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News Museum bringt Max Klinger nach New York und holt Yoko Ono nach Leipzig
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11:01 28.03.2018
Museumsdirektor Alfred Weidinger hat Yoko Ono in ihrem Appartement in New York getroffen. Quelle: privat
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Leipzig

Das Museum der bildenden Künste in Leipzig vibriert. Noch nie dürften dort so viele Ausstellungen eröffnet worden sein wie in diesem März. Am Mittwoch beginnt Bastian Muhrs „Kante“. Ab 18. April wird Arno Rink gezeigt, ab Oktober Yoko Ono. Die Kunst kommt – und geht: Seit Mittwoch ist eines der Leipziger Wahrzeichen im Metropolitan Museum of Art in New York zu sehen, dem größten Kunstmuseum der Vereinigten Staaten. Präsentiert wird dort bis 22. Juli die Ausstellung „Like Life: Sculpture, Color and the Body“ mit rund 120 Arbeiten aus der ganzen Welt, von 1300 bis heute, darunter „Die neue Salome“ von Max Klinger.

„Klinger 2020“ wird die Ausstellung heißen, die in zwei Jahren zum 100. Todesjahr den großen Leipziger feiern soll. „Wir bringen ihn schon jetzt in die Welt“, sagt Museumsdirektor Alfred Weidinger am Telefon aus New York. Klinger, meint er, sei dort gerade ziemlich gefragt. So habe das Met dessen „Galatea“ erworben – für einen Fabelpreis. „Sie wurde uns auch angeboten, aber da hatten wir keine Chance“, sagt Weidinger. Leipzig hatte mal eine. 2001 hatte der Südtiroler Unternehmer Siegfried Unterberger die Silbergussfigur für 220 000 Pfund in London ersteigert und dem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. 2006 zog er sie wieder ab. Hintergrund war die öffentliche Kritik an einem später abgeblasenen Bildertausch zwischen Unterberger und dem Museum.

Salome – stoßgedämpft verpackt

Im Gegensatz zur Galatea wird Klingers rund 250 Kilo schwere, aus verschiedenem Marmor bestehende Skulptur „Die neue Salome“ aus dem Jahr 1893 zurück nach Leipzig kommen. Chefrestaurator Rüdiger Beck hatte sie vor drei Wochen in eine Kiste und diese wiederum stoßgedämpft in eine weitere verpackt und begleitet. „Es ist ein Spitzenwerk des Künstlers, der sich um die polychrome Skulptur enorm verdient gemacht hat und deswegen bestens in die New Yorker Ausstellung passt“, sagt Jan Nicolaisen, Chefkurator Malerei und Plastik im Museum. „Klinger spielt hier virtuos mit dem Gegensatz von Leben und Tod, Antike und Christentum, Mann und Frau – nicht nur triumphiert die sinnliche und heidnische Salome lächelnd über den melancholischen Ur-Christen Johannes d.Täufer, dessen abgeschlagener Kopf unter ihrem Decolleté liegt. Auch der Körper der Salome ist gegensätzlich-paradox: bleich und wächsern die Haut, aber ihr Blick durch den eingesetzten Bernstein lebendig.“ Damit der bei der Reise nicht herausfiel, hatte ihr Rüdiger Beck eine Augenbinde verpasst.

Jetzt kann sie wieder sehen. Im Metropolitan Museum steht sie erhaben beleuchtet neben einer Skulptur des britisch-iranischen Künstlers Reza Aramesh von 2017 und einem Werk des spanischen Bildhauers Alonso Berruguete aus dem 16. Jahrhundert.

„Yoko Ono sprudelt vor Ideen“

Alfred Weidinger stattete nicht nur seinem Klinger, sondern auch Yoko Ono einen Besuch ab. Er traf sie in ihrem Appartement am Central Park – in jenem Dakota Building, in dem sie mit John Lennon lebte, vor dem er am 8. Dezember 1980 ermordet wurde. Weidinger ist begeistert von der 85-Jährigen: „Sie ist eine großartige Künstlerin und ein wunderbarer Mensch, sehr offen und voller Energie.“ Außerdem sei sie eine bedeutende Kunstsammlerin, die sich auch für deutsche Künstler wie Otto Dix, George Grosz und Hannah Höch interessiere. „Sie lebt mit diesen Bildern.“

Von der Architektur des Museums der bildenden Künste sei sie sehr angetan, erzählt Weidinger weiter. Daher werde sie eine ortsspezifische Arbeit machen, mit der sie auf die Lichtverhältnisse reagiere. „Wir zeigen die Ausstellung auf mehreren Ebenen.“ Zu sehen sein sollen frühe Fluxus-Objekte, Filme und Fotografien genauso wie monumentale Installationen. „Sie sprudelte vor Ideen, war begeistert von dem Vorhaben und entwickelte eine Idee, die vielleicht zu ihrer bisher größten Performance führen kann“, deutet der Direktor an. Am Geburtstag von John Lennon, dem 9. Oktober, inszeniert sie seit 2007 im isländischen Reykjavik den „Imagine Peace Tower“ zu seinem Gedenken. „Danach kommt sie nach Leipzig, und wir eröffnen die Ausstellung.“

Alfred Weidinger ist Mittwoch schon wieder da – zur Eröffnung der Ausstellung von Bastian Muhr um 18 Uhr.

Von Jürgen Kleindienst

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