Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Sicherheit Leipzig Freiwillige Feuerwehr Belgershain: „Allein erreicht man gar nichts“
Thema Specials Mit Sicherheit Sicherheit Leipzig Freiwillige Feuerwehr Belgershain: „Allein erreicht man gar nichts“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:22 09.11.2018
Freiwillige Feuerwehr in Belgershain. Im Löschwagen sitzen Torsten Lehmann und Michael Freitag. Davor: John Phillip Geyer, Barbara Kromer, Sven Tschiedel, Adrian Wiesner, Daniel Hanickel und Sven Reichenbach. Die Jugendfeuerwehr ist mit Ralph Reichenbach, Linus Wiesner und Tom Elias Stark vertreten. Vorn kniet Marco Hanickel (v.l.n.r.) Quelle: Hanna Gerwig
Belgershain

Der eigentliche Unterschied liegt im Weg von der Kaffeetasse zum Einsatzort, erzählt Michael Freitag. Wenn er und seine Kameraden von der Freiwilligen Feuerwehr Belgershain den Alarm hören, dann springen sie vom Küchentisch auf, vom Sofa oder vom Schreibtischstuhl. Sie hechten zu ihrem Auto, schnappen sich ihr Fahrrad oder joggen die paar Meter von der Haustür bis zum Gerätehaus zu Fuß.

Ehrenamtler reagieren in Notfällen

Im Gegensatz dazu muss eine Berufsfeuerwehr 24 Stunden in der Wache bereitstehen und innerhalb von einer Minute ausrücken können. Und das kostet Geld, das eine Gemeinde wie Belgershain mit etwa dreieinhalb-tausend Einwohnern schwerlich aufbringen kann. Trotzdem kommt es auch hier zu Bränden, technischen Notfällen und vollgelaufenen Kellern – der Ernstfall tritt etwa 25 Mal im Jahr ein. Dann übernimmt, wie in den meisten Städten und Gemeinden in Sachsen, die Freiwillige Feuerwehr den Notruf.

Sie sind mitverantwortlich für die Sicherheit in ihrer Gemeinde: In der Freiwilligen Feuerwehr und der Jugendfeuerwehr engagieren Bürger sich neben Arbeit und Schule.

Vielerorts ist das Ehrenamt so für die Sicherheit unverzichtbar. Seit einigen Jahren sinkt jedoch die Zahl derer, die sich bundesweit in den freiwilligen Wehren engagieren.„Oft wird das, was die Freiwilligen leisten, zu wenig gewürdigt“, sagt Sven Weisbrich. Er ist gleichzeitig in der Berufsfeuerwehr und in Belgershain aktiv. Zusammen mit seinen Kameraden verbringt auch er manchen Abend in der Wache. Viele von ihnen haben dann schon einen Arbeitstag hinter sich. „Es steht hier der Wille im Vordergrund, der Gemeinde und den Bürgern zu helfen“, sagt Weisbrich. Er sei froh, dass Belgershain kein großes Nachwuchsproblem habe. Und das obwohl allein für die zweiteilige Grundausbildung mehr als 130 Stunden abgeleistet werden müssen – meist am Wochenende.

Freiwillige Feuerwehr oft vor Rettungsdienst am Einsatzort

Eine, die die Ausbildung in diesem Jahr hinter sich gebracht hat, ist Barbara Kromer. Sechs Jahre lang war sie Mitglied in der Frauengruppe, bevor sie sich zum aktiven Dienst entschloss – mit 59 Jahren. „Ich wollte wissen, wie es draußen ist. Reden kann man immer viel“, sagt sie. Ihr erster Einsatz war dann gleich ein Wohnungsbrand. „Du funktionierst dann einfach“, beschreibt Kromer ihren Eindruck.

Mehr Infos

Hier finden Sie weitere Tipps, Tricks und Infos zum Thema Sicherheit!

Oft gäbe es im Einsatz Situationen, die auch emotional sehr bewegend seien, sagt Torsten Lehmann, der unter anderem die Jugendfeuerwehr ausbildet. „Wir sind oft noch vor dem Rettungsdienst da, weil wir die kürzere Anfahrt haben.“ Teilweise sei es auch die Freiwillige Feuerwehr, die erste Hilfe leiste. Dann setze man sich durchaus im Nachgang nochmal zusammen, um das Geschehene nochmal aufzuarbeiten. „Wir wissen, wir können uns aufeinander verlassen. Ob jetzt während oder nach dem Einsatz“, sagt Lehmann. Dieses Wir-Gefühl schweiße zusammen und sei sicherlich die größte Motivation für alle, sich auch mitten in der Nacht zu einem Einsatz aus dem Bett zu quälen – keiner wolle den anderen hängen lassen.

„Allein erreicht man in der Feuerwehr gar nichts“, sagen auch Sven Weisbrich und Wehrleiter Michael Freitag. Sie hoffen deshalb auch in Zukunft darauf, dass genügend Belgershainer den Weg vom Sofa in die Wache finden.

Von Hanna Gerwig

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Sind digitale Daten auf Festplatten, USB-Sticks und DVD nicht mehr lesbar, kann eventuell eine professionelle Datenwiederherstellung helfen. Die Leipziger Spezialisten von DataRecovery können Verlorengegangenes wieder lesbar machen. Ein Erfahrungsbericht.

08.11.2018

Die Urlaubsfotos, private Dokumente oder das Hochzeitsvideo - es gibt viele wichtige Dateien, die man gern an einem sicheren Ort wissen möchte. Wir haben bei Experten nachgefragt, wie Sie Ihre Daten bestmöglich sichern.

09.11.2018

Die Cloud ist überall. Nicht nur medial, sondern tatsächlich. Denn Cloud (vollständig: Cloud Computing) bezeichnet Speicherplatz, Rechenleistung oder Software die als Dienstleistung im Internet irgendwo auf der Welt bereitgestellt werden.

08.11.2018