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12:28 07.03.2018
Jahrespressekonferenz in der Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig – mit den Kuratorinnen Vera Lauf und Julia Schäfer sowie Direktorin Franciska Zólyom (v.l.). Quelle: André Kempner
Leipzig

„Schrumpfende Städte“ hieß mal ein groß angelegtes Projekt in der Galerie für Zeitgenössische Kunst (GfZK) in Leipzig. Kunst am Puls der Zeit und einer Region, die immer leerer wurde, immer mehr Räume aufgab, gleichzeitig Chancen eröffnete. Inzwischen hat sich die Bewegung umgekehrt. Hier schrumpft nichts mehr – schon gar nicht in der GfZK. Die Besucherzahlen sind dafür nur ein Indiz. Rund 52 000 besuchten das Haus im vergangenen Jahr, nahmen an Veranstaltungen teil oder übernachteten in einem der galerieeigenen Hotelzimmer. Etwa 20 Prozent mehr als im Vorjahr. „Die Botschaft, dass wir ein offenes Haus sind, ist angekommen“, freut sich Direktorin Franciska Zólyom.

Gut besucht war auch die Pressekonferenz am Freitag. Was sicherlich nicht zuletzt daran lag, dass vor gut zwei Wochen bekannt wurde, dass Zólyom den deutschen Beitrag auf der Kunst-Biennale in Venedig 2019 kuratieren wird. Am vergangenen Wochenende war sie in der Lagunenstadt. „Es war total schön, den Pavillon mal leer zu sehen, gewissermaßen im Rohzustand.“ Ende Oktober, Anfang November will die gebürtige Ungarin das gesamte Biennale-Projekt vorstellen.

Vor dem Hintergrund dieser Herausforderung erscheint das Programm der Kunstinstitution noch ambitionierter. In diesem Jahr feiert sie ihr 20-jährige Bestehen in der Herfurthschen Villa, die von Peter Kulka umgebaut worden war. Etwas, dass sich eher indirekt im Veranstaltungsplan wiederfindet. Zum Beispiel mit Markus Dreßen, Professor für Grafikdesign an der benachbarten Hochschule für Grafik und Buchkunst: Er hat das Erscheinungsbild der GfZK von Anfang an geprägt. Am 5. Mai, zum 200. Geburtstag von Karl Marx, eröffnet das von ihm neu gestaltete Café der GfZK, „Das Kapital“ – in der Stadt, in der 1867 der erste Band des Marxschen Hauptwerks gedruckt wurde. Dreßen will sich dabei, ausgehend von der Idee eines Wohnzimmers, mit Fragen der Gastfreundschaft in Zeiten der Ökonomisierung befassen. Es sei ein großes Glück, mit ihm so lange und so gut verbunden zu sein, sagt Zólyom.

Gegenteil von Schrumpfung

Auch in „Baugrund“ geht es nebenher um die Vergangenheit der GfZK. Zeigen will man die einstigen Pläne für deren Errichtung, außerdem wie und wo sie vor dem Einzug in die Karl-Tauchnitz-Straße agiert hat. Der Fokus richtet sich aber auf die Zukunft: Das am 13. Juli beginnende Projekt befasst sich sozusagen mit dem Gegenteil der einstigen Schrumpfung im städtischen Raum, der Verdichtung. Baugrund ist begehrt in einer rasch wachsenden Stadt. Welche Gründe gibt es überhaupt fürs Bauen? Es gehe darum, wie man Räume für den Austausch von Ideen markieren könne, nicht als Verwalter eines Ortes, sondern als Moderator für ein gemeinsames Gestalten, erklärt die 44-Jährige. Thema seien auch die Möglichkeiten temporärer Bauten. Ausgangspunkt ist ein Ideenwettbewerb in Zusammenarbeit mit Architekturstudenten mehrerer Universitäten.

Mitten im aktuellen Infragestellen demokratischer Strukturen setzt „Gaudipolis“ ab 9. März Impulse, eine Kooperation mit der Off-Biennale Budapest. Gaudipolis, die „Stadt der Freude“, war eine nach dem Zweiten Weltkrieg in Budapest gegründete und sechs Jahre bestehende Kinderrepublik, die hunderte Waisenkinder aufnahm – unabhängig von Religion und Nationalität. Eine Realität gewordene Utopie, mit unabhängigen, selbstbewussten, demokratisch gebildeten Menschen, eine solidarische Gemeinschaft, die ihre Probleme nicht verdrängt, sich aber dennoch auf das Gelingen von Vielfalt konzentrierte. Das sei heute eine Grundfrage, die sich in allen europäischen Gesellschaften stelle, nicht nur in Ungarn, sagt Franciska Zólyom: „Wie kann man das Bestehende so umgestalten, dass es weiter tragfähig ist?“

Die Frage, ob es für die GfZK ein Problem sei, dass sich das Museum der bildenden Künste gerade für zeitgenössische Künstler öffne und verstärkt auch ein junges Publikum anziehe, beantwortet Zólyom souverän: „Wir sind noch nicht in dem Gedanken angekommen, dass wir eine Großstadt sind.“ Sie sehe da „absolut keinen Konflikt“, es zeichne die Qualität einer Großstadt aus, dass es unterschiedliche Institutionen für Gegenwartskunst gebe. Die GfZK als kleines flottes Schiff neben dem Museum als großem Dampfer: Dieses Bild, dass einst der legendäre GfZK-Gründungsdirektor Klaus Werner geprägt hat, sei heute immer noch wahr. Die geplanten Ausstellungen belegen diesen Anspruch.

Von Jürgen Kleindienst

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