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16:08 26.09.2018
Thomas Rudi vom Grassi-Museum begutachtet die Ming-Vase von Gabriela Krause. Quelle: André Kempner
Leipzig

Gabriela Krause wickelt die Luftpolsterfolie von ihrer Vase, auf dem weißen Porzellan fliegt ein fein skizzierter blauer Vogel riesigen golden geäderten Blüten entgegen. Es ist eine von Hand bemalte Ming-Vase, die Gabriela Krause zur Begutachtung mitgebracht hat. „Vermutlich wurde die Vase in China hergestellt“, erklärt Thomas Rudi, Kurator der historischen Sammlung im Grassi-Museum. Einzig: Sie stammt aus dem Jahre 1994 und wurde wohl für den Export produziert. „Um die hundert Euro würden Sie dafür trotzdem bekommen“, schätzt der Kurator.

 Zwei Tische weiter wird Dieter Sauerzopf mit ganz anderen Zahlen konfrontiert. Er hat gerade ein bronzenes Reiterstandbild auf den grauen Tisch zwischen ihm und dem Antiquitäten-Händler Rico Hofsaess gehievt. Seine Eltern brachten es noch vor dem Ersten Weltkrieg, so vermutet er, von einer Reise nach Hause. Rico Hofsaess attestiert: Die bronzene Statur ist ein Original und wurde vermutlich um das 19. Jahrhundert herum in Italien gegossen. Wert: 700 bis 1000 Euro, eine Kostbarkeit.

„Trödel oder Kostbarkeit?“ – das möchten viele Leipziger wissen

„Trödel oder Kostbarkeit?“, das wollen auch andere Leipziger wissen, die an diesem Nachmittag mit ihren Bildern, Schmucketuis oder Möbelstücken zum Grassi Museum gekommen sind. Acht Experten und Antiquitätenkenner möchten diese Frage nun beantworten. Kärtchen mit Nummern werden schon am Eingang an die zahlreichen Besucher verteilt. „Bei Nummer 100 sind wir schon“, sagt Veranstalterin Anett Lamprecht, Pressesprecherin des Grassi-Museums für angewandte Kunst. Mit einem Klemmbrett in der Hand läuft sie geschäftig hin und her, ruft Zahlen aus und weist die Besucher den Experten zu.

So landet Gerhard Stein mit seiner Frau bei Instrumentenkenner Volker Seumel. Der dreht und wendet eine kleine dunkle Geige behutsam in seinen Händen. „Der relativ kurze Hals, die dunkle Lackierung und hier die Eckengestaltung, ich tippe darauf, dass die Geige noch vor dem 18. Jahrhundert gefertigt wurde und aus Böhmen oder dem Vogtland stammt.“ Gerhard Stein kann dazu wenig sagen, seine Eltern fanden das Instrument einst als Flüchtlinge in einer alten Kommode. Über den genauen Wert kann Seumel diesmal allerdings keine Angaben machen. „Man kommt nur weiter, wenn man den Namen kennt“, sagt er – und danach sucht er auf dem Instrument vergeblich.

Ein Gefühl für Qualität bekommen.

Dieter Sauerzopf packt währenddessen seinen wertvollen Bronzereiter zufrieden in eine karierte Plastetasche zurück und schließt den Klettverschluss. „Was ich nun damit mache? Schwierig zu sagen. Die jungen Familien haben ja immer weniger Platz, vielleicht vermachen wir die Statue eines Tages ja tatsächlich dem Museum“, sagt er und lächelt. Anett Lamprecht vom Grassi-Museum für angewandte Kunst freut diese Bereitschaft. Dennoch: Nicht alles, was angeboten werde, könne auch angenommen werden. Doch darauf käme es ihr gar nicht an, Lamprecht geht es um etwas anderes: „Es ist einfach wichtig, mit den Leuten gemeinsam Dinge anzusehen und zu fühlen – und so ein Gefühl für Qualität zu bekommen.“ Was das betrifft, hat Karin Geser heute dazugelernt. Der Wandteppich ihrer Schwiegermutter hat sich schnell als eine Nachbildung „Made in France“ entpuppt, der materielle Wert ist gering. Trotzdem möchte sie nun weiter recherchieren, um mehr über das Originalmotiv des Malers Auguste Cesare Detti zu erfahren.

Von Anna Flora Schade

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