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„Sys willekomen“ - Ältestes Weihnachtslied in der „Amploniana“

„Sys willekomen“ - Ältestes Weihnachtslied in der „Amploniana“

„Sys willekomen heirre kerst, want du onser alre heirre bis.“ So sangen bereits im Mittelalter zur Weihnachtszeit Christen ihr Willkommenslied für Christus.

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Symbolfoto.

Quelle: André Kempner

Erfurt. Es sei das älteste überlieferte deutschsprachige Weihnachtslied, sagt Archivar Thomas Bouillon von der Universitätsbibliothek Erfurt.

Erhalten geblieben ist das kostbare, aber völlig unscheinbare Blatt in der Handschriftensammlung des mittelalterlichen Gelehrten Amplonius Rating de Berka (um 1364-1435). Nur wenige Zeilen Noten und Notenlinien umfasst das dreistimmige Kirchenlied in einer niederfränkischen Sprache, dessen Wurzeln auf das 11. Jahrhundert zurückgehen.

Die überlieferte Fassung von „Sei uns willkommen, Herre Christ“ entstand zwischen 1394 und 1398 in Aachen. Der Verfasser war höchstwahrscheinlich der Kaplan der St. Katharinenkapelle, Johann Barba. Wie sie in den Band Nummer 38 „Logica“ der „Bibliotheca Amploniana“ gelangte, sei nicht geklärt, sagt der Wissenschaftler.

Der Text ist ein „Lückenfüller.“ Er steht auf einem Pergamentblatt, eingepfercht zwischen Liedern ohne Noten und medizinischen Rezepten. Experten gehen davon aus, dass es später in den Band eingefügt wurde, in dem die lateinischen Texte eines Oxforder Gelehrten dominieren.

Der Althistoriker und Präsident der Universität Erfurt, Prof. Kai Brodersen, hat sich ausführlich mit der Handschrift beschäftigt. „Sys willekomen heirre kerst“ war fester Bestandteil der Liturgie des Weihnachtsgottesdienstes. Es werde noch heute in katholischen und evangelischen Gemeinden gesungen, dort jedoch in einer modernen Melodie. Zu finden sei es in Gesangbüchern beider Konfessionen. Es endet mit dem Wort „Kirieleys“ (Kyrieleis), was wohl von der gesamten Kirchengemeinde gesungen wurde.

Interessant außerdem: Auf der nächsten Seite des Bandes 38 findet sich ein Lied in lateinischer Sprache: „Gloria“. Beide Lieder gehörten liturgisch zusammen und seien hintereinander gesungen worden, erklärt Archivar Thomas Bouillon, der auch Religionsgeschichte studiert hat.

1412 hatte der Gelehrte, Arzt, Theologe und Universitätsrektor Amplonius Rating de Berka der Erfurter Universität 633 Handschriften gespendet. 2002 übergab die Stadt Erfurt den kostbaren Fundus der wiedergegründeten Universität als Dauerleihgabe.

Die „Amploniana“ gilt als die größte erhaltene Sammlung eines spätmittelalterlichen Gelehrten. Neben wissenschaftlichen Abhandlungen über Philosophie, Theologie, Biologie und Medizin enthält dieser „Kosmos des Wissens“ auch scheinbar Banales:

Bauernregeln, Rezepte zum Haarefärben, einen Generationen- und Verwandtschaftsbaum - und neben einem zauberhaften Liebesgedicht auch das älteste erhaltene Weihnachtslied in deutscher Sprache. Etwa um 1900 wurde es wiederentdeckt.

Archivar Thomas Bouillon ist Hüter des unermesslichen Schatzes. Jedes Buch wird in einer säurefreien Kassette aus Pappe verwahrt. „So ist es vor Licht, Staub und Keimen geschützt“, erklärt der Archivar, der seit den 1990er Jahren in den Sondersammlungen der Universitätsbibliothek arbeitet. In einer Art Tresor werden die Handschriften bei 18 Grad Celsius und einer konstanten Luftfeuchtigkeit aufbewahrt.

Im Museum für Thüringer Volkskunde in Erfurt ist derzeit die Sonderschau „Amplonius: Der Mensch. Die Zeit. Die Stiftung“ zu sehen. Sie legt den Schwerpunkt auf die Alltags- und Sozialgeschichte im 15. Jahrhundert bis in die ersten Jahrzehnte des 16. Jahrhunderts - jener dramatischen und teils chaotischen Zeit des Umbruchs zwischen Mittelalter und Neuzeit, die auch von dem Erfurter Studenten und späteren Reformator Martin Luther mitgeprägt wurde.

Antje Lauschner, dpa

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