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Versteck für Junker Jörg in Borna – und ’ne kleine Schummelei in Gnandstein

Neunte Etappe Versteck für Junker Jörg in Borna – und ’ne kleine Schummelei in Gnandstein

Luther läuft – besonders im Lutherjahr 2017! In Sachsen und Thüringen hat der Reformator viele Spuren hinterlassen. Wir wollen sie finden. Und Neues, Spannendes, Witziges am Wegesrand entdecken. LVZ-Mitarbeiter haben die Wanderschuhe geschnürt und gehen auf Pilgertour. 9. Etappe: Von Gnandstein über Borna und Neukieritzsch nach Leipzig.

Julia Tonne trifft Junker Jörg in Borna: Unsere Autorin kam Luther – oder zumindest seinem Denkmal – vor der Marienkirche ganz nahe. Die Büste zeigt den Reformator zu der Zeit, als er inkognito als Junker Jörg 1522 auch in Borna Unterschlupf fand.
 

Quelle: Kathrin Haase

Gnandstein/Borna/Neukieritzsch.  Luther läuft – besonders im Lutherjahr 2017! In Sachsen und Thüringen hat der Reformator viele Spuren hinterlassen. Wir wollen sie finden. Und Neues, Spannendes, Witziges am Wegesrand entdecken. Wir haben die Wanderschuhe geschnürt, den Rucksack gepackt und gehen auf Pilgertour – auf dem Lutherweg zwischen Dübener Heide, Osterland, Döbeln und Muldental. 9. Etappe: Von Gnandstein über Borna und Neukieritzsch nach Leipzig.

Die neunte Etappe unserer Luthertour hat eine Gesamtlänge von 44,8 Kilometern.

Die neunte Etappe unserer Luthertour hat eine Gesamtlänge von 44,8 Kilometern.

Quelle:

Luther-Stationen

  • Gnandstein: Um 1200/1210 ließen die Herren von Schladebach einen Wohnturm mit Ringmauern auf dem 244 Meter hohen Felsen zum Schutz einer Furt durch das Flüsschen Wyhra errichten – Burg Gnandstein. Nachdem die Burg nach 1380 weiter ausgebaut worden war, residierte ab 1409 über 450 Jahre die Familie von Einsiedel in ihren Mauern.
  • Borna: Auf dem Weg von der Wartburg bei Eisenach nach Wittenberg im März 1552 legte Martin Luther als „Junker Jörg“ verkleidet in Borna eine Wegpause ein. Luther war 13 Mal in Borna.

Quelle: Bernd Görne, Andreas Schmidt: Der Lutherweg in Sachsen. Evangelische Verlagsanstalt Leipzig, 141 Seiten.

Es geht über Stock und Stein, durch Rapsfelder, Wiesen, Wälder, Ortschaften, hoch auf Burgen und Felsen, runter dann die Sommerrodelbahn. Entsprechende Ausstattung natürlich vorausgesetzt. Wer den etwa 24 Kilometer langen Abschnitt des Lutherwegs von Burg Gnandstein bis nach Borna in Angriff nehmen will, darf nicht zimperlich sein. Wanderschuhe für Wanderer und geländetaugliche Räder für Radler sind ein absolutes Muss. Auto ist tabu.

1. Von Burg Gnandstein nach Borna

Der erste Abschnitt dieser Teiletappe ist für uns gleich eine Herausforderung. Es geht schließlich bergauf, etliche Stufen zur Burg hoch. Erbaut als romanische Anlage zu Beginn des 13. Jahrhunderts vermutlich von Mitgliedern der Familie von Schladebach, Ministeriale des Markgrafen Dietrich aus seiner Weißenfelser Burgmannschaft, gehörte sie seit dem 14. Jahrhundert dem Adelsgeschlecht derer von Einsiedel. Heinrich von Einsiedel ließ um 1500 die Burgkapelle einbauen und bekannte sich früh zur Reformation, nachgewiesen werden konnten Korrespondenzen mit Martin Luther.

An der Burg Gnandstein beginnt die Teiletappe des Lutherwegs

An der Burg Gnandstein beginnt die Teiletappe des Lutherwegs. Hier ist die Glasmalerei von Luther zu sehen, obwohl dieser nie hier war.

Quelle: Burg GnandsteinBurg Gnandstein

Weite Teile der Burg sind zugänglich und erst recht sehenswert, erkundet der Wanderer den mittelalterlichen Palas-Saal, die Waffenkammer und die spätgotische Kapelle, sind Zeit und auch zusätzliche Laufstrecke einzuplanen. Spannend ist vor allem ein Aspekt: „Die Glasmalerei in der Burgkapelle von 1850 zeigt, wie Luther in der Kanzel predigt“, erzählt der Museologe Falk Schulze. Allerdings habe es Luther nie nach Gnandstein verschlagen. Glasklar: eine kleine Schummelei...

Der sich anschließende Weg von der Burg bis nach Wüstenhain über Rüdigsdorf ist genauso wenig ein Spaziergang. Auf holprigem und fußquälendem Kopfsteinpflaster geht es zunächst stetig und mühsam bergauf. Etwas entspannter wird es erst im Park rund um den Rüdigsdorfer Schwind-Pavillon.

Das Anfang des 19. Jahrhunderts als Lustgärtchen angelegte Areal ist eine Idylle. Es überzeugt mit Parkpfaden, kleinen Brücken und einem traumhaften Wäldchen, das erneut mit ordentlichen Anstiegen aufwartet. Zuweilen aber auch zusätzliche Klettertouren mit sich bringt und ein perfekter Ort zum Verweilen ist.

Idylle pur – entlang des Lutherweges, der auch durchs Kohrener Land führt, erlebt der Pilgerer satte Landschaften

Idylle pur – entlang des Lutherweges, der auch durchs Kohrener Land führt, erlebt der Pilgerer satte Landschaften.

Quelle: Julia Tonne

Auf dem Rest der Strecke nach Kohren-Sahlis können wir wieder aufatmen. Die Stadt Kohren selbst streifen wir nur am Rande, allerdings lohnt ein Abstecher ins Zentrum der Töpferstadt auf jeden Fall. Mehrere Töpfereien haben auch an den Wochenenden geöffnet und laden zum Staunen und Ausprobieren ein.

Wer nach der bisherigen Pilgertour mal wieder das Gefühl haben möchte, sich kutschieren zu lassen, sollte einen Zwischenstopp an der Sommerrodelbahn einlegen. Die bietet nicht nur ein rasantes Vergnügen für Kinder, sondern auch für Erwachsene. 527 Meter ist sie lang, wer auf das Bremsen unterwegs verzichtet, schafft durchaus eine Geschwindigkeit von 40 Kilometern in der Stunde. Deutlich geruhsamer geht es nur einige Meter entfernt in der Jagdhütte zu. Sie ist Waldschule, Restaurant, Freisitz und Heimatbühne zugleich.

Die Sommerrodelbahn in Kohren-Sahlis

Die Sommerrodelbahn in Kohren-Sahlis.

Quelle: Jens Paul Taubert

Wer es bis hierhin geschafft hat, hat die schwierigste Etappe hinter sich gebracht. Bis nach Frohburg ist es fast nur noch ein Katzensprung, unterwegs passieren wir das Schlossmühlenwehr und das Schloss. Allein die Suche nach Verpflegung gestaltet sich entlang dieses Abschnitts des Lutherwegs schwierig, einen Abstecher lohnt daher der Gasthof Teichhaus an den Eschefelder Teichen.

Viel Natur wartet hinter Frohburg auf uns. Entlang der Wyhra geht es bis zu den ersten idyllischen Bornaer Ortsteilen Wyhra und Zedtlitz. Die Route ist ein Traum, sie führt uns am Flüsschen Wyhra entlang, durch Rapsfelder und Wälder durch, an Kleingärten und am Volkskundemuseum vorbei, das nicht nur zur Einkehr einlädt, sondern auch zum Spaziergang durch die dörfliche Welt um 1900.

In Borna schließlich angekommen, begegnen einem auf Schritt und Tritt Hinweise auf Luther und dessen Wirken in der Stadt. Die Fülle daran kommt nicht von ungefähr. Belegt ist, dass der Reformator 1522 in Borna bei Michael von der Straßen Unterschlupf suchte, nachdem er auf dem Reichstag zu Worms ein Jahr zuvor exkommuniziert und für vogelfrei erklärt worden war. Das heißt, jedermann hätte ihn ungestraft töten können. In Borna entsteht der berühmte Aschermittwochbrief, in dem Luther die Beweggründe seines Handelns beschreibt.

2. Von Borna nach Neukieritzsch

Eine vergleichsweise kurze Etappe, die südwestlich der B95 bis an die ersten Seen des Leipziger Neuseenlandes führt – acht Kilometer sind es von Borna nach Neukieritzsch. Der Lutherweg führt mitten durch die Gemeinde Neukieritzsch. Die Region ist aber auch sehr eng mit der Frau an der Seite des Reformators Martin Luther verbunden: Katharina von Bora (29. Januar 1499 bis 20. Dezember 1552), ist nach herrschender Historikermeinung in Lippendorf geboren worden und besaß von 1540 bis zu ihrem Todesjahr ein Gut im heute nicht mehr vorhandenen Örtchen Zölsdorf.

Ortsmitte von Neukieritzsch – rechts ist eine Plastik mit Martin Luther und seiner Frau Katharina von Bora zu sehen

Ortsmitte von Neukieritzsch – rechts ist eine Plastik mit Martin Luther und seiner Frau Katharina von Bora zu sehen.

Quelle: Jens Paul Taubert

In allen Neukieritzscher Ortsteilen gibt es einiges Vorzeigbares. Landschaftlich reizvoll sind die gut ausgebauten Wege entlang des Hainer Sees – von Tagebauaktivitäten ahnt man hier nichts mehr. Nur punktuell stehen ausgediente Baggerschaufeln oder ehemalige Brikett- beziehungsweise Kohlefabriken als Zeugen dieser industriellen Epoche in der Landschaft.

Das Lutherdenkmal in Neukieritzsch erinnert an jenes Dörfchen Zölsdorf, in dem Martin Luther seiner Frau ein Gut als Witwensitz gekauft hatte. 1540 erwarb Luther das Gut, das zum heutigen Ortsteil Kieritzsch gehört. Aus finanzieller Not musste Katharina von Bora aber um 1553/54 wieder verkaufen.

Neukieritzsch hofft, dass Luther und Katharina des Künstlers Jürgen Raiber bald in der Gemeinde stehen

Neukieritzsch hofft, dass Luther und Katharina des Künstlers Jürgen Raiber bald in der Gemeinde stehen.

Quelle: Privat

Neukieritzsch hofft derzeit, dass Luther und Katharina demnächst noch präsenter sind. Die Gemeinderäte hatten sich kürzlich bereit erklärt, ihr Sitzungsgeld zu spenden. Angeschafft werden sollen zwei etwa 80 Zentimeter große Bronzefiguren des Mölbiser Künstlers Jürgen Raiber.

3. Von Neukieritzsch nach Leipzig

31 Kilometer sind es noch zum Ausgangspunkt der Lutherwegs-Serie in Leipzig. Das hatte einen wichtigen Platz in der Reformationsgeschichte inne – als Schauplatz der Leipziger Disputation, in der Matrin Luther auf der damaligen Pleißenburg seinen Standpunkt zu Reliogionsfragen gegenüber der katholischen Kirche verteidigen musste.

Auf dem Weg dorthin erlebt der Pilgerer bei Kahnsdorf, Rötha oder Zwenkau eine Landschaft, die einen Wandel (fast) hinter sich hat. Im Neuseenland entlang von Pleiße, Elster und deren Kanälen laden die zahlreichen Seen zu Abstechern ein.

Pilger-Service: Das müssen Sie wissen

  • Unterkunft und Einkehr: Jagdhütte in Kohren-Sahlis, geöffnet Ostern bis Oktober samstags, sonntags und bei schönem Wetter an Feiertagen von jeweils 12 bis 18 Uhr
  • Sehenswürdigkeiten: Burg Gnandstein, Burgstraße 3 in Kohren-Sahlis, geöffnet 1. April bis 5. November Dienstag bis Freitag 10 bis 17 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertage 10 bis 18 Uhr; spätgotische Dorfkirche, Gnandsteiner Hauptstraße 1, mit Grabplatten der Familie Einsiedel; Schwindpavillon Rüdigsdorf, Öffnungszeiten Mai bis Oktober Mittwoch, Donnerstag, Samstag und Sonntag jeweils 13 bis 17 Uhr
  • Tipp: Töpferei Arnold, Burggasse 9, Montag bis Freitag: 9 bis 17 Uhr, Samstag, Sonn- u. Feiertage 10 bis 12 Uhr / 13 bis 16 Uhr; Töpferei Müller, Steingasse 120
  • Veranstaltungen: Vom 25. bis 27. August steht der Reformator beim Lutherfest in Borna im Mittelpunkt. An den drei Tagen erwartet die Besucher rund um das Lutherdenkmal mittelalterliches Spektakel, Lutherlauf und – wanderung, ein Theaterstück aus der Feder des Bornaer Autors Michael Potkownik, Gaukler, Spielleute und Unterhaltung für die kleinen Gäste
  • Borna: Auf dem Weg von der Wartburg bei Eisenach nach Wittenberg im März 1552 legte Martin Luther als „Junker Jörg“ verkleidet in Borna eine Wegpause ein. Luther war 13 Mal in Borna.

In der Serie "Luther läuft" erscheinen folgende Etappen:

1. Leipzig-Eilenburg-Löbnitz-Bad Düben

2. Bad Düben-Torgau-Schildau

3. Schildau-Wurzen-Trebsen

4. Trebsen-Grimma- Kloster Nimbschen-Colditz

5. Colditz-Mügeln-Kloster Sornzig-Leisnig

6. Leisnig-Kloster Buch-Döbeln-Waldheim

7. Waldheim-Kriebstein-Mittweida-Kloster Wechselburg-Zwickau

8. Zwickau-Crimmitschau-Altenburg-Gnandstein

9. Gnandstein-Borna-Neukieritzsch-Leipzig

  Die große Serie - alle Teile hier!

Von Julia Tonne

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