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Sicherheit Leipzig Unfälle beim Rechtsabbiegen: Was können Städte für mehr Sicherheit tun?
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13:18 09.11.2018
Ein weißes Fahrrad als Zeichen und zum Gedenken an einen tödlichen Unfall mit einem Fahrrad. Quelle: André Kempner
Leipzig

Was können Städte für mehr Sicherheit tun? „Wir haben in Leipzig nur eine geringe Anzahl von Abbiegeunfällen“, sagt Torben Heinemann, zuständig für die generelle Planung im Verkehrs- und Tiefbauamt.

Laut Thomas Schulze, Leiter der Straßenverkehrsbehörde, werden neuralgische Punkten aber nicht nur genau beobachtet, unter bestimmten Umständen sei die Stadt sogar verpflichtet, Maßnahmen zu ergreifen.

28. Mai, Köln, Stadtteil Widdersdorf: Ein sieben Jahre alter Junge wird von einem abbiegenden Müllfahrzeug erfasst und getötet. Thomas Schulze hat sofort bei seinen Kölner Kollegen nachgefragt, welche Gründe aus ihrer Sicht zu dem tragischen Unfall geführt haben. Die Besonderheit war nämlich: Der Junge war hinter seinem Vater hergefahren. Anwohner sprachen gegenüber Kölner Medien von einem Einzelfall, denn in der Straße werde weder gerast, noch habe es in der Vergangenheit Unfälle gegeben.

Unfallkreuzung in der Pragerstraße / Kommandant-Prendel-Allee in Leipzig. Quelle: André Kempner

Diese sogenannten „Einbiege-Kreuzen-Unfälle“ sind laut dem Verkehrsplaner deshalb so gefährlich, weil ein LKW einen Radfahrer oder Fußgänger glattweg überrollen könne. In Leipzig habe man in diesem Jahr bislang sechs Unfälle in dieser Kategorie registriert, alle an unterschiedlichen Stellen. „Es ist für uns schwierig, etwas baulich zu tun, wenn sich diese Unfälle nicht an einer Stelle häufen. Wir können ja nur reagieren, wenn wir die Gründe dafür kennen“, beschreibt Thomas Schulze das Problem.

Dabei sei das Verfahren in Sachsen durch das Merkblatt zur örtlichen Unfalluntersuchung in Unfallkommissionen (M UKO) geregelt. Es kategorisiert Unfälle mehrstufig und zwingt die Ämter zum Beispiel zum Handeln, wenn generell fünf Unfälle an derselben Stelle pro Jahr oder dort fünf Unfälle mit Personenschaden in drei Jahren stattfinden. Thomas Schulze: „Aktuell haben wir nur einen Unfallschwerpunkt, die Kreuzung Prager Straße und Kommandant-Prendel-Allee.“ Hier gebe es gleich mehrere Arten von Unfällen, die zu einem Umbau der Kreuzung führen würden – Rechtsabbiegeunfälle seien kaum dabei.

ADAC, VCD und ADFC plädieren für eine radverkehrsfreundlichere Stadtplanung

Ob ADAC Sachsen, Verkehrsclub Deutschland Elbe-Saale oder Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club (ADFC) Sachsen: Die Verkehrsverbände befürworten alle technische Lösungen in Lkw und begrüßen die entsprechende „Aktion Abbiegeassistenten“ von Bundesverkehrsminister Andres Scheuer.

Markus Löffler, Leiter Umwelt, Verkehr und Technik des ADAC Sachsen: „Der ADAC hält alle Maßnahmen, die die Entwicklung und Einführung verpflichtend vorgeschriebener Abbiegeassistenten für Lkw und Busse beschleunigen, für sinnvoll und wichtig.“

Tillmann Gerding, Geschäftsführer VCD Elbe-Saale, mahnt aber wie alle an, dabei gleich an eine europäische Regelung zu denken.

Nach den drei tödlichen Unfällen mit Radfahrern in Leipzig im Frühjahr hatte der ADFC Verbesserungen in der Rad-Infrastruktur gefordert, unter anderem Vorrangschaltungen an Ampeln für Radler vorgeschlagen.

Löffler und Gerding sehen dies – neben einer Reihe weiterer Maßnahmen – genauso. Für Löffler könnte außerdem „eine fortlaufende Öffentlichkeitsarbeit die Themen ,Toter Winkel‘ und ,Schulterblick‘ im Bewusstsein der Verkehrsteilnehmer halten.“ Gerding sieht die Zukunft der Städte generell so: „Insgesamt muss in der Verkehrsplanung der Radverkehr deutlich stärker berücksichtigt werden.“

Torben Heinemann sieht Müllfahrzeuge nicht als Problem an, „die haben alle niedrige Kabinen mit guter Sicht. In Leipzig sind es eher Baustellenfahrzeuge, die problematisch sein können.“ Beim so genannten „konfliktfreien Rechtsabbiegen“ gebe es für die Stadt- und Verkehrsplaner mehrere Möglichkeiten, auf die man auch achte. Viele drehen sich um den Faktor „Ablenkung der Fahrer“. Thomas Schulze: „Dazu gehört auch mal eine Straßenwerbung. Die kriegen wir aber nur schwer weg.“

Torben Heinemann gibt Einblick in seine Planungsgedanken: „Wie sortieren wir die Verkehrsteilnehmer? Wie können wir das durch die Ampelumläufe beeinflussen? Wo lassen wir den ruhenden Verkehr?“ All dies habe laut Thomas Schulze zum Beispiel zur „Leipziger Kombispur“ geführt, einer Rechtsabbiegespur, die sich Auto- und Radfahrer teilen, wobei Radfahrer auch geradeaus weiterfahren dürfen. Dies erhöhe die Aufmerksamkeit der Autofahrer, die die Radfahrer von Anfang an sehen.

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Von Ideen wie dem „Trixispiegel“ am Kopf oder einer LED-Warnleiste in Augenhöhe von Ampelmasten, die an Unfallschwerpunkten stehen, halten beide nicht viel. Der Weitwinkelspiegel ähnelt dem LKW-Rampenspiegel, die LED-Warnleuchte „Bike-Flash“ blinkt, wenn ein Wärmesensor Radfahrer erfasst. Thomas Schulze: „Mir ist keine Untersuchung bekannt, dass ein solcher Spiegel Unfälle reduziert. Außerdem müsste man sie an jeder Kreuzung anbringen und die LEDs müssten immer funktionieren, weil sich die Leute ja auf sie verlassen.“

Für beide Verkehrsplaner sind in erster Linie die Verkehrsteilnehmer verantwortlich für ihre Sicherheit. Torben Heinemann: „Alle unterliegen einer Sorgfaltspflicht. Das funktioniert ja auch gut. Kritisch wird es nur, wenn Stress zu Fehlern führt.“ Daher befürworten beide elektronische Abbiegeassistenten in LKW. Thomas Schulze: „Sicherheitssysteme sind da sinnvoll, wo sie gebraucht werden.“

Von Stefan Michaelis

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