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Opernball Leipzig Leipzigs Partnerstädte und der Opernball: Interview mit Dr. Gabriele Goldfuß
Thema Specials Opernball Leipzig Leipzigs Partnerstädte und der Opernball: Interview mit Dr. Gabriele Goldfuß
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00:39 14.10.2018
„Engagement über das Dienstliche hinaus“: Dr. Gabriele Goldfuß ist Mitglied im Opernball-Kuratorium. Quelle: Dirk Knofe

Mit Bologna 2008 fing alles an. Zum allerersten Mal lieferte eine Leipziger Partnerstadt den inhaltlichen Rahmen des hiesigen Opernballs. Maßgeblich an der Entscheidung beteiligt: Dr. Gabriele Goldfuß, Leiterin des Referats Internationale Zusammenarbeit im Rathaus. Wir sprachen mit ihr über die Rolle ihres Referats bei der Organisation des Leipziger Opernballs.

Wie und wann entstand die Idee, die Leipziger Städtepartnerschaften und den Opernball thematisch zu verknüpfen?

Die grundlegende Idee wurde vor elf Jahren von Vivian Honert-Boddin mit Übernahme der Opernball-Geschäftsführung geboren. Das traf bei uns auf offene Ohren. Ein Thema, das rein auf Glamour abzielt, schien uns für den Leipziger Opernball nicht passend, schließlich soll er nicht nur ein Event für Stars und Sternchen sein, sondern vor allem für die Leipziger Bürger und die Leipziger Wirtschaft. Seitdem tragen wir das Konzept gemeinsam.

Welche Partnerstadt durfte als erste den inhaltlichen Rahmen für einen Leipziger Opernball liefern.

Natürlich das Opernland Italien mit unserer Partnerstadt Bologna im Jahr 2008. 

Welche Rolle spielt das Referat für Internationale Zusammenarbeit bei der Opernballorganisation? Was sind ihre Aufgaben?

Abgesehen von der Ideenfindung geht es darum, konkrete Partner zu identifizieren, zu interessieren, Patenschaften zu vermitteln und dann in der Umsetzungsphase die Opernball GmbH beim Beziehungsmanagement zu unterstützen. Es muss nicht unbedingt immer eine Partnerstadt sein, die dem Leipziger Opernball den thematischen Rahmen gibt. Es kann auch eine Stadt, eine Region oder ein Land sein, mit der oder dem es in bestimmten Bereichen – zum Beispiel kulturell oder wirtschaftlich – bereits eine intensive Zusammenarbeit gibt. Dies auszuloten und Impulse zu geben ist Aufgabe des Referats im Opernball-Kuratorium. Und natürlich versuchen wir, bei der Mottofindung durchaus auch nationale Interessen abzuholen.

Haben Sie ein Beispiel?

Ein gutes Beispiel dafür ist der 2015er Opernball unter dem Motto „Shalom Israel“. In diesem Jahr hatten Deutschland und Israel das 50-jährige Bestehen der diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern gefeiert. Als ich von diesen Plänen erfuhr – das war so ungefähr zwei, drei Jahren vorher – habe ich den Kontakt zur Israelischen Botschaft gesucht und gefragt, ob man sich vorstellen könne, ein gesellschaftliches Ereignis wie einen Ball in die offiziellen Feierlichkeiten einzubeziehen. Man konnte. Und so wurde der Leipziger Opernball 2015 die offizielle, glanzvolle Abschlussveranstaltung der Feierlichkeiten zu „50 Jahre deutsch-israelische Beziehungen“.

Mehr zum Thema: Opernball Leipzig 2018 - Infos und Programm!

Die Entscheidung für Brünn (Brno) als Themenpartner des diesjährigen Opernballs hat ja einen ähnlichen Ursprung.

Das stimmt. 2019 ist Tschechien Gastland der Leipziger Buchmesse. Ein ganzes Jahr lang veranstalten das tschechische Kulturministerium und die Mährische Landesbibliothek mit Sitz in Brno in Leipzig und unserer Region das Tschechische Kulturjahr. Unser diesjähriger Leipziger Opernball unter dem Motto „Ahoi Česko!“ ist dafür die offizielle Eröffnungsfeier.

Können Sie uns ein wenig über Brünn erzählen?

Brünn ist eine junge, lebendige Stadt mit wechselvoller Geschichte. Mehr als 70.000 Studenten prägen das Leben der Stadt. Brünn hat eine lange Kultur- und Musiktradition, ein großartiges bauliches Erbe. Allein der Besuch der Villa Tugendhat lohnt die Reise. Brünn ist fast wie Wien, nur nicht ganz so groß. Beide Städte liegen nur ungefähr 100 Kilometer auseinander. Künstler, Wissenschaftler, Unternehmer sind schon immer zwischen beiden Städten hin- und her gereist. Und beide Städte haben eine vergleichbare Balltradition. Darüber hinaus ist Brünn die alte Hauptstadt von Mähren, einem traditionellen Wein- und Kulturland. Ich glaube, es gibt wenige Orten in Europa mit einer solchen Dichte an Weltkulturerbe wie Mähren.

Was unterscheidet die Leipziger Städtepartnerschaft mit Brünn von anderen Partnerschaften?

Leipzig und Brünn haben sehr viele Gemeinsamkeiten. Sie zählt zu den lebendigsten und vielfältigsten Verbindungen Leipzigs. Ich möchte hier besonders die musikalische Brücke nennen: Leos Janácek, der große Komponist hat in Leipzig studiert. Die beiden Opernhäuser, viele Ensembles, Komponistenhäuser, Festivals und Hochschulen haben im Laufe der Jahre immer wieder kooperiert, stehen im Austausch oder schmieden neue Projekte miteinander. So wird 2019 beispielsweise der Leipziger Synagogalchor bereits zum zweiten Mal in Brünn gastieren.

Bezeichnend für die musikalisch enge Partnerschaft ist auch das Brünner Operngebäude. Es wurde vom selben Architekten wie die Leipziger Oper entworfen. Die Ähnlichkeit zwischen beiden Häusern ist unverkennbar. 

Wie weit im Voraus planen Sie mögliche Themen und Partnerschaften für den Leipziger Opernball?

Im Schnitt starten wir mit den ersten Ideen drei Jahre vorher. Für den Leipziger Opernball versuche ich immer einen Partner zu finden, der auf Augenhöhe mit uns arbeitet und der das Ballthema auch mit Leidenschaft betreibt.

Wie schon gesagt, es muss nicht immer eine Leipziger Partnerstadt Motto- und Themengeber sein. Viele große musikalische Kulturen sind noch zu entdecken. Großbritannien zum Beispiel oder Spanien. Allein in Europa gibt es viel Potenzial, das wir noch nicht ausgeschöpft haben. Im kommenden Jahr möchten wir uns gerne mit Bozen und Südtirol beschäftigen, wohin auch die Leipziger Oper enge Verbindungen pflegt. Aber auch außerhalb Europas gäbe es wunderbare Partner wie zum Beispiel Japan.

In welcher Form werden die jeweiligen Partner in die Opernball-Feierlichkeiten integriert?

Die Partnerstadt, aber auch das Partnerland beteiligen sich hier in vielfältiger Weise. Es gibt in aller Regel kulturelle Beiträge zum Opernball sowohl beim klassischen Programm im großen Saal, als auch in den Lounges, zum Beispiel durch DJs oder Live-Musik. Kulinarisch gibt es immer eine Zusammenarbeit mit einem Chef aus der jeweiligen Stadt/dem jeweiligen Land, der das Menü mit kreiert und vorbereitet. 2015, beim Israel-Motto war das Essen "kosher style". In diesem Jahr hat der bekannte Brünner Koch Pavel Rohoska großen Anteil an den servierten Gaumenfreuden.

Natürlich kommen auch offizielle Gäste aus den Partnerstädten zum Opernball, auch die Botschafter und/oder Generalkonsuln des jeweiligen Landes sind in aller Regel dabei sowie weitere Ehrengäste aus dem Land. Manche Länder unterstützen uns auch bei der Ausrichtung eines Unternehmertages oder es wird imVorfeld eine Journalistendelegation in die Partnerstadt eingeladen.

"Wichtig sind in jedem Fall das bürgerschaftliche Engagement und die vielen Projekte, die im Rahmen der Partnerschaften entstehen - das bringt Leben und Farbe in die Verbindungen."

Dr. Gabriele Goldfuß , Leiterin des Referats Internationale Zusammenarbeit und Mitglied im Opernball-Kuratorium

Wie viele Partnerstädte hat Leipzig?

Wir haben aktuell 14 Städtepartnerschaften und zwei Stadtteilpartnerschaften. Darüber hinaus gibt es Kooperationsstädte und zahlreiche thematische oder zeitlich begrenzte Kooperationen mit anderen Städten.

Die älteste Städtepartnerschaft hat Leipzig…

… mit Kiew. Seit 1961.

Und wer ist als Letztes hinzugekommen?

Herzlya in Israel. Offizielle Unterzeichnung der Städtepartnerschaft war 2011.

Gibt es festgelegte Regularien, die eine Städtepartnerschaft immer erfüllen muss?

Nein, Städtepartnerschaften sind immer ziemlich individuell gestaltet. Mal stehen der kulturelle Austausch im Fokus, mal die wissenschaftliche Zusammenarbeit, mal Fragen der Stadtentwicklung. Auch die Themen Jugend, Soziales, und Wirtschaft spielen – mal mehr, mal weniger – eine Rolle. Wichtig sind in jedem Fall das bürgerschaftliche Engagement und die vielen Projekte, die im Rahmen der Partnerschaften entstehen - das bringt dann Leben und Farbe in die Verbindungen.

Eine Städtepartnerschaft ist natürlich immer auch ein Anker für eine Beziehung zu dem ganzen Land, zu seiner Kultur und zu den Unternehmen. Übrigens: Ganz häufig sind unsere Partnerstädte – ebenso wie Leipzig – Orte, die von Handel und Messen geprägt sind.

„Engagement über das Dienstliche hinaus“: Dr. Gabriele Goldfuß ist Mitglied im Opernball-Kuratorium. Quelle: Dirk Knofe

Wenn Sie nicht den Opernball mit organisieren, was gehört noch zu den Aufgaben des Referats Internationale Zusammenarbeit?

Wir sind Ansprechpartner für alle internationalen Fragen, die innerhalb der Stadt Leipzig aufkommen und unserer Unterstützung bedürfen – immer mit dem Ziel, Leipzig auf der Landkarte der europäischen Städte nach vorne zu bringen. Auch die Europapolitik spielt eine wichtige Rolle. Wir unterstützen mit unserer Arbeit aber beispielsweise auch die großen Leipziger Jubiläen und Themen – in den letzten Jahren waren dies die Komponistenjubiläen, Völkerschlacht, Reformation, Friedliche Revolution.

Oft vertreten wir Leipzig auch in anderen internationalen Metropolen wie New York oder gerade erst in Stockholm und nicht nur in unseren Partnerstädten. Wir gehen zum Beispiel punktuell mit auf Tourneen des Gewandhausorchesters, des Leipziger Thomanerchors oder der Oper. Hierfür organisieren wir zumeist dann auch Unternehmer- oder Kulturdelegationen.

Wir kooperieren auch sehr eng mit dem Auswärtigen Amt, den Deutschen Botschaften und Generalkonsulaten im Ausland, dem Goethe Institut und den Botschaften und anderen Vertretungen unserer Partnerländer hier in Deutschland.

Im Großen und Ganzen sind wir der Ansprechpartner in internationalen Fragen für Bürger, Vereine, Unternehmen, Institutionen aller Art. Mein Referat fungiert als ein internationaler Türöffner für die verschiedensten Themen - vom Tourismus über die Wissenschaft bis zum Sport. Wir sorgen quasi für „Klimaerwärmung“ – im positiven Sinne  natürlich.

Dann sind Sie also viel unterwegs?

Nun ja, wir sind nicht das Auswärtige Amt - weder von der Anzahl der Mitarbeiter noch vom Budget... Der Schwerpunkt meiner Aufgabe ist schon hier vor Ort in Leipzig. Impulse von außen müssen schließlich hier umgesetzt, internationale
Gäste betreut werden. Innerhalb von Leipzig bin ich sehr viel unterwegs und mindestens ein oder zweimal im Monat auch außerhalb der Stadt – mal näher, mal ferner, kürzer oder länger.

Noch einmal zurück zum Opernball. Was unterscheidet den Leipziger Ball von anderen Veranstaltungen dieser Art – zum Beispiel in Dresden oder Wien?

Unser Leipziger Opernball ist noch nicht so bekannt wie der Wiener Opernball oder der Semperopernball. Aber er wird doch immer beliebter. Das sieht man auch daran, wie früh die Karten ausverkauft sind und an der Medienresonanz. Der hiesige Opernball ist ein besonderer Abend der Begegnung und das Austausches für unsere Region, wo Wirtschaft und Gesellschaft sich treffen und wo man auch einmal in anderer Form als rein geschäftlich zusammenkommt. Viele Unternehmer nutzen den Opernball zum Netzwerken und freuen sich, für sich und ihre Partner diesen ganz speziellen Abend zu haben.

Wie oft sehen Frau Boddin und Sie sich?

In den Wochen rund um den Opernball telefonieren und mailen wir täglich und auch mal spät am Abend. Ehrlich gesagt, ist der Leipziger Opernball über die Jahre auch zu einer persönlichen Leidenschaft geworden. Er ist ein wunderbares Fest und ein schöner Glanz für unsere Stadt, da engagiere ich mich gerne auch über das Dienstliche hinaus.

Interview: Annett Riedel

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