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Teil 7 der LVZ-Serie: Rekord mit Schuppen und Pelzen - der blaue Hecht

Teil 7 der LVZ-Serie: Rekord mit Schuppen und Pelzen - der blaue Hecht

Schuppen und Gräten statt Haaren und Pelzen - wie kommt eine einst als Rekordhalter für Pelzbetriebe geltende Passage zu ihrem wässrigen Namen "Blauer Hecht"? Ganz einfach: Im Vorgängerbau residierte bereits um 1551 der damals erstmals erwähnte Gasthof "Zum blauen Hecht".

Dieser war offenbar weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt, veröffentlichte doch der Goslarer Braumeister Heinrich Steckhan noch 1869 einen zeitgenössischen Reim mit Bezug auf die Rauchwarenstadt Leipzig:

"Kriech' einmal in den blauen Hecht

Und trink in dessen Schoosse

Auf Sammet, Gold und Marmor, echt,

Aus Döllnitz eine Gose;

Will sie nicht recht zum Munde geh'n

Erlässt des Trinkens Qualen

Der Wirth, er sagt Dir: Lass sie steh'n

Nur thu' den Saft bezahlen!"

Das heute hier stehende, 1911/12 nach Entwürfen von Leupold Stentzler gebaute Pelzgewerbehaus war eine besonderen Adresse. "Mit zeitweilig 34 Pelzbetrieben unter einem Dach hielt das Gebäude mit Abstand den Rekord für die höchste Dichte derartiger Händler in einem Gebäude am Brühl", ist im Passagen-Flyer nachzulesen. Eine markante Darstellung des Hauszeichens befindet sich auch heute noch oberhalb des Passagenzugangs - früher Usus an vielen Leipziger Häusern, heute als namengebendes Hauszeichen nur noch wenig zu sehen. Zudem befinden sich zahlreiche bemerkenswerte figürliche Elemente als Verweis auf die zu Messezeiten gehandelten Rauchwaren ebenfalls an der zur Nikolaistraße exponierten Fassade.

Leider führt die Passage heute ein wenig ein Schatten-Dasein. "Laufkundschaft fehlt uns sehr", berichtet Eduard Panosian von der durchaus renommierten Auftragsmalerei Edu-Art. Als Grund sieht er an, dass die Laden-Galerie vor allem von der Nikolaistraße her nicht als Passage erkennbar ist. Er hoffe auf ein entsprechendes Schild sowie einen einladenden großen Teppich bis weit ins Innere, der dem Vorbeigehenden den Unterschied zu einem normalen Hauseingang deutlich mache, sagt Panosian. Es sei schade, dass der Durchgang zur parallel verlaufenden Reichsstraße - der übrigens durch den im Zweiten Weltkrieg zerstörten Durchgangshof "Zur goldenen Traube" einst bis in die Reichsstraße 30/32 weitergeführt wurde - zu wenig Aufmerksamkeit erfahre.

Doch scheint ein kleiner Silberstreif über dem Blauen Hecht. Ursula Graner von der seit Kurzem zuständigen Hausverwaltung Maior Domus sagte auf Anfrage: "Wir schauen mal, was sich da machen lässt." Doch sei ihre Firma erst seit Anfang des Jahres verantwortlich und derzeit "noch voll mit der Übergabe" beschäftigt.

Martin Pelzl / Volkmar Heinz

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