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Teil 17 der LVZ-Serie: Liaison mit Bach und Freimaurern - das Leipziger Bauwens-Haus

Teil 17 der LVZ-Serie: Liaison mit Bach und Freimaurern - das Leipziger Bauwens-Haus

Für ihre glanzvollen Passagen sind Städte wie Paris und Mailand weltberühmt. Doch wohl nirgendwo gibt es ein so einzigartiges, weil geschlossenes System an Passagen wie in Leipzig.

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Historisches Bild des Bauwens-Hauses und der Burgstraße in Leipzig.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Das Flair der Innenstadt wird maßgeblich durch diese Besonderheit städtischer Architektur geprägt. Bemerkenswert dabei sind die verschiedenen historischen Formen, die erhalten geblieben sind. In einer Serie sollen in unregelmäßigen Abständen die wichtigsten vorgestellt werden. Heute: das Bauwens-Haus.

Es ist schon ein recht geschichtsträchtiger Ort, an dem das heutige Bauwens-Haus eine markante Ecke der Leipziger Innenstadt ausfüllt. Einst stand hier – auf alten Leipziger Stadtplänen ist dies auch noch gut zu erkennen – das Haus der Freimaurer-Loge Minerva zu den drei Palmen. Einst eine der ältesten und größten Logen Deutschlands (gegründet 1741) kaufen die Mitglieder im Oktober 1774 direkt gegenüber dem Schloss Pleißenburg das an dieser Stelle befindliche Venonische Haus mit Garten, das nach dem vormaligen Besitzer des dortigen Wein- und Kaffeehauses, Francesco Venoni, benannt ist. Zuvor treffen sich die Mitglieder laut Internetseite der heutigen Nachfolgeloge in den Räumen des Hauses Zum goldenen Schiffe in der Kleinen Fleischergasse, später im Hotel de Baviere in der Petersstraße.

Wohl im 19. Jahrhundert muss das Gebäude dann einem imposanten Geschäftshaus weichen, das „auch schon eine Passage gewesen sein soll", wie Karl-Heinz Müller, der aktuelle Hausverwalter erzählt. Im Krieg weggebombt, „zieren" die Fläche nach 1945 lange Jahre ein wilder Parkplatz und eine Umformstation der Stadtwerke. „Rudimente der einstigen Heizung sind sogar in den heutigen Neubau integriert worden", weiß Müller zu berichten, der sich gegenwärtig über die komplette Vermietung des Hauses freut. Das dritte Leben beginnt für die exponierte Stelle hinter dem Neuen Rathaus dann im Jahr 1994.

Nach Entwürfen des Leipziger Architekten Gerd Heise (HPP Düsseldorf) wird das heutige Bauwens-Haus errichtet. Der erste Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses in der Leipziger Innenstadt nach der Friedlichen Revolution besticht durch seine interessante Architektur, was ihm im Jahre 1999 eine Nominierung für den „Architekturpreis der Stadt Leipzig zur Förderung der Baukultur" einbringt. Es lehnt sich stark an die Leipziger Passagenarchitektur an, wobei wichtige architektonische Gestaltungs-, Gliederungs- und Fassadenelemente wie Trauf- und Firsthöhe, Markisen über dem Erdgeschoss sowie typische Leipziger Fenster übernommen werden. „Laut Auflagen des Denkmalschutzes wird bei der Planung die Linienführung des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Gebäudes nachvollzogen", erläutert der Hausverwalter. Ebenso lehne sich die Fassade an die Vorlage an. Obwohl es eines der größten Häuser im Innenstadtbereich mit 6000 Quadratmeter Büro- und Verkaufsfläche sei, wirke es gar nicht so, weil es praktisch über Eck erbaut worden sei.

Die Planungen für eine Neubebauung des ehemaligen Brachgrundstückes am Burgplatz gehen bereits auf das Frühjahr 1991 zurück, bis schließlich im Sommer 1994 die Eröffnung gefeiert werden kann. „Das Bauwens-Haus kombiniert in seiner Fassade geschickt ortstypische Elemente mit modernen Formen und Materialien", heißt es in einer Beschreibung. Die für Leipziger Geschäftshäuser typische Zusammenfassung von Erd- und Zwischengeschoss finde sich hier ebenso wie ein Eckerker aus Metall sowie Markisen über den Fenstern. Darüber hinaus sei in Anlehnung an die Tradition der Handelshöfe eine Durchgangshalle zur Erschließung des Gebäudes angelegt worden. „Der passagenartige Durchgang seitens des Burgplatzes öffnet sich dabei zur Ratsfreischulstraße zu einem platzartigen Hof, der mit einer Glasfassade („eine der größten in Leipzig", Hausverwalter Müller) abgeschlossen wird." Auch die Materialwahl nehme mit modernen Mitteln Bezug auf das einstige Gebäude. Gleichwohl habe das Haus seinen eigenen unverwechselbaren Charakter erhalten können. Interessant: Während die beeindruckende Glasfassade mit einem so genannten Hubsteiger gereinigt werden kann, werden für die Fassade am Burgplatz „alpine Kräfte" benötigt, wie es der Hausverwalter formuliert.

Und was hat das Bauwens-Haus nun mit Bach zu tun? „Ganz einfach", erklärt Müller, „schon einige Zeit sind wir das Ausweichquartier für die Konzerte am Bach-Denkmal." Sei das Wetter schlecht oder gebe es andere triftige Gründe, fänden die beliebten Aufführungen in der Glashalle statt. „Die hat sogar eine recht gute Akustik", so der Hausverwalter anerkennend.

Martin Pelzl/Volkmar Heinz

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