Startseite LVZ
Volltextsuche über das Angebot:

Sachen im Advent
Google+ Instagram YouTube
Weihnachtspost aus dem Krieg kommt nach mehr als 70 Jahren an

Weihnachtspost aus dem Krieg kommt nach mehr als 70 Jahren an

Als Engelbert Josef Bergmann die vergilbte, mit roten Segelschiffen und dem Schriftzug „Greetings“ verzierte kleine Karte in Händen hält, schluckt er. Das Schreiben spiegelt ein Stück Geschichte.

Voriger Artikel
Weihnachtliche Bergparade in Leipzig – Erinnerung an erzgebirgische Tradition
Nächster Artikel
Änderungen in der Abfallentsorgung in Leipzig – Weihnachtsbäume werden abgeholt

Deutsche Soldaten auf der damals besetzten Kanalinsel Jersey schreiben im Zweiten Weltkrieg Weihnachtsgrüße in die Heimat. Die werden aber geklaut und erreichen nach sieben Jahrzehnten doch noch ihr Ziel. (Symbolfoto)

Quelle: dpa

Mühlheim/Main. Denn die Weihnachtsgrüße stammen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs: geschrieben im Dezember 1941 von einem Nachbarn der Familie, einem Soldaten, adressiert an Bergmanns Großvater Josef. Abgeschickt auf der Kanalinsel Jersey - und nach 71 Jahren nun endlich angekommen im hessischen Mühlheim am Main.

Am Dienstagmittag liest Bergmann die säuberlich mit Hand geschriebenen Zeilen zum ersten Mal: „Frohe Weihnachten und ein gesundes neues Jahr wünscht Soldat Emil Adam. Viele Grüße an Maier, Fischer und Melcher“ steht links in säuberlicher Schrift. Rechts sind Weihnachtsgrüße in englischer Sprache eingedruckt.

Der Landwirt ist über die harmlosen Worte erleichtert. „Man weiß nicht so genau ...“, beschreibt er seine zwiespältigen Gefühle, als ihn die Post vor ein paar Wochen mit der Nachricht der verspäteten Weihnachtspost überraschte. Bergmann ging es wie anderen Empfängern. „Manche wollen die Briefe nicht“, sagt ein Mitarbeiter der Deutschen Post. Auch die Tochter von Emil Adam verweigerte die Annahme. Wohl, weil sie mit dem „alten Kram“ nichts zu tun haben wollte. Bei anderen sei die Angst groß, die Grüße aus dem Zweiten Weltkrieg könnten nationalsozialistisches Gedankengut offenbaren, so die Post.

Vermutlich um Einblick in genau solche Ansichten zu bekommen, klaute eine Gruppe junger Leute die Weihnachtsgrüße der deutschen Soldaten im Dezember 1941 aus einem Feldpostamt auf der Insel Jersey. „Es  waren wohl Teenager, die es als eine Form des Widerstands gegen die deutschen Besatzer verstanden“, meint der Vertreter von Jersey Post, Michael McNally. Insgesamt 86 Briefe verschwanden.

Erst 2006 tauchten sie wieder auf. Ein am Briefklau beteiligter Mann übereignete sie dem Inselarchiv. Die Post wurde geöffnet, ihr Inhalt übersetzt, Kopien angefertigt. „Das Archiv hat uns in diesem Jahr gebeten, so viele Briefe wie möglich an die Empfänger oder ihre Nachkommen zuzustellen“, sagt McNally. Gemeinsam mit der Deutschen Post, dem Roten Kreuz, Militärhistorikern und Schriftsachverständigen fanden sich bislang zehn Adressaten.

Einige sollen die Grüße noch vor den Feiertagen bekommen, vier Schreiben gingen schon am Dienstag nach Offenbach. Die am 16. und 17. Dezember 1941 verfassten Briefe haben damit fast auf den Tag genau 71 Jahre später ihr Ziel erreicht. Engelbert Josef Bergmann will jetzt die Weihnachtsgrüße von der Insel, wie vom Schreiber gewünscht, auch  den erwähnten Nachbarsfamilien ausrichten.

Monika Hillemacher, dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Adventsnews