss machte. „Vielschichtig“, das ist so ein Verlegensheits-Begriff, wenn eine Angelegenheit mehrere Ebenen hat. Bei Benedikt Leonhardts Arbeiten hilft er wirklich weiter, weil sich hier aus vielen Schichten eine Wirkung ergibt, die jeder anders beschreibt, was nicht mit Beliebigkeit verwechselt werden darf.

Digitale Bildimpulse am Anfang

Digitale Bildimpulse stehen zumeist am Anfang, anschließend trägt er Schicht um Schicht – bisweilen bis zu 50 Farblasuren und Materialschichten – auf die Leinwand auf, entfernt sie zum Teil wieder, so dass nur Reste von ihnen bleiben. Oft spielt er mit kleinen Fehlern, Lufteinschlüssen oder anderen Störungen. Ein Bild sei fertig, sagt Leonhardt, wenn er auf nichts mehr reagieren könne. Und sicher sehe man nicht alle Schichten, „aber ich denke, dass man sie spürt“.

Das ist so. Die Ausstellung, deren Titel „LUX“ eher lautmalerisch gemeint ist, bietet Luft zum Atmen, viel Licht zum Sehen, viel Raum für Gedanken und Gefühl. Die Bilder verändern sich nicht nur, wenn man den Blickwinkel oder den Betrachtungsabstand ändert, sie tun das auch, wenn man sich nicht bewegt. Als seien die Arbeiten Speicher, die sich erst nach und nach öffnen. So ahnt man womöglich aus den Schichten die Entstehungsgeschichte heraus. Interessant und vielleicht auch bezeichnend ist eine ganz andere Wirkung: der Autofokus der Kameras hat zuweilen Schwierigkeiten, sich auf die Bilder einzustellen, so als wollten sie sich jeder Eindeutigkeit entziehen.

„Ich habe selten einen Künstler erlebt, der mit so viel Präzision und so klaren Vorstellungen arbeitet und an eine Ausstellung herangegangen ist, sagt Alfred Weidinger. „Er wird seinen Weg machen“, ist er sich sicher. Diese „Strenge“ investiert der Künstler auch, um dem Betrachter möglicht viel Freiheit zu lassen, ihn gerade nicht zu beeinflussen. Deutlich wird das bereits an den sperrigen Bildtiteln, etwa „Untitled (CRL-M-M-U-1)“. Die Werke sollen schon Namen haben, aber eben keine sprechenden. Es handele sich dabei um Codes, die mit dem Arbeitsprozess zu tun haben, erklärt der Künstler.

Ein Kunstwerk für sich ist schon der in einer Auflage von 500 Exemplaren erschienene Katalog mit einem Umschlag, der ein Siebdruck ist. Die Reproduktionen der Bilder entstanden im Offsetdruck, anschließend wurden sie mit glänzendem UV-Lack überzogen. Ein Verfremdungseffekt der, so Leonhardt, gewissermaßen zum Ausgangspunkt seiner Arbeiten, digitalen Bildausschnitten, die ihm auf (glänzenden) Displays begegnet sind, zurückführt.

Museum der bildenden Künste: „Da willst du irgendwann mal rein’“

Die Finanzierung des Katalogs gehört wie das Preigeld von 10 000 Euro zum LVZ-Kunstpreis. Auch die Ausstellung im Museum ist enthalten. Damit gehe für ihn ein Traum in Erfüllung: „Als ich anfing, als Künstler zu arbeiten, dachte ich, da willst du irgendwann mal rein’“, erzählt Leonhardt. Der Preis habe ihm die Möglichkeit gegeben, sich über einen längeren Zeitraum ausschließlich mit einem Projekt zu befassen, mit dieser Ausstellung. Angenehm sei auch gewesen, dass er nicht beim Material nicht sparen musste, dass er frei ausprobieren konnte. Jetzt ist der LVZ-Kunspreisträger 2017 erleichtert, mal für ein paar Tage nicht ins Atelier zu müssen. „Es fällt gerade alles von mir ab.“

LVZ-Kunstpreis 2017, Benedikt Leonhardt: LUX; Preisvergabe und Eröffnung am 1.12. um 18 Uhr im Museum der bildenden Künste; verlängert bis 4.3.2018; zu der Ausstellung ist ein Katalog erschienen (88 Seiten, 17,90 Euro)

Von Jürgen Kleindienst

LVZ-Kunstpreis

Lesen Sie alles zum LVZ-Kunstpreis!

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In der Ausstellung "MarchenSpiele. Von Zauber, Mut und Abenteuer" im Stadtgeschichtlichen Museum ist Märchenhaftes zu sehen. Allerdings fehlt ein Pfefferkuchen-Hexenhaus! Deshalb sind alle Besucher bis zum 6. Dezember eingeladen, ein solches Haus zu gestalten. Die schönsten Häuschen werden ausgestellt.

20.11.2017

Zum dritten Mal lässt die Notenspur-Nacht der Hausmusik die Liebe der Leipziger zur Musik lebendig werden. Am 25. November 2017 öffnen sich private Räume in Leipzig, um Musik über den eigenen Freundeskreis hinaus gemeinsam zu genießen. Auch das Deutsche Kleingärtnermuseum beteiligt sich mit einem Konzert.

20.11.2017

Als Ouvertüre für das Fest rund um den Dies academicus eröffnet die Kustodie in Zusammenarbeit mit Universitätsarchiv am Donnerstag in der Galerie im Augusteum die Ausstellung „Transformation – von der Universitätskirche zum Paulinum“

07.03.2018