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Sicherheit Leipzig Selbstversuch: Wie funktioniert ein Feuerlöscher?
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09:58 20.11.2018
Windrichtung beachten: Redakteurin Juliane Groh und Sicherheitsingenieur Günter Klepsch testen verschiedene Handfeuerlöscher. Quelle: Christian Modla

Wenn es brennt, muss man schnell reagieren. Klar. Im Ernstfall bleibt zum Lesen der Bedienungsanleitung eher wenig Zeit – im besten Fall hat man sich also informiert, bevor man Flammen sieht.

Deshalb teste ich mit dem Leipziger Sicherheitsingenieur Günter Klepsch im Freien und unter sicheren Versuchsbedingungen die Funktionsweise verschiedener Feuerlöscher.

Die gute Nachricht: Im Grunde ist sie bei allen Löschern gleich und simpel. Die Sicherung (etwa ein Ring) wird entfernt, ein Aufladelöscher gegebenenfalls noch aktiviert, die Löschpistole auf den Brandherd gerichtet, die Auslöseeinrichtung gedrückt und es wird gelöscht.

Komplex sind die Umstände. Es gilt klar zu entscheiden, wann der Handlöscher eingesetzt wird. So ist sein Einsatz zum Ausmachen einer Kerze ganz sicher übertrieben. Steht der ganze Raum in Flammen, ist er bereits nutzlos.

„Grundsätzlich gilt: Menschenleben geht vor Brandbekämpfung“, sagt Günter Klepsch, „ein Handfeuerlöscher ist nur für einen Entstehungsbrand gedacht. Wenn das Feuer zu groß ist, muss man sich umgehend in Sicherheit bringen“.

Im Ernstfall kann man es mit zwei Arten von Feuerlöschern zu tun haben, Dauerdruck- oder Aufladelöscher. Den Unterschied erläutert der Sicherheitsingenieur: „Bei einem Löscher, der ständig unter Druck steht, müssen Sie nur die Sicherung entfernen und er ist sofort einsatzbereit. Den Aufladelöscher müssen Sie erst aktivieren. Das erreicht man je nach Hersteller zum Beispiel mit einem kräftigen Schlag auf einen Knopf. Dabei wird eine Gaspatrone ausgelöst, damit sich das Treibgas mit dem Löschmittel vermengt. Nach wenigen Sekunden können Sie ihn einsetzen.“

Wann welcher Löscher benutzt werde sollte, entscheidet die Brandklasse – A für feste Stoffe, B für flüssige, C für gasförmige. Speziallöscher für Metalle tragen die Klassenbezeichnung D, gegen Fettbrände wirken jene der Klasse F. Die Brandklasse steht auf jedem Feuerlöscher.

Windrichtung beachten: Redakteurin Juliane Groh und Sicherheitsingenieur Günter Klepsch testen verschiedene Handfeuerlöscher. Quelle: minthu/pixabay

Die Wahl hat man auch beim Löschmittel. „Pulver ist das Universallöschmittel für die Brandklassen A, B und C. Das löscht eigentlich fast alles, versaut aber auch alles“, erklärt Günter Klepsch. Um Folgeschäden – etwa an elektronischen Geräten im Büro – zu vermeiden, kann hier auch zu einem CO2-Löscher gegriffen werden. Der ist nicht immer am besten geeignet, aber schonender zu den Elektrogeräten. „Die moderne Variante auch für den Haushalt funktioniert mit Schaum, der macht auch nicht ganz so viel Dreck.“

Meine Auswahl für den Test steht bereit. Ich teste drei verschiedene Löscher – einen Übungslöscher mit Wasser, einen mit Kohlenstoffdioxid (CO2) und einen Aufladelöscher mit Pulver. Bei Letzterem sollte der erwähnte „Schlag auf den Knopf“ deutlich kräftiger ausfallen als ich dachte. Hier ist zartfühlende Zurückhaltung nicht angebracht.

Ich positioniere mich so, dass ich in Windrichtung löschen kann. „Kommen sie etwas näher und richten Sie die Löschpistole nach unten auf den Brandherd“, instruiert der Sicherheitsexperte.

Es gilt, den Brandherd zu löschen, nicht nur die Flammen – das wäre pure Verschwendung des Löschmittels. Statt nun einfach draufzuhalten, rät er mir außerdem, stoßweise zu löschen. „Sie haben jetzt ungefähr 30 bis 45 Sekunden, dann ist der Löscher leer.“

Also heißt es, konzentriert bleiben und nur so viel löschen wie nötig. Das klappt ganz gut, das Feuer erlischt.

Die drei leeren Feuerlöscher sind nun unbrauchbar, müssen neu gefüllt werden und dürfen nicht einfach wieder zurückgestellt werden.

Welches Löschmittel fordert die Brandklasse?

Brandklasse A

Zur Brandklasse A gehören alle festen Stoffe, vor allem solche, die in der Natur vorkommen, zum Beispiel Holz, Kohle, Textilien, Papier, Stroh und Faserstoffe. Bei Bränden dieser Klasse kommt es meist zu einer Glutbildung, das heißt, ein Löschmittel muss nicht nur die Flammen, sondern auch die Glut effektiv ablöschen.

Wasser eignet sich dafür sehr gut oder Feuerlöscher mit Schaum. Wird ein Pulverlöscher eingesetzt, sollte es ein ABC-Löscher sein – der enthält ein Glutbrandpulver.

Brandklasse B

In diese Kategorie fallen alle flüssigen, brennbaren Stoffe wie beispielsweise Benzin, Öle, Fette, Farben, Lacke und Alkohol. Auch Stoffe, die durch Hitze flüssig werden, gehören dazu. Das sind etwa Wachs, Teer, Harz sowie zahlreiche Kunststoffe wie PVC. Brennende Stoffe der Brandklasse B werden durch das Löschmittel erstickt.

Nie mit Wasser löschen! Durch Verdampfen kann es hierbei zu einer Verpuffung kommen. Stattdessen werden Löschdecken, Schaum-, ABC- oder CO2-Feuerlöscher verwendet sowie jene mit BC-Pulver.

Brandklasse C

Brennbare Gase, etwa Propan, Methan, Stadtgas, Erdgas, Butan oder Wasserstoff. Diese Stoffe verbrennen ausschließlich unter Flammenbildung, ohne Glut.

Gasbrände können nicht mit Wasser, Schaum oder Kohlenstoffdioxid (CO2) gelöscht werden. Für Brände der Klasse C wird zum Feuerlöscher mit ABC-Pulver oder BC-Pulver gegriffen.

Brandklasse D

Die Brandklasse D umfasst brennbare Metalle – unter anderem Aluminium, Magnesium, Natrium, Kalium und Lithium. Solche Brände sind im Alltag ebenso selten, wie sie aufgrund extremer Hitzeentwicklung (weit über 1000 Grad Celsius) schwierig zu löschen sind.

Auch hier gilt: Nie mit Wasser löschen! Es besteht hohe Gefahr einer Knallgas-Explosion. Metallbrände werden mit speziellem Metallbrand-Pulver sowie mit trockenem Sand, Zementpulver, Streu- oder Viehsalz gelöscht.

Brandklasse F

Brände der Klasse F treten häufig in Küchen auf – wenn Speisefette und -öle brennen. Dabei besteht eine hohe Rückzündungsgefahr, was zu schweren Verletzungen führen kann. Bei Löschversuchen mit Wasser entsteht eine Stichflamme.

Fettbrände werden grundsätzlich erstickt – am besten durch schnelles Abdecken mit einem Metalldeckel und Abschalten der Kochplatte. Löschdecken, Pulver-Feuerlöscher und CO2-Löscher sind nur bedingt geeignet. Ideal sind spezielle Fettbrandlöscher, die für eine Verseifung der brennenden Flüssigkeit sorgen.

Was gibt es im Ernstfall noch zu beachten? Zum Beispiel, dass Flächenbrände immer von vorne nach hinten gelöscht werden.

Tropf- und Fließbrände, etwa von Kunststoffen, werden hingegen von oben nach unten gelöscht.

Ist der Brandherd richtig abgelöscht, sollte er noch einige Zeit beobachtet werden – eine Wiederentzündung ist möglich.

Sollte ich mir nun einen Feuerlöscher für meine eigenen vier Wände zulegen? „Da gibt es keine Vorschriften, auch nicht für das private Auto.“

Man muss also nicht. „Aber falsch ist es ganz sicher nicht“, findet Sicherheitsingenieur Günter Klepsch. „Wenn Sie einen Löscher in der Nähe haben und wissen, wie sie ihn benutzen, haben sie jederzeit die Chance, bei einem entstehenden Brand noch selbst etwas zu tun.“

Für den Haushalt empfiehlt sich ein Schaumlöscher, dessen Spuren hinterher wieder entfernt werden können. Aber Achtung: Fettbrände in der Küche dürfen damit natürlich nicht gelöscht werden.

Von Juliane Groh

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