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Sicherheit Leipzig Crowdfunding und Crowdinvesting in Sachsen
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11:00 10.11.2018
Viele Anleger finanzieren ein Projekt: So funktionieren Crowdfunding und Crowdinvesting. Quelle: eak_kkk/pixabay.com
Leipzig

Eine tolle Idee für ein Buch, ein Hilfsprojekt oder das eigene Geschäft? Wenn das Eigenkapital dafür nicht reicht und die Bank einen Kredit ablehnt, gibt es eine Möglichkeit der Finanzierung, die in den vergangenen Jahren immer beliebter und bekannter wurde: das Crowdfunding.

Der englische Begriff setzt sich aus den Wörtern „crowd“ für Menschenmenge und „funding“ für Finanzierung zusammen. In Deutschland werden auch die Begriffe Schwarm- oder Gruppenfinanzierung benutzt. Viele Menschen geben also kleinere und größere Beträge für ein Projekt und bekommen in der Regel dafür eine Gegenleistung, zum Beispiel ein Exemplar des Buches, das so entstanden ist oder einen Gutschein für den neu eröffneten Laden. Das unterscheidet das Crowdfunding auch von reinen Spendenaktionen.

Das Alles-oder-nichts-Prinzip

Die größte Crowdfunding-Plattform im deutschsprachigen Raum ist Startnext aus Dresden. Das 2010 gegründete Unternehmen hat 15 Mitarbeiter, ein Büro in Berlin und 6500 Projekte mit einem Fundingvolumen von mehr als 58 Millionen Euro erfolgreich betreut.

Es gilt das Alles-oder-nichts-Prinzip, erklärt Anna Theil, die bei Startnext die Kommunikationsabteilung leitet. „Das Geld wird erst an die Projekte ausgezahlt, wenn die Finanzierung erfolgreich war.“ Das heißt in der Praxis: Bevor die Projekte an den Start gehen, legen sie eine bestimmte Summe fest, die erreicht werden muss. Klappt das nicht, erhalten die Unterstützer ihr Geld zurück. „Das sichert die Qualität der Projekte und ist auch gut zu wissen für die Unterstützter“, sagt Anna Theil. Die eingezahlten Beträge werden während des Crowdfunding-Zeitraums auf einem Treuhandkonto hinterlegt.

Zwischen Starter und Unterstützer entsteht ein rechtsgültiger Vertrag – und damit auch ein Anspruch auf die ausgewählte Gegenleistung. Probleme gibt es eher selten, heißt es sowohl von Startnext als auch von der Visionbakery aus Leipzig. Fallen Unregelmäßigkeiten auf, können diese jederzeit gemeldet werden.

Daten nach deutschem Recht geschützt

Bei den persönlichen Daten und Bankinformationen der Nutzer legen die Plattformen Wert auf Sicherheit: Die hiesigen Firmen unterliegen dem deutschen Datenschutzgesetz und der EU-Datenschutz-Grundverordnung. „Wir versuchen so wenig Daten wie möglich zu erfassen“, sagt Stephan Popp, Geschäftsführer von Visionbakery. Diese könnten auch jederzeit gelöscht werden. Trotzdem müssen die Geldgeber natürlich zum Beispiel ihre Adresse angeben, wenn ihnen Gegenleistungen per Post zugesandt werden sollen.

Mehr Infos

Hier finden Sie weitere Tipps, Tricks und Infos zum Thema Sicherheit!

Grundsätzlich können sich die Nutzer darauf verlassen, dass nur seriöse Projekte um Geldgeber werben können. „Wir machen im Vorfeld Überprüfungen. Wir lassen zum Beispiel den Personalausweis einreichen, prüfen, ob ein Konto wirklich existiert oder prüfen das Vereins- und Handelsregister“, so Stephan Popp.

Letztlich haben auch die Crowdfunding-Plattformen ein hohes Interesse daran, dass die Aktionen erfolgreich verlaufen: Die Visionbakery erhält 11,9 Prozent Anteil an erfolgreichen Kampagnen. Kommt die Finanzierung nicht zustande, bekommt auch die Plattform nichts. Startnext wiederum setzt auf einen freiwilligen Anteil von Startern und deren Unterstützern – und das auch nur im Erfolgsfall.

Crowdinvesting: Geldanlage mit Rendite-Erwartung

Weniger kurzfristige Unterstützung und mehr langfristige Anlage ist das Crowdinvesting. „Bei uns investiert ein Kleinanleger in Unternehmen und kann von einer attraktiven Rendite bei positiver Unternehmensentwicklung profitieren“, erklärt Johannes Ranscht, Geschäftsführer der Plattform Seedmatch aus Dresden. Im Vergleich zum klassischen Crowdfunding, wo die Nutzer auf jeden Fall eine Gegenleistung für ihre Unterstützung erhalten, kann es beim Crowdinvesting passieren, dass das eingesetzte Geld weg ist – zum Beispiel wenn das Unternehmen insolvent ist. Seedmatch empfiehlt daher, die Investitionssummen auf mehrere Unternehmen zu verteilen. Mehr als 40 Millionen Euro an Kapital haben die Nutzer bisher investiert.

Wie bei den anderen Plattformen wird das eingesammelte Geld zunächst treuhänderisch verwaltet und nur im Erfolgsfall ausgezahlt. Dann erhält Seedmatch fünf bis zehn Prozent Provision von den Unternehmen. Für Investoren ist das Angebot kostenlos.

Die 10 erfolgreichsten Crowdinvesting- und Crowdfunding-Aktionen in Sachsen

Die 10 erfolgreichsten Crowdinvesting- und Crowdfunding-Aktionen in Sachsen

1 Million Euro: Aoterra (heute Cloud&Heat, Dresden), Seedmatch

300 000 Euro: VivoSensMedical (Leipzig), Seedmatch

54 639 Euro: Proteinshake nupro (Dresden), Startnext

48 066 Euro: detektor.fm startet eine Vormittagssendung (Leipzig), Visionbakery

42 138 Euro: Sauberkasten (Leipzig), Startnext

40 959 Euro: Objekt klein a (Dresden), Startnext

40 271 Euro: Vergessen im Harz III – Lost Place Dokumentarfilm (Leipzig), Visionbakery

39 721 Euro: Deutscher JCI Weltkongress 2014 wird klimaneutral (Leipzig), Visionbakery

39 647 Euro: Phase IV wird elf (Dresden), Startnext

Eignet sich Crowdinvesting als Geldanlage? Johannes Ranscht ist davon überzeugt, sofern die Nutzer bestimmte Regeln im Umgang mit Geldanlagen beachten: „Dazu gehört unter anderem, nur das Geld zu investieren, dessen Verlust man auch verschmerzen könnte, sein Kapital breit zu streuen, die Langfristigkeit eines Investments zu beachten und rationale Entscheidungen zu treffen.“ Renditen um die 15 Prozent pro Jahr sind laut Ranscht bei regelmäßiger Investition über mehrere Jahre durchaus realistisch.

Von Nadine Marquardt

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