Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Sicherheit Leipzig Die Staumeisterin der Talsperre Schömbach
Thema Specials Mit Sicherheit Sicherheit Leipzig Die Staumeisterin der Talsperre Schömbach
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:00 10.11.2018
Talsperre Schömbach - Staumeisterin Claudia Schirmer am Sickerwasserkontrollpunkt. Quelle: Jens Paul Taubert
Altmörbitz

Wenn es etwas gibt, das Claudia Schirmer an ihrem Beruf als Staumeisterin nicht schätzt, dann ist es das Wetter. Im Herbst und Winter kriecht ihr auf dem zugigen Damm die Kälte unter die Filzjacke, im Sommer gibt es keine Möglichkeit, sich vor der Sonne zu schützen. Drinnen bleiben bei Hagel und Nässe? Keine Option, denn als Wächterin der Talsperre Schömbach ist sie dafür verantwortlich, die unterliegenden Orte vor Hochwasser zu schützen.

Errichtet wurde Frau Schirmers Arbeitsplatz in den Jahren 1967 bis 1972, weil durch den Braunkohletagebau und die Begradigung der Gewässer im Süden Leipzigs natürliche Überflutungsflächen fehlten. Im Stausee münden die Leuba und die Wiera, der Ablauf speist die Whyra.

Claudia Schirmer ist zusammen mit zwei Kollegen dafür zuständig, dass das Wasser kontrolliert abgelassen wird. Dafür gilt es, mehrmals wöchentlich Messungen und Kontrollen durchzuführen – etwa, um zu überprüfen, ob alle Dichtungen halten. „Wir müssen sicher sein, dass kein Wasser in den Damm gelangen kann“, erklärt die 41-Jährige. Dieser bestehe nämlich zu großen Teilen aus Sand und sei nur auf der Seeseite mit einer Außendichtung aus Asphaltbeton versehen. Tritt im Inneren Wasser aus, wird er ausgehöhlt.

Ohne die Talsperre Schömbach würde die Whyra häufiger über ihre Ufer treten. Claudia Schirmer ist für die Anlage zuständig.

Kleinere Reparaturen erledigen Schirmer und ihre Stauwarte gleich selbst. Bisher habe der Damm Hochwasserwellen, selbst in den kritischen Jahren 2002 und 2013, aber zuverlässig zurückgehalten. „Damals hatte ich schon Bedenken“, sagt Claudia Schirmer. Auch wenn sie die Zahlen kennt und weiß, dass der Speicherraum samt Hochwasserschutz etwa zehn Millionen Kubikliter fasst, findet sie es immer wieder beeindruckend, wie schnell das Wasser aufsteigt. „Man ist einfach so machtlos“, beschreibt sie das Gefühl. „Das Becken läuft voll und man kann es nicht aufhalten“.

Die Theorie gibt genaue Anweisungen, wie solche Situationen zu händeln sind. In der Praxis müssen Claudia Schirmer und ihr Team von Fall zu Fall entscheiden, wie viel Wasser sie abgeben. „Ob das dann richtig war, wissen wir erst hinterher“, sagt die Staumeisterin. Abhängig sei das etwa davon, wie viel und wie lange es im Nachhinein noch regne. Sie geht davon aus, dass ein Versagen der Talsperre Auswirkungen bis nach Borna hätte.

Mehr Infos

Hier finden Sie weitere Tipps, Tricks und Infos zum Thema Sicherheit!

Von solchen Problemen sei man im trockenen Jahr 2018 verschont geblieben. Dementsprechend verwöhnt seien die Unterlieger, die beim Bau ihrer Häuser immer weniger Abstand zur Whyra ließen. „Wenn wir tatsächlich mal so viel Wasser ablassen, wie wir eigentlich dürfen, ist das Geschrei groß“, sagt Claudia Schirmer und lacht ein wenig. Sie betreut im Wechsel mit Kollegen auch das Bürgertelefon und hat so einen direkten Draht zu den Sorgen der Menschen. 150 Liter pro Sekunde fließen im Normalfall in den Fluss – das vorgeschriebene Minimum.

Claudia Schirmer trägt viel Verantwortung, schätzt das aber auch. Warum sie sich in Sachsen als einzige Frau für diesen Werdegang entschieden hat, ist ihr ein Rätsel. Vielleicht, so überlegt sie, erscheine der Beruf vielen nicht als interessant genug. Als sie selbst 2002 ihr Ingenieursstudium abschloss und sich bei der Landestalsperrenverwaltung bewarb, war das Thema Hochwasserschutz in aller Munde. Bereut hat sie ihre Wahl nicht. „Wenn wirklich mal was ist, dann ist man angespannt, unter Adrenalin“, sagt sie. Dann sei auch das Wetter egal.

Von Hanna Gerwig

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Rund 30 Radfahrer und Fußgänger kommen pro Jahr in Deutschland beim Rechtsabbiegen eines LKW um. Nun drängt der Bundesrat die Bundesregierung, elektronische Abbiegeassistenzsysteme in neuen Lastwagen und zu Nachrüstung in älteren Fahrzeugen vorzuschreiben.

09.11.2018

Die Müllfahrzeuge der Stadtreinigung sind auf den Leipziger Straßen allgegenwärtig. Genauso wie viele Autofahrer sie als Behinderung beim täglichen Arbeitsweg empfinden, haben die Müllfahrer auch mit vielen Hindernissen zu kämpfen. Eine Reportage.

09.11.2018

Der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) begrüßt laut Hauptgeschäftsführer Prof. Dr. Dirk Engelhardt den Vorstoß des Bundesrats zur Pflicht für Abbiegeassistenten. Das hat er auch jüngst bei einer Vortragsveranstaltung in Berlin mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer verdeutlicht.

09.11.2018