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Teil 22 der LVZ-Serie: Joachimsthal-Passage - Von Silberhändlern und Tuchmachern

Teil 22 der LVZ-Serie: Joachimsthal-Passage - Von Silberhändlern und Tuchmachern

Wer in diesen Tagen in die Kleine Fleischergasse kommt, lässt sich schnell vom Charme des Viertels begeistern: Unter freiem Himmel genießen Leipziger und ihre Gäste die Sonnenstrahlen, essen, trinken, plaudern miteinander oder beobachten das Stadtleben.

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Joachimsthal-Passage in der Fleischergasse

Quelle: André Kempner

Hier, zwischen Barfußgäßchen, Hainstraße und der Kleinen Fleischergasse ging es schon immer recht bunt zu. Scharen von Kaufleuten füllten Straßen, Durchgangshöfe und Passagen.

Denn eine spannende Vergangenheit haben nicht nur „ Coffe Baum“ oder Barthels Hof - auch das nur wenige Meter entfernte Kleine Joachimsthal im Haus Nummer 8 könnte Geschichten erzählen: Von Silberhändlern und Tuchmachern, von Geschäften in verwinkelten Passagen, von Umzügen und Umbauten. Von letzterem berichtet die Inschrift im Giebel: 1606-1906. „Der Neubau an der Kleinen Fleischergasse erfolgte unter Einbeziehung älterer Teile in den Jahren 1905 bis 1907. Die schöne neobarocke, in rotem Rochlitzer Porphyrtuff gegliederte Fassade hat sich erhalten“, ist in „Passagen und Durchgangshöfe“ von Wolfgang Hocquél  zu lesen. 2012 erfolgte ein weiteres Großprojekt: Die Leipziger CG-Gruppe sanierte das historische Gebäude denkmalgerecht und zeitgemäß zugleich: Moderne Penthouse-Wohnungen wurden im Obergeschoss geschaffen.

Doch woher stammt nun der Name? „Passage Kl. Joachimsthal“ liest man über dem Portal. Joachimsthal? Hat der Name etwas mit der Stadt Jàchymov (Sankt Joachimsthal) in Böhmen zu tun? Das erkundet man am besten im Inneren. Aber keine Hinweistafel verrät mehr - dafür lockt ein Gasthaus mit tschechisch-böhmischer Küche. Eine Huldigung an das Kurstädtchen? Eher nicht: Allein das historische Gebäude, die urigen Räume, der glasüberdachte Lichthof haben die Wirte von „Wenzel Prager Bierstuben“ überzeugt. Außerdem wird es bereits in unmittelbarer Nachbarschaft spanisch: Ein Hostel des spanischen Unternehmens „Say Cheese“ („Bitte lächeln“) lädt zum Übernachten. Reisen hier vor allem junge Leute an? „Alle“, lächelt die freundliche Dame an der Rezeption. Weiter geht’s auf Namenssuche: Dem großen Lichthof folgen ein schmaler Durchgang und zwei Türen. Wer letztere öffnet steht - in der Hainstraße. Und was liest man über der Hausnummer 5? „Vetters Hof.“ Kleines Joachimsthal - Vetters Hof? Damit nicht genug: Auf der anderen Straßenseite  lockt in der Hainstraße 10 mit dem „Großen Joachimsthal“ ein weiterer Durchgang. Was verbindet die Drei?

Mehr ist im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig zu erfahren. Aufgespürt hat es Bibliotheksleiter Marko Kuhn im „Häuserbuch zum Nienborgschen Atlas“ von Ernst Müller: „Der Name zum Großen Joachimsthal rührt unzweifelhaft aus der Zeit um 1500 her, als das Haus von 1466-1510 dem Besitzer von Silberbergwerken und Leipziger Silberhändler, Martin Bauer, gehörte. Dieser beutete die Silberbergwerke von Joachimsthal aus und brachte das Silber nach Leipzig, so dass sich in Bauers Haus die Silberbörse von Leipzig befand. Hier bildete sich für die große Silbermünze der Begriff Taler, Joachimsthaler, heraus, woraus im 18. Jahrhundert in Amerika der Begriff Dollar entstand. Dass die Hainstraße 10 den Namen Großer Joachimsthal erhielt -  im Gegensatz zu Hainstraße 5 - das Kleiner Joachimsthal hieß, führt ins 16. Jahrhunderts zurück, als die Hainstraße 5 dem Sohn Martin Bauers, Hans, gehörte, der dort ebenso einen Silberhandel betrieb.“ Den Namen Vetters Hof hatte das Haus vom späteren Besitzer, dem Bankier Christian Gottlob Vetter.

Ein weiterer Eigentümer, der Handelsmann Johann Christoph Richter, vereinigte mit dem Haus in der Hainstraße das nach hinten angrenzende Haus in der Kleinen Fleischergasse 8, so dass der Durchgang nun von der Hainstraße bis in die Kleine Fleischergasse reichte. Nach Kriegszerstörungen war dieses Passieren nicht mehr möglich. Der neue Durchgang wurde erst wieder durch die CG-Gruppe geschaffen. Einen solchen gab es einst auch zum Barfußgäßchen: „Das kleine Joachimsthal oder ehemalige Richtersche Haus führt durch einen mit Seitengebäuden besetzten doppelten Hof in die Fleischergasse gerade an die Barfußpforte. Dort hielten zu den Messen fremde Tuchmacher und Wollenarbeiter ihre Waren in den angebrachten Kammern feil“ (Geschichte und Beschreibung der Kreis- und Handelsstadt Leipzig“ von Friedrich Gottlob Leonhardi, Leipzig, 1799). Heute lockt das Handelsviertel von einst zum Bummel durch historische Höfe und Passagen.

Ingrid Hildebrandt

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