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Sicherheit Leipzig Unbefugtes Betreten: Sachsens Baustellen, Kirchen und Schulen im Fokus von Dieben
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11:11 07.11.2018
Vermummt und oft im Dunkeln: Auf Sachsens Baustellen wird viel geklaut. (Symbolbild) Quelle: Daniel Maurer/dpa
Leipzig

Trotz tendenziell sinkender Fallzahlen in der sächsischen Kriminalitätsstatistik bleiben Diebstähle nicht nur in den Großstädten des Freistaates ein Dauerproblem. Mehr als 18 000 Einzelfälle wurden im vergangenen Jahr zur Anzeige gebracht. Etwa ein Drittel konnte aufgeklärt werden, die meisten bleiben aber ungesühnt. Neben Einbrüchen in private Lebensbereiche, wie in Wohnungen, Kellerboxen oder in Autos, greifen Langfinger verstärkt auch in Unternehmen und in öffentlichen Einrichtungen zu. Dort entstehen schnell auch Schäden in Millionenhöhe.

Besonders stark im Fokus von Einbrechern stehen Baustellen. Dort lagern wertvolle Materialen und Kraftstoffe, sind auch teure Maschinen unter Umständen über Nacht abgestellt. Mehr als 2000 Fälle gab es allein im vergangenen Jahr im Freistaat, bei denen sich Unbefugte Zutritt zu Bautätigkeit verschafft haben. Insgesamt entstand dabei ein Schaden von 3,4 Millionen Euro, heißt es in der Polizeistatistik. Fast jeder zweite Diebstahl auf einer Baustelle passiert in der Bauboom-Stadt Leipzig.

Baustellendiebe gehen professionell vor

Betroffen ist fast jede Firma, egal ob groß oder klein. Der ostdeutsche Bauindustrieverband spricht von 80 Prozent aller sächsischen Unternehmen. „Mitgenommen wird alles, was nicht niet- und nagelfest ist“, sagt Verbandsgeschäftsführer Robert Momberg. Zunehmend problematisch sei, dass die Diebe immer professioneller und skrupelloser vorgingen. „Die Täter kommen mit dem Tieflader und verladen die Baumaschinen oder reißen bereits verbaute Elektroinstallationen komplett aus den Wänden“, so Momberg.

Angesichts der enormen Schäden und der geringen Aufklärungsquote werden die Firmen praktisch gezwungen, immer mehr in den Schutz der Bauprojekte zu investieren – auch wenn die Auftraggeber nur selten bereit sind, mehr zu bezahlen. „Neben privaten Sicherheitsunternehmen stehen kompakte Baustellenüberwachungssysteme mit autarker Stromversorgung hoch im Kurs. Außerdem werden Baumaschinen und -geräte immer häufiger mit GPS-Sendern oder künstlicher DNA ausgestattet, um den Dieben auf die Schliche zu kommen“, sagt Momberg.

Sachsens Polizei berät Unternehmen bei der Diebstahlprävention

Um sich gegen einfache Diebstähle, aber auch gegen komplexe Vorgänge der globalen Wirtschaftskriminalität besser absichern zu können, macht die Polizei Sachsen gezielt kleinen und mittleren Unternehmen im Freistaat ein Präventionsangebot. Informationspakete und Beratungen sollen konkret Hilfestellung beim Erkennen und Beseitigen von Sicherheitslücken in den Firmen geben.

Themenfelder in der Checkliste sind Gebäudeschutz, Einbruchsmeldeanlagen, Sicherung von Baufahrzeugen und von Wertgegenständen. Das Infopaket der Polizei kann bei allen örtlichen Dienststellen abgefordert werden, Behördenmitarbeiter stehen darüber hinaus aber auch zur persönlichen Beratung bereit.

Weiterführende Informationen, vor allem beim Schutz des eigenen Know-how und der sensiblen Daten in den sächsischen Firmen, bietet zudem das Landeskriminalamt (LKA) an. Spezielle Checklisten können auch dort abgefordert werden, die unter anderem Angaben zu einbruchsicheren Wertschutzbehältern, zur IT-Sicherheit in Netzwerken und über sinnvolle organisatorische Maßnahmen in Unternehmen machen.

Alle Präventionsangebote im Netz: www.polizei.sachsen.de

Beschaffungskriminalität in Kirchen

Kirchen und Friedhöfe sind aufgrund ihrer oftmals abgeschiedenen Lage ebenfalls häufig ein Ziel von Einbrechern. Die Evangelische Kirche betreut in Sachsen mehr als 5000 Gebäude, darunter 1600 Gebetshäuser und 1200 Friedhöfe. Gesamtschaden durch Diebstähle im vergangenen Jahr: 210 000 Euro. „Es gab in der DDR und in der Nachwendezeit spektakuläre Einbrüche in Kirchengebäude“, erzählt Landeskirchen-Sprecher Matthias Oelke. Inzwischen seien solche Auftragsraubzüge nur noch selten, weil die wertvollen Dinge besser gesichert sind. „In den meisten Fällen kommt es heutzutage aus spontanem Übermut oder aufgrund von Beschaffungskriminalität zu Einbrüchen. Die Täter haben dann den Opferstock im Visier.“ Der finanzielle Verlust sei überschaubar, größerer Schaden entstehe durch die Beschädigungen beim Eindringen in die Gebäude.

Hinzu kommen überstiegene Friedhofsmauern, weil Buntmetalldiebe an Gräbern nach Verwertbarem Ausschau halten. „Da werden einfach Medaillons aus Grabsteinen herausgebrochen oder an Gebäuden Regenrinnen abgebaut. Zum Teil wird auch in Gemeindehäuser eingebrochen, um Stereoanlagen und Mikrophone zu stehlen“, so Oelke weiter.

Grundsätzlich verhindern ließen sich die Raubzüge meist nicht. Die Landeskirche gebe zwar Empfehlungen an die Gemeinden, im Grunde kollidierten diese aber mit anderen Interessen. „Man könnte natürlich Sicherheit maximieren, allerdings widerspricht das unseren Vorstellungen von offenen Kirchen“, sagt Oelke. Am Ende gelte deshalb auch hier der Grundsatz: Gelegenheit macht Diebe. Und diese Gelegenheiten müssten minimiert werden.

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Kaum Rezeptdiebstähle – neue Alarmanlagen in Schulen

Apropos Beschaffungskriminalität: Ärzte und Krankenhäuser gelten aufgrund ihres Zugangs zu Psychopharmaka als erhöhte Risikogruppe. Zumindest in Sachsen sind sie aber selten tatsächlich betroffen. Lediglich fünf Diebstähle von Betäubungsmittel wurden im vergangenen Jahr von der Polizei registriert. Dazu kommen drei Fälle, in denen Rezepte oder ganze Blöcke entwendet wurden. Die Kassenärztliche Vereinigung empfiehlt Ärzten im Freistaat, keine Blanko-Rezepte zu unterschreiben und die Blöcke nicht nur sicher, sondern auch getrennt vom Stempel aufzubewahren.

Kaum zu finden in der Polizeistatistik sind Einbrüche in Schulen und Kindertagesstätten, mitunter werden aber auch diese von Einbrechern und Dieben aufgesucht. Wie es aus dem Amt für Gebäudemanagement der Stadt Leipzig heißt, gab es in den 150 Schulen und 50 Kitas in diesem Jahr drei Raubzüge. Den größten Schaden richtet dabei die Beschädigung beim Einbruch an und nicht das Diebesgut selbst. Um nächtliche Einstiege zu verhindern, wurden inzwischen 60 Prozent der städtischen Schulen mit Alarmanlagen ausgestattet. Diese überwachen gezielt Außentüren und andere Einstiegsmöglichkeiten und könnten aufgrund sogenannter Transpondertechnologie auch nicht sabotiert werden. Zudem seien die Räume im Inneren häufig mit Fallen und Bewegungsmeldern ausgestattet.

Tagsüber kann diese Technik nicht helfen. Angesichts des Hochbetriebs vor allem in Schulen sei das Thema Sicherheit deshalb auch auf viele Schultern verteilt. Lehrkräfte sind angehalten, alle ungenutzten Räume grundsätzlich verschlossen zu halten. Sowohl Kinder als auch Lehrer sollen zudem alle fremden Personen melden, die sich in den Schulen oder Kitas aufhalten. Erwachsene, die ihre Kinder abholen wollen, müssten sich zudem grundsätzlich beim Personal ausweisen.

Von Matthias Puppe

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