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News Helden wie wir: Leipziger Bildermuseum präsentiert Max Klinger neu
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10:16 08.03.2018
„Beethoven“ (l.) hat im Museum der bildenden Künste hochkarätigen Besuch bekommen. Quelle: André Kempner
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Leipzig

„Ich halte also Leute wie Herakles oder Siegfried für populäre Heroen, aber nicht für Helden. Heldenthum ist für mich ein Trotzdem, überwundene Schwäche, es gehört Zartheit dazu. Klingers schwacher kleiner Beethoven, der sich auf den großen Götterthron gesetzt hat und, sich inbrünstig concentrirend, die Fäuste ballt, – das ist ein Held.“ Das schrieb der Schriftsteller Thomas Mann über den bildenden Künstler Max Klinger (1857–1920) und sein plastisches Hauptwerk, in dem er sich mit dem Komponisten Beethoven auseinandersetzt. Drei Großkünstler im Dialog. Das Zitat aus einem Brief aus dem Jahr 1906 steht jetzt im Museum der bildenden Künste an die Wand geschrieben und wirft ein weiteres Licht auf den 1902 entstandenen „Beethoven“. „Wir versuchen mit dem Thomas Mann-Zitat auch, Klinger auf den Boden der Tatsachen zu holen, zu zeigen, dass es um Helden von heute geht“, erklärt Jan Nicolaisen, Chefkurator Malerei und Plastik im Museum.

Die Modernität Klingers zu zeigen, ihn einerseits vom Sockel auf Augenhöhe mit der Gegenwart zu holen, ihm andererseits aber wieder die Rolle zu geben, die ihm international in der Kunstgeschichte zusteht, ist Ziel einer bemerkenswerten Neuaufstellung im Museum. „Beethoven“, der bis vor kurzem noch recht einsam mit „Kassandra“ und „Salomé“ im Klingersaal residierte, hat in den vergangenen Wochen Besuch bekommen. Und was für welchen: Max Klingers 5,50 mal 9 Meter großes, Skulptur und Malerei verbindendes Monumentalwerk „Christus im Olymp“ aus dem Jahr 1897 sowie die 1890 entstandenen Gemälde „Die Kreuzigung Christi“ (251 x 465 cm) und „Die Blaue Stunde“, eine der Ikonen des Museums der bildenden Künste.

Und die Befürchtung, das eine Großwerk könne das andere in der Schatten stellen, die Kunst den Betrachter erschlagen, ist unbegründet. Der Raum hält diese Konzentration aus, die Kunst raubt sich nicht wechselseitig die Energie, sondern lässt sie fließen. „Was da plötzlich an Bezügen zwischen Malerei und Skulptur auftaucht – die Physiognomie, die Haltung, die Gestik. Selbst die Art, wie Klinger in der Malerei mit dem Licht arbeitet, zeigt sich dann auch in der Skulptur“, sagt Museumsdirektor Alfred Weidinger, der sich seit 1985 mit Klingers Kunst beschäftigt.. Man sehe nun zum Beispiel auch sehr schön, wie er in verschiedenen Genres mit durchaus ähnlichen Frauenprofilen umgeht – in Christentum wie Antike, ergänzt Nicolaisen. „So hat Klinger ja gedacht und gearbeitet. Diese ständigen Vermischungen, dieses Collagendenken, nicht nur im Materiellen, sondern auch im Geistigen, das zeichnet ihn aus.“

Idee des Gesamtkunstwerks

Klingers Idee eines Gesamtkunstwerks – sie wird in dieser neuen Präsentation deutlicher in den Mittelpunkt gerückt. Sie soll hier auch Thema einer großen Klinger-Ausstellung 2020, dem 100. Todesjahr des Künstlers, werden.

Beethoven (fast) allein zu Haus – die Präsentation seit Eröffnung des Museumsneubaus 2004 hatte durchaus auch etwas für sich. Weidinger: „Ich habe das genau beobachtet: Die Leute sind reingekommen, haben in der Tür gestanden, das hat etwa drei Sekunden gedauert, das war schon ein Aha-Erlebnis. Dieses Pathos fängt dich schon. Aber nach drei Sekunden sind die Leute weiter in den nächsten Raum. Und jetzt bleiben sie.“ Wandtexte sollen in Kürze über Klingers Biografie, seine Verortung in der Stadt und in der internationalen Kunstwelt informieren. „Wir wollen, dass sich die Leute damit auseinandersetzen, einlassen, etwas mitnehmen“, betont Weidinger. Das können sie auch in einem benachbarten Raum, in dem weitere Werke Klingers gezeigt werden. Ein dritter soll den großen Leipziger dann in seine Zeit einordnen. Das neue Konzept, so der Direktor, habe im Klingerverein eine positive Resonanz gefunden.

Und nicht nur dort. „Das wird sehr gut angenommen, Besucher sagen, dass sie das viel besser finden als vorher“, sagt eine Wachfrau, die seit drei Jahren im Museum arbeitet, allerdings ihren Namen nicht nennen will. Der Raum, in dem der „Christus im Olymp“ vorher ausgestellt war, sei viel zu eng gewesen. Kleine Kinder hätten regelrecht Angst bekommen. Wenn man sich das Bild genauer ansehen und ein bisschen auf Abstand gehen wollte, dann ist man mit dem Rücken schon fast gegen die „Blaue Stunde“ gestoßen. Jetzt sei das Werk genau am richtigen Platz, sagt die Frau.

Von Jürgen Kleindienst

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