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Für den Baum ist kein Platz - Weihnachten im Flut-Ort Fischbeck

Für den Baum ist kein Platz - Weihnachten im Flut-Ort Fischbeck

Die Gänsekeulen für das Weihnachtsessen hat Engelgard Lüdtke schon gekauft. „Nur wie ich sie zubereiten soll, weiß ich noch nicht.“ Der Blick der 73-Jährigen schweift durch den Wohncontainer und bleibt an der Single-Küche hängen.

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Der dritte Lastkahn wird zum gebrochenen Elbdeich bei Fischbeck gebracht. Das Schiff wurde anschließend versenkt. Hubschrauber warfen Sandsäcke auf die Barriere, um das Leck endgültig zu stopfen.

Quelle: Jens Wolf

Das Elbe-Hochwasser im Juni, das den Deich bei Fischbeck brechen ließ, hat Engelgard Lüdtke ihr Zuhause geraubt.

Noch immer ist es unbewohnbar wie viele Häuser in dem Ort, der für viele stellvertretend für das Hochwasser 2013 steht. Nach Monaten in einer Pension wohnt die Seniorin seit wenigen Wochen in einem Container. 2,30 Meter breit und knapp 6 Meter lang. Die Möbel kommen aus dem Spendenlager. Hier wird sie Weihnachten verbringen. Ein Weihnachtsbaum? „Ich weiß ja nicht mal, wo ich den Baum hinstellen soll“, sagt die ehemalige Horterzieherin.

„Die Hälfte der Betroffenen ist Weihnachten noch nicht wieder drin in ihren Häusern“, schätzt der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Elbe-Havel-Land, Bernd Witt. Nur wenige leben in den Containern, die das Rote Kreuz angeboten hat. Viele sind bei Verwandten und Bekannten untergekommen oder in Wohnungen, die zur Verfügung gestellt wurden. Im Elbe-Havel-Winkel war eine Fläche von etwa 70 mal 30 Kilometern geflutet. Das Wasser brauchte auf dem platten Land Wochen, bis es abgeflossen war. 1500 Betroffene aus dem Elbe-Havel-Winkel haben einen Antrag auf Soforthilfe gestellt, sagt Witt.

80 Zentimeter hoch stand die stinkende Brühe in Karin Standkes Haus in der Mitte Fischbecks. Nichts war mehr zu gebrauchen. Es blieb nur, alles auf den Müll zu tragen. Heute hat die 73-Jährige wieder einmal Handwerker im Haus - ein Glücksfall, denn meistens wartet man in Fischbeck auf Installateure, Fliesenleger oder Schreiner. „Ich bin etwas niedergeschlagen, weil es alles nichts wird“, sagt die alleinstehende Seniorin. Weihnachten wollte sie soweit fertig sein, dass sie ihre Kinder und Enkel empfangen kann, die extra Urlaub genommen haben.

Tatsächlich ist von den Handwerkern alles staubig im Haus. Türrahmen fehlen, das Bad hat nicht einmal Fliesen. Die Heizungen sind nicht angeschlossen. Die schicke neue Küche kann sie nicht nutzen. Karin Standke lebt oben im Haus in einem kleinen ehemaligen Kinderzimmer. „Wohnen kann man das nicht nennen, Hausen ist das.“ Einen Weihnachtskalender hat sie geschenkt bekommen. Die Schokolade steckt aber noch drin. Ihr steht nicht der Sinn danach.

Der ehrenamtliche Bürgermeister von Wust-Fischbeck, Bodo Ladwig, ist der Dreh- und Angelpunkt in dem 420-Einwohner-Dorf Fischbeck. Neben seinem Vollzeit-Job in der Milchviehanlage im Ort baut er auch sein eigenes Haus wieder auf. Er weiß, wo den Fischbeckern der Schuh drückt. Das ist vor allem das Geld. Von unbürokratischer Hilfe, die Politiker am Anfang bei ihren Besuchen versprochen hätten, sei nichts zu spüren. „Vom sechsseitigen Antrag der Investitionsbank ist der Normalbürger überfordert.“ 90 Prozent der Anträge seien falsch oder unvollständig ausgefüllt. Niemand komme in die Region, um die Menschen zu beraten.

Der Deich sei immerhin wieder auf den Stand von vor der Flut gebracht, sagt Ladwig. „Ein normales Hochwasser würde der jetzt wieder aushalten.“ Die Bilder des Deichbruchs, durch den die Elbeflut wasserfallartig ins Land strömte, gingen um die Welt. Erst als drei Lastkähne spektakulär gesprengt wurden, wurde der Durchfluss gestoppt. Der Bau eines komplett neuen Deiches auf einer Länge von 7,5 Kilometern wird vorbereitet.

Für die Fischbecker ist der Alptraum aber noch immer nicht vorbei: Mindestens zwölf Häuser im Dorf müssen abgerissen werden, sagt Ladwig. „Es können jeden Tag mehr werden.“ Risse, Setzungen und andere Schäden tauchten erst später auf.“ Aber auch in den Familien bilden sich Risse, berichtet Ladwig. Dem einen geht es nicht schnell genug. Für andere sei die Belastung zu hoch. „Die Leute sind psychisch und physisch so ausgepowert“, sagt der Bürgermeister, der Ende des Jahres 60 wird.

Engelgard Lüdtke in ihrem Wohncontainer hofft, dass sobald wie möglich die Handwerker kommen und sie in ihre eigenen vier Wände zurückkann. Zwar steht ihr das Blechquartier ein halbes Jahr lang zur Verfügung. Aber die 73-Jährige glaubt, es nicht so lang auszuhalten. „Man ist hier eingesperrt.“ Ihren Humor hat sie trotz allem nicht verloren. „Hier brauche ich keine Gardinen waschen und Fenster putzen."

Dörthe Hein, dpa

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