Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Ratgeber „Depressionen können auch Menschen treffen, die glücklich und erfolgreich sind“
Thema Specials Universitätsklinikum Leipzig Ratgeber „Depressionen können auch Menschen treffen, die glücklich und erfolgreich sind“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Universitätsklinikum Leipzig - ein Sonderthema im Auftrag des UKL
08:00 14.03.2019

„Menschen mit der Diagnose Depression haben im Schnitt eine um 10 Jahre reduzierte Lebenserwartung“, erklärt Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Leipzig.

„Fast alle glauben, dass Schicksalsschläge, Kränkungen, Partnerschaftskonflikte oder Stress im Job der Hauptgrund für Depressionen sind. Das stimmt aber nicht. Von Laien, aber auch unerfahrenen Ärzten und Psychotherapeuten, wird die Bedeutung belastender Lebensereignisse als Ursache der Erkrankung überschätzt. Zu schnell wird die scheinbar naheliegende Schlussfolgerung gezogen: Er hat seinen Job verloren, oder, der Partner hat sich getrennt – ist ja klar, dass er eine Depression bekommt. Wichtiger ist aber die Veranlagung. Ohne diese bekommt man auch bei großem Stress keine Depression.“

Der Leipziger Psychiater und Psychotherapeut Prof. Dr. Ulrich Hegerl beantwortet die wichtigsten Fragen zu Depressionen.

Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Quelle: UKL

Gelegentliche Niedergeschlagenheit, Trauer oder Mutlosigkeit kennt jeder. Ist man da schon depressiv?

Eine Depression im medizinischen Sinn muss deutlich unterschieden werden von depressiven Verstimmungen, die jeder kennt und die zum Leben dazu gehören. Jeder ist mal niedergeschlagen, traurig oder antriebslos, weil er überarbeitet ist, den Job oder eine nahestehende Person verloren hat. Eine echte Depression fühlt sich jedoch ganz anders an. Die Menschen sind beispielsweise nicht traurig, sondern fühlen sich eher innerlich versteinert, können keine Gefühle wahrnehmen, sie sind auch nicht müde im Sinne von schläfrig, sondern leiden unter einer inneren Daueranspannung mit Schlafstörungen, leiden unter permanenten Schuldgefühlen, Appetitstörungen und dem Gefühl der Ausweglosigkeit. Diese Zeichen einer Depression können sich auch einstellen, obwohl die Betroffenen in einer glücklichen Partnerschaft leben, beruflich erfolgreich sind und auch sonst kein äußerer Anlass vorliegt. Depressionen sind eine Krankheit wie jede andere auch und sie können jeden treffen. Wie bei allen schweren Krankheiten sollten Betroffenen und Angehörige so schnell wie möglich ärztliche Hilfe einholen.

Gibt es Auslöser für eine Depression oder ist das ein langsamer Prozess?

Entscheidend ist das Vorliegen einer Veranlagung zu Depression. Diese Veranlagung kann genetisch bedingt sein. Menschen, bei denen nahe Angehörige depressiv erkrankt sind, haben ein etwa zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko selbst zu erkranken. Durch Traumatisierungen und Missbrauchserlebnisse in der Kindheit kann diese Veranlagung aber auch erworben sein. Bei einer starken Veranlagung erkranken Menschen ohne aktuelle äußere Belastungen. Nicht selten gibt es jedoch Auslöser. Dies können beispielsweise Überforderungssituationen, zwischenmenschliche Konflikte oder Verlusterlebnisse sein, aber auch scheinbar positive Veränderungen wie Urlaubsantritt, eine bestandene Prüfung oder eine Beförderung. Oft werden äußere Belastungen als Ursache überbewertet. Durch die schwarze Brille der Depression werden bestehende Probleme, die in jedem Leben auftreten, deutlich vergrößert wahrgenommen und vorschnell als wesentliche Ursache der Depression fehlinterpretiert.

Die Fragen stellte Uwe Niemann.

Prof. Dr. Ulrich Laufs, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kardiologie am Universitätsklinikum Leipzig, rät im Kampf gegen Arteriosklerose zu gesunder Ernährung und viel Bewegung.

04.03.2019

Prof. Dr. Bahriye Aktas, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde am Universitätsklinikum Leipzig rät: Einmal jährlich zum Frauenarzt – das ist der wichtigste Schritt zur Vorsorge

21.09.2018

Wie ernährt man sich richtig bei heißen Temperaturen? Und wer hat Schuld am Übergewicht? Prof. Dr. Matthias Blüher, Leiter der Adipositas-Ambulanz beantwortet oft gestellte Ernährungsfragen.

30.08.2018