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UKL aktuell Altersschwerhörigkeit ist kein Schicksalsschlag
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Universitätsklinikum Leipzig - ein Sonderthema im Auftrag des UKL
15:34 10.01.2019
Wenn im Alter das Gehör schlechter wird, ist das Tragen eines Hörgerätes sinnvoll. Quelle: dpa

„Das ist ein langsamer Prozess und fällt deshalb vielen selbst gar nicht auf. Die Angehörigen merken aber, dass der Fernseher immer lauter eingestellt oder die Türklingel nicht immer gehört wird.“

Wie der Leipziger Hör-Spezialist erklärt, sind die Ohren ein Sinnesorgan, das früher auf die Wahrnehmung kleinster Geräusche in der Ferne ausgerichtet war.

„Dass der sich anschleichende Säbelzahntiger gehört wurde, war fürs Überleben wichtig. So können wir noch heute kleinste Intensitäten wahrnehmen – aber ohne gleich flüchten zu müssen“, schmunzelt Prof. Fuchs. „In der Schallkammer, die Umgebungsgeräusche ausblendet, kann ein gesunder Mensch bereits 10 bis 20 Dezibel hören. Das Blätterrauschen im Wald hat etwa 20 Dezibel, eine normale Sprechstimme 65 Dezibel. Eine Kreissäge schlägt mit 100 bis 110 Dezibel da schon mächtig aufs Gehör.“

Prof. Dr. Michael Fuchs, Leiter der Sektion Phoniatrie und Audiologie der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde am Universitätsklinikum Leipzig. Quelle: Stefan Straube

Aber nicht nur der Mann an der Kreissäge, sondern auch die Frau im Gemüseladen beginnt im Alter schlechter zu hören. Dabei gehen die hohen Töne zuerst verloren.

„Die Ursache liegt in der Konstruktion unserer Hörschnecke im Ohr begründet: Am Eingang werden die hohen Töne wahrgenommen und verarbeitet, im Inneren die tiefen Töne. Das heißt, alle Töne müssen zuerst an den Sinneszellen für die hohen Töne vorbei. Dadurch entsteht bei diesen Sinneszellen eine deutlich größere Abnutzung als bei den Sinneszellen für die tiefen Töne. Dazu ein Vergleich: In einem Hotel liegen überall Teppiche. Natürlich ist der im Eingangsbereich eher abgenutzt als der in der fünften Etage, ganz einfach, weil unten alle Gäste vorbeikommen, in der fünften Etage nur wenige. Genauso ist das in der Hörschnecke.“

Es gebe zwar eine individuelle Widerstandsfähigkeit gegen das Nachlassen des Hörvermögens. Aber die meisten werden Opfer der Altersschwerhörigkeit.

Dabei spielt auch eine Rolle, wie sehr das Gehör im bisherigen Leben beansprucht wurde. „Presbyakusis, wie die Schwerhörigkeit im Alter wissenschaftlich heißt, ist die Summe aller persönlichen Hörsünden“, so Prof. Fuchs.

Das sind Anzeichen für ein verschlechtertes Hören:

• Es fällt zunehmend schwer, bei Familienfeiern oder im Restaurant Gesprochenes zu verstehen.

• Wenn der Gesprächspartner etwas sagt, muss man oft nachfragen.

• Man hat das Gefühl, dass andere Menschen undeutlich sprechen.

• Türklingel oder Telefon werden nicht immer gehört.

• Der Fernseher muss sehr laut eingestellt werden.

„Bei diesen Anzeichen empfehle ich, einen HNO-Arzt aufzusuchen. Denn die Altersschwerhörigkeit ist kein Schicksalsschlag, man kann etwas dagegen tun. Der HNO-Arzt wird zuerst das Hörvermögen messen: Einerseits mit reinen Tönen über alle Frequenzen und andererseits per Messung des Sprachverstehens in Ruhe und bei Störschall. Wenn das Sprachverstehen für einsilbige Wörter bei 65 dB (also der Gesprächslautstärke) schlechter als 80 Prozent ist, rate ich zu einem Hörgerät“, sagt Prof. Fuchs.

„Da sollte man nicht eitel sein. Denn wenn man weiter wartet, wird es immer schwieriger. Nicht nur das Verstehen von Sprache, was zu Belastungen in Beziehungen führen kann. Sondern auch das Gewöhnen an das Hörgerät. Um das zu erklären: Das Gehirn hat über Jahrzehnte gelernt, wie es hören und verstehen soll. Wenn diese Fertigkeit im Hirn über eine längere Zeit nicht benötigt wird, findet ein Abbau statt. Und dann wird es schwieriger, mithilfe eines Hörgeräts wieder hören zu lernen. Deshalb meine Bitte: Probieren Sie ein Hörgerät wenigstens mal aus. Sie werden überrascht sein, wie angenehm es ist, wieder gut zu hören.“

Von Uwe Niemann

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