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Leipziger Passagen Teil 23 der LVZ-Serie: Stentzlers Hof - Erker als Blickfang im „Meßpalast“
Thema Specials Leipziger Passagen Teil 23 der LVZ-Serie: Stentzlers Hof - Erker als Blickfang im „Meßpalast“
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17:16 08.08.2014
Blick in Stentzlers Hof. Quelle: Andreas Döring

Damals, als sich die alte Handelsstadt neu erfand: Weg von den dunklen Kaufgewölben der Warenmesse - hin zu Bauten mit viel Platz für die Mustermesse.

Ganze Viertel wurden in diesen Jahrzehnten umgestaltet und auch die Petersstraße veränderte ihr Gesicht. „Ein besonders charakteristischer Messebau Leipzigs ist Stentzlers Hof“, macht Leipzig Tourist neugierig auf das Gebäude  an der Petersstraße 39/41. „Es wurde 1914 bis 1916 von Leopold Stentzler gebaut und spiegelt von allen in dieser Zeit entstandenen Messepalästen die langjährigen Erfahrungen der Mustermesse am besten wider.“ Im Frühjahr 1916 fand in Stentzlers Hof die erste Messe statt; allerdings war in der schweren Kriegszeit nur ein Teil der Räume belegt.

Doch schon in den 1920er-Jahren erlebte die Messe eine Blütezeit und der monumentale Eisenbetonskelettbau in der Petersstraße eignete sich besonders gut für das Ausstellungsgeschäft. Die Treppe war beispielsweise zentral angelegt, um eine günstige Ausgangssituation für die bewährten Rundgänge zu schaffen; zudem schritten Aussteller und Besucher an repräsentativen Treppenhauswänden vorbei, deren eingelegte Reliefplatten mythologische Figuren darstellen.

Selbstbewusst zeigt sich auch die Straßenfassade: In Höhe der ersten Etage gibt es zahlreichen figürlichen Schmuck zu entdecken. Die Arbeiten des Bildhauers Bruno Wollstätter verkörpern Handel, Fülle, Wohlstand und ähnliche Allegorien. Von der städtischen Macht kündet an der Hausecke ein Roland mit Schwert sowie ein Leipziger Wappenschild und der Spruch „Einigkeit macht stark.“

Als müsse der energische Eindruck von der Straßenfassade gemildert werden, empfängt üppiger Blumenschmuck den Besucher im Inneren des 1994/95 sanierten Gebäudekomplexes. Dazu öffnet man die Türen an Petersstraße oder Peterskirchhof, durchquert die passagenartigen Durchgänge des Eckbaus, gelangt in den glasüberdachten Innenhof - und schaut überrascht nach oben: Blickfang ist ein zweigeschossiger Holzerker, der mit seinen floralen Motiven einen spannenden Kontrast zum Messepalast aus dem 20. Jahrhundert bildet. Welches Haus verschönte er früher?

Gut, dass es Bildchronisten wie Hermann Walter und Karl Walter gab. Von Letzterem stammen Aufnahmen der Petersstraße 39 aus dem Jahre 1910. Die Stadtbilder zeigen ein schmales Haus mit einem Kastenerker, wie er früher viele Leipziger Häuser zierte. Abgetragen wurde das Haus - gerettet der frühbarocke Erker mit den beliebten Akanthusmotiven.

„Die Datierung geht mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Cornelius Gurlitt zurück“, sagt Marko Kuhn vom Stadtgeschichtlichen Museum. „In Gurlitts Werk ,Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen’ heißt es: ,Petersstraße 39. Einer der schönen, doch hier nur durch zwei Geschosse reichenden, in Eiche geschnitzten Erker. Im Brüstungsfelde des zweiten Obergeschosses ein Relief, auf dem zwei Adler einen Schlüssel halten. Um 1690.’ Der stilisierte Schlüssel könnte auf einige Besitzer hinweisen, sind doch Kupferschmiede und Schlosser mit dem Haus belehnt worden“, so Kuhn.

Heute ist Stentzlers Hof, der bis 1991 von der Leipziger Messe genutzt wurde, ein modernes Büro- und Geschäftshaus. Rund um den imposanten Eckbau an der Petersstraße pulsiert das Leben - wie es für eine traditionsreiche Handelsstadt, die im nächsten Jahr das 850-jährige Jubiläum der Leipziger Messe feiert, auch gar nicht anders sein kann.

Ingrid Hildebrandt

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