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Eigene Bedürfnisse wahrnehmen und die besinnliche Zeit genießen

Eigene Bedürfnisse wahrnehmen und die besinnliche Zeit genießen

Verschneite Christkindlmärkte, süßer Plätzchenduft und warmer Kerzenschein: Das ist die romantische Idealvorstellung von der Weihnachtszeit. Doch leider sieht die Realität oft anders aus.

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Damit die Festtage nicht zur Qual werden - Tipps vom Experten.

Quelle: dpa

Hektik, Geschenkefrust und Gefühlsstress vor den Festtagen prägen für viele die Adventsstimmung. Hier gibt es Tipps für ein wirklich besinnliches Fest.

Besonders wenn die eigenen Erwartungen an das Fest hoch sind und nichts dem Zufall überlassen werden soll, wird Weihnachten für Körper und Seele zur Qual, weiß der Psychologe Benjamin Martens von psycheplus: „Gerade der Anspruch, dass das Weihnachtsfest ‚perfekt‘ sein muss, verhindert von vornherein eine entspannte Atmosphäre.“ Drei wertvolle Tipps des psycheplus Experten können aber helfen, die Festtage in diesem Jahr dennoch zu einem besinnlichen Erlebnis zu machen.

Eigentlich heißt der Advent ja im Volksmund die „stille Zeit“. Ganz anders aber das Empfinden der Deutschen: Eine Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2010 ergab, dass sich fünfzehn Prozent der Befragten gerade in der Weihnachtszeit besonders gestresst fühlen. Hierfür sind in erster Linie zwei Ursachen maßgeblich: Zum einen die in der Weihnachtszeit anstehenden Verwandtenbesuche – und zum anderen der Anspruch, es zum Fest der Liebe jedem recht machen zu wollen. Am schlimmsten betroffen sind übrigens noch nicht einmal die Erwachsenen: Die Studie ergab, dass vor allem die 13- bis 17-jährigen vermehrt unter dem „Weihnachtsstress“ leiden. Ein Grund mehr gerade für Eltern, es in diesem Jahr einmal entspannter angehen zu lassen, empfiehlt Benjamin Martens von psycheplus.

Eigene Ansprüche überprüfen

Weihnachten ist das Fest der Liebe und des Friedens, der Besinnlichkeit und der Familie – so haben wir es alle seit frühester Kindheit verinnerlicht. Was aber, wenn sich die alltäglichen Sorgen und Nöte, der Ärger mit den Schwiegereltern oder die Abneigung gegenüber bestimmten Ritualen in dieser Zeit nicht einfach abstellen lassen? „Durch langjährige Traditionen und das in den Medien vermittelte Bild hat sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten eine übersteigerte Erwartung an das Weihnachtsfest herausgebildet. Die Vorstellung, dass die Weihnachstage außerordentlich schön sein müssen, ist allgegenwärtig“, weiß psycheplus Experte Benjamin Martens. Dieser gesellschaftliche Druck bringt uns dazu, eigene Wünsche und Bedürfnisse immer öfter hintan zu stellen, was zu Unzufriedenheit und natürlich auch zu Stress führt. Gerade deshalb ist es besonders wichtig, sich vor dem Weihnachtsfest über die eigenen Ansprüche klar zu werden und diese realistisch und damit erreichbar zu formulieren. „Fragen wie ‚Was will ich eigentlich?‘ oder ‚Wie sollten die Festtage ablaufen, damit ich sie genießen kann?‘ können dabei helfen, sich die eigenen Bedürfnisse bewusst zu machen“, rät der psycheplus Experte. Passen die Antworten auf diese Fragen nicht zum bisherigen „Weihnachtsprogramm“, kommt es darauf an, mit den übrigen Beteiligten einen gangbaren Kompromiss zu finden: Vielleicht kann die Familienfeier einmal in einem Restaurant stattfinden, um den Aufwand für das Festmahl und die Vorbereitung zu reduzieren. Oder die Familie trifft sich statt im großen Rahmen lieber zu mehreren kleineren Feiern. So müssen unversöhnliche „Kampfhähne“ nicht gemeinsam an einem Tisch sitzen und bestehende Konflikte werden nicht ausgerechnet an den Feiertagen wieder neu ausgegraben. „Eine Änderung im gewohnten Fahrplan kann auch für die anderen Angehörigen durchaus erfrischend und sogar befreiend sein – und vielleicht ganz neue Vorfreude auf das gemeinsame Weihnachtsfest entfachen. Und wenn die Erwartungen von vornherein aufeinander abgestimmt wurden, profitieren alle davon, wenn das Fest entspannter begangen werden kann“, so der psycheplus Experte.

Stressfaktor Bescherung

Einen ganz besonderen Stressfaktor in der Vorweihnachtszeit stellt der alljährliche Geschenkekauf dar. Viele Menschen versuchen, im Vergleich zum Vorjahr immer noch teurere und größere Präsente zu finden. Denn man möchte Angehörigen und Freunden signalisieren, dass diese einem selbst mindestens genauso wichtig sind wie im Vorjahr. Ein gefährlicher Kreislauf entsteht. Gerade hier können Stressgeplagte aber leicht Abhilfe schaffen: „Erwachsene können sich beispielsweise im Vorfeld darauf verständigen, einmal „nur“ zu wichteln – also reihum nur noch eine Person zu beschenken. Häufig schief geht dagegen die Vereinbarung, sich gegenseitig gar nichts mehr zu schenken“, weiß der Psychologe. Hält sich nur eine Person nicht an die Abmachung, ist ein schlechtes Gefühl beim Rest der Anwesenden an Heiligabend vorprogrammiert. Es können aber auch gemeinsame Limits bei Anzahl und Wert der Geschenke vereinbart werden. Wer auf einem persönlichen Geschenk für jedes Familienmitglied besteht, sollte zumindest frühzeitig mit dem Geschenkekauf beginnen. Denn gerade bei Last-Minute-Einkäufen müssen oft schwierige Entscheidungen unter Zeit- und Kostendruck getroffen werden. Das löst – besonders in Verbindung mit überfüllten Straßen und Kaufhäusern – noch zusätzlichen Stress aus. „Als Alternative bietet sich in dem Fall das Einkaufen im Internet oder das Schenken von Gutscheinen an. So müssen die Schenkenden nicht hektisch von einem Laden in den nächsten rennen. Und die Beschenkten haben die Möglichkeit, sich ein wirklich passendes Geschenk selbst auszusuchen“, empfiehlt Benjamin Martens. In jedem Fall aber rät der Psychologe, sich wieder stärker auf die Ursprungsidee des Weihnachtsfestes zu konzentrieren – und sich vor allem gemeinsame Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken. „Je bewusster wir mit dem Konsumgedanken umgehen, desto entspannter können wir Weihnachten in der Regel entgegensehen und dann auch genießen.“

Familienzusammentreffen meistern

Weihnachten wird traditionell im Kreise der Familie gefeiert. Das Fest kann dabei ein willkommener Anlass sein, sich nach längerer Zeit einmal im großen Kreise wiederzusehen. Nicht selten aber wird ein solches Zusammentreffen von unterschwelligen Konflikten überschattet. Denn: Oft ist es kein Zufall, dass Onkel Werner und Oma Elfriede sich das ganze Jahr über nicht gesprochen haben. Treffen die beiden Streithähne dann unter dem Weihnachtsbaum zusammen, liegen die alten Streitpunkte und Konflikte gleich wieder mit auf dem Gabentisch. „Dann reicht eine Anspielung oder ein Glas Wein zu viel – und schon eskaliert die Situation“, weiß Benjamin Martens. Der Psychologe empfiehlt deshalb, solchen Konfrontationen bereits vor dem weihnachtlichen Familientreffen einen Riegel vorzuschieben, etwa durch ein vertrauliches Gespräch oder die Planung getrennter Besuche. Dasselbe gilt für Diskussionen darüber, wer wann bei wem feiern sollte oder wo der Weihnachtsabend verbracht wird. „Wichtig ist hier, dass man sich traut, die eigene Meinung zu äußern und nicht immer den Erwartungen der anderen zu folgen“, so der psycheplus Experte. Aber nicht nur eine große Familie kann an den Feiertagen für Probleme sorgen: Auch für Alleinstehende kann die eigene Vorstellung von einem besinnlichen Weihnachtsfest sehr belastend sein – denn gerade zu dieser Zeit ist das Bewusstsein, keinen Partner (mehr) zu haben, besonders gegenwärtig. Deshalb rät Benjamin Martens den Betroffenen, gezielt Anschluss an ihren Freundeskreis oder die verbliebenen Angehörigen zu suchen. „Wenn Sie ihre Hilfe bei den Weihnachtsvorbereitungen anbieten oder Ihr Problem direkt ansprechen, werden Sie in der Regel auch bei Freunden und Familie auf offene Türen stoßen “, so der Psychologe. Eine Alternative wäre, sich über die Weihnachtstage in einer wohltätigen Einrichtung zu engagieren und dort beispielsweise bei der Organisation einer Weihnachtsfeier zu helfen. „Das kann ein sehr erfüllendes Erlebnis sein“, weiß der Psychologe. „Und als positiver Nebeneffekt lernt man ganz nebenbei noch nette Leute kennen, mit denen man vielleicht auch in Zukunft wieder gerne zusammen feiern möchte.“

Weitere Informationen unter www.psycheplus.de

psycheplus

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