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Sicherheit Leipzig Alle Daten weg? Leipziger Spezialisten können helfen
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11:00 08.11.2018
Mit einem Faible für Details: Sogar die Daten der kleinsten USB-Flash-Speicher können analysiert und wiederhergestellt werden. Quelle: Bindig Media
Leipzig

Es war so um das Jahr 2008 herum, als ich am eigenen Leib zu spüren bekam, was Datenverlust wirklich bedeutet. Früher hatte man Kabelsalat oder es zerkratzten CDs, und wenn 1995 eine Festplatte kaputt ging, war das schmerzhaft – aber man verlor damals Daten in einer Größenordnung von höchstens 512 Megabyte (MB).

Mein Verlust war deutlich schmerzhafter. Ich hatte alle meine Daten auf einer externen Festplatte mit 30 Gigabyte (GB) gesichert. Das sind 30.720 Megabyte, das 60-fache der Kapazität von 1995. Musik, Videos, Spiele und vor allem Fotos der vergangenen Jahre, unter anderem von meinem einmonatigen Sprachurlaub im russischen Smolensk, in Moskau, St. Petersburg. Emotionaler Wert: unbezahlbar.

Tipps vom Experten

Wie Sie Ihre Daten bestmöglich sichern können, lesen Sie hier.

Irgendwann erkannte mein Computer den Speicher nicht mehr, ich versuchte es mit Programmen zur Datenwiederherstellung, sogenannter Recovery-Software, aber nichts half.

In einem langwierigen Prozess schloss ich mit dem Thema ab, der Schmerz blieb.

Heute, zehn Jahre später, bin ich mit meiner alten Festplatte bei DataRecovery, einem Leipziger Spezialisten auf diesem Gebiet. Vor mir auf dem Tisch liegt der Übeltäter. Und Jan Bindig, Geschäftsführer von Bindig Media, versucht mich durch das komplizierte, vor Fachbegriffen strotzende Thema von Daten, Speichern und Bits zu führen. Mir geht es nämlich wie vielen Otto Normalverbrauchern von Technik. Solange es funktioniert, ist es mir relativ egal wie. „Wenn ein Kunde erstmalig zu uns kommt, klären wir zu Beginn immer darüber auf, was hier bei uns überhaupt passiert“, fängt Bindig an. Denn Datenrettung sei mitnichten nur: Festplatte anstecken, Software ausführen und alle sind happy.

Rettung möglich – vom Smartphone bis zu Micro-SD-Karte

In einem ersten Schritt überprüfen die Mitarbeiter das Gerät. In meinem Fall kommt das schützende Gehäuse ab, Kontakte und Übersetzer werden überprüft, auch die Anschlüsse werden unter die Lupe genommen.

In diesem Raum werden bei DataRecovery die als beschädigt vermuteten Datenträger analysiert. Quelle: Binding Media

Wir kommen in einen Raum, in dem es überall summt und surrt. An den Wänden hängen Flachbildschirme, kühlende Lüfter und offene Motherboards, das Herzstück eines jeden Computers. Alles hübsch anzuschauen, verbunden mit Kabeln in bunten Farben. Hier werden bei DataRecovery die als beschädigt vermuteten Datenträger analysiert. USB-Speichersticks, klassische, sich drehende HDD-Festplatten, Smartphones, Tablets, Micro-SD-Karten, NAS- oder RAID-Systeme und viele mehr.

Es wird ein sogenannter binärer Klon erstellt. Dazu kopiert ein selbst geschriebenes Programm Bit für Bit auf eine Arbeitsfestplatte. Welchen Inhalt diese Daten haben, wissen die Techniker nicht. Wie bei einem Lego-Bauwerk wird Stein A nach Stein B gelegt, die Farbe ist dafür unwichtig. Egal, was nun passiert, der Inhalt ist erst mal sicher.

„Wenn wir das Ergebnis haben, macht unser Techniker eine logische Rekonstruktion – dafür braucht man wirklich ein Faible“, erklärt der Laborverantwortliche Lars Müller. Er selbst sei oftmals erstaunt, wenn ein Mitarbeiter auf die Hexadezimalzahlen auf dem Bildschirm schaue und dann plötzlich sage: Da ist der Fehler! Wo denn? Na, das sieht man doch.

Bindig Media bietet professionelle, technische Lösungen im Bereich Datenrettung und IT-Forensik. Diese Leistungen werden durch die Unternehmenssparte DataRecovery realisiert.

Bei den heute weit verbreiteten und beliebten SSD-Flashspeichern zum Beispiel gilt der sogenannte Controller als größte Schwachstelle. Einerseits sind die modernen Speicher sehr schnell, statt mit dem Schreib-Lese-Kopf wie bei den klassischen HDD-Festplatten auf einem rotierenden Speicher an die gewünschte Stelle zu springen und die Daten auszulesen, sind Flashspeicher quasi sofort an Ort und Stelle. Auch sind sie nicht so sehr für mechanische Schäden durch Transport anfällig, können auch mal einen Sturz ins Wasser überleben.

Dafür sind sie deutlich komplexer. So managt der Controller die Datenverteilung über die Flashzellen im Inneren und sorgt dafür, dass diese immer gleichflächig beschrieben und damit abgenutzt werden.

„Wie der Controller das aber genau macht, das wissen wir erst mal nicht“, so Müller. Und die Informationen dazu bekomme man auch nicht vom Hersteller. Macht der Controller Probleme, kommt man also nicht mehr an die Daten ran. Mit verschiedenen hauseigenen Masken probiert ein Techniker dann herauszufinden, wie der Controller die Datenpakete verteilt hat. Und je nachdem, wie logisch das Ergebnis der Maske aussieht, hat er damit Erfolg oder probiert die nächste.

Professionelle Wiederherstellung aufwendig – und teuer

Die hohen Kosten von mehreren Hundert bis Tausende von Euro erklären sich einerseits durch die vielen Arten von Speichern, die es heute gibt. „Der Markt ändert sich permanent, in den 2000er Jahren gab es noch nicht so eine Vielfalt virtueller Systeme im Serverbereich“, sagt Jan Bindig.

Cloud-Computing - Begriffe erklärt

Wie sicher moderne Cloud-Lösungen sind, lesen Sie hier.

Andererseits sind auch die Schäden vielfältig; von Feuer und Stürzen über Wasser, Hundebisse und Überspannungsschäden bis hin zu Crypto-Trojanern und Viren.

Wie kommt man als Unternehmer in einen derartig spezialisierten Bereich? „Bindig Media haben wir 2004 gegründet, anfangs als IT-Dienstleister für Netzwerkgeräte und Server-Client-Systeme“, sagt Bindig. Aus einem persönlichen, hobbymäßigen Interesse an der Wiederherstellung von Daten schon seit den Neunzigerjahren beschäftigte man sich zeitnah auch unternehmerisch mit dem Thema. Das Problem: „Es gibt keine Ausbildung, das Know-how musst du dir selber aneignen“, so der studierte Wirtschaftsinformatiker.

Gleichzeitig müsse man viele Vorleistungen erbringen, bevor man Datenrettung auf dem Markt anbiete. „Denn du kannst ja beim Kunden keine Experimente machen.“

Sechs Jahre dauerte es, bis DataRecovery „marktreif“ war und auch dann tastete man sich schrittweise vor.

Der Laborverantwortliche Lars Müller mit einer defekten Festplatte im Reinraum. Quelle: Binding Media

Der Erfolg gibt dem Unternehmen recht: Die Quote der wiederhergestellten Sektoren von Festplatten liegt bei über 95 Prozent. Heute können Bindigs Mitarbeiter wahre Wunder im Reinraum-Labor vollbringen, feilen in der eigenen Entwicklungsabteilung ständig an ihren Fähigkeiten. Sogar Micro-SD-Karten, bei denen der Speicher in hauchdünnen Schichten übereinanderliegt und mit dem Controller zu einer Einheit verklebt ist, tragen Techniker in einem speziellen Verfahren Schicht für Schicht ab, um wieder an die Daten heranzukommen.

Bindig Media Leipzig

Bindig Media bietet professionelle, technische Lösungen im Bereich Datenrettung und IT-Forensik. Diese Leistungen werden durch die Unternehmenssparte DataRecovery realisiert.

0341 / 392 817 89

info@bindig-media.de

www.bindig-media.de

Das erklärt den einen oder anderen entgeisterten Gesichtszug vom Kunden, wenn sie vom Preis erfahren – natürlich bevor dieser fällig wird. Eine erste Analyse gibt es schon für 69 Euro.

Bei Unternehmen ist die Entscheidung dann eine einfache Kosten-Nutzen-Rechnung. Bei privaten Kunden wie mir eine emotionale.

Aber ich habe Glück. Die Analyse zeigt: Meine Daten sind völlig intakt. Es liegt an der Hardware, vermutlich eine defekte Verbindung zwischen Festplatte und dem Gehäuse. Ein Stopp im Elektronikmarkt und alles dürfte wieder da sein. Hoffnung keimt auf.

Von Thomas Bothe

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