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UKL aktuell „Die Grippe ist weitaus gefährlicher als die Impfung“
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Universitätsklinikum Leipzig - ein Sonderthema im Auftrag des UKL
10:52 12.12.2018
Prof. Christoph Lübbert vom Universitätsklinikum Leipzig im Interview Quelle: Stefan Straube

Frage: Soll ich mich gegen die Grippe impfen lassen? 

Prof. Dr. Christoph Lübbert: Aber natürlich. Gerade in diesem Jahr sollte jeder die Möglichkeit nutzen. Denn in dieser Grippesaison wird zum ersten Mal wirklich allen Patienten der effektive Vierfach-Impfstoff von den Krankenkassen bezahlt. Auch nur den sollten Sie sich spritzen lassen! Mit nur einem Pieks bekommen Sie den Schutz vor vier verschiedenen Virus-Varianten. Es war noch nie so einfach, sich so gut vor der Grippe zu schützen wie heute. Wichtig ist aber auch regelmäßiges Händewaschen mit Seife und Abstand von Erkrankten, um das persönliche Erkrankungsrisiko zu senken.

Und wenn ich im vergangenen Winter die Grippe hatte, muss ich mich trotzdem impfen lassen? 

Eine überstandene Grippe kann eine stärkere Immunität als jede Grippe-Impfung bieten – aber leider hält diese nur begrenzt vor. Und niemand kann genau voraussagen, ob und wie robust sich eine Immunität ausbildet. Außerdem wären Sie nur vor dem Virustyp oder einer sehr ähnlichen Variante geschützt, an der Sie erkrankt waren, aber nicht vor den vielen anderen, die auf der Welt kursieren.

Wie gefährlich könnte die Grippe-Impfung für mich sein? 

Die Grippe ist weitaus gefährlicher als die Impfung. Der Impfstoff selbst zählt zu den weltweit am häufigsten verabreichten und ist wirklich sehr, sehr sicher. Nur etwa in bei einem von 700.000 bis zu einer Million Patienten kann eine schwere Nebenwirkung, nämlich das sogenannte Guillain-Barré-Syndrom auftreten.

Kann die Impfung Grippe auslösen? 

Der Impfstoff ist so aufgebaut, dass er keine Grippe auslösen kann. Wenn Sie allerdings überempfindlich auf Hühnereiweiß reagieren, dann kann es zu einer allergischen Reaktion kommen. Für erwachsene Allergiker gibt es eine eiweißfreie Alternative, für Kinder nicht. Deshalb müssen Eltern von kleinen Allergie-Patienten abwägen, was schwerer wiegt: Die allergische Reaktion oder eine mögliche Grippe-Ansteckung.

Wenn ich eine Erkältung habe, kann ich dennoch gegen Grippe geimpft werden?

Durch die Impfung wird das Immunsystem mobilisiert. Hat man sich schon vorher irgendwelche Schnupfenviren eingefangen, kann das Immunsystem kurzfristig „überfordert“ sein, und die im Körper schlummernde Erkältung bricht aus. Es wäre also günstig, sich impfen zu lassen, wenn man gesund ist.

UKL aktuell

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Sollte ich meine zweijährige Tochter impfen lassen? 

Ja. Ich empfehle die Grippeimpfung grundsätzlich für alle Kinder ab einem halben Jahr. Denn wenn wir raten, dass insbesondere schwache und anfällige Menschen geschützt werden sollten, dann ist es nur folgerichtig, dass auch alle Kinder geimpft werden sollten.

Für Kinder gibt es spezielle Nasensprays. 

Ja, für Kinder ab zwei Jahren mit Spritzenangst gibt es die Möglichkeit, die Impfung per Pumpspray über die Nase zu geben. Dabei handelt es sich jedoch um einen Lebendimpfstoff, der abgeschwächte Viren enthält und schon direkt in der Nase einen Schutz hervorruft. Hier kann es aber aufgrund der Beschaffenheit des Impfstoffes unter Umständen zu einer begrenzten Grippe-Infektion durch die Impfviren kommen, weshalb immungeschwächte oder anders gesundheitlich vorbelastete Kinder ihn nicht erhalten dürfen.

Warum erhalten Erwachsene diese Impfung nicht? 

Es hat sich in Studien gezeigt, dass diese Art von Impfung bei Kindern eben effektiver als eine Spritze mit „Totimpfstoff“ ist. Bei Erwachsenen verhält es sich genau umgekehrt: Ihre Abwehr reagiert besser auf inaktive als auf aktive Impfstoffe. Das hängt vermutlich mit dem noch untrainierten Immunsystem der Kinder zusammen.

Wann sollte ich mich spätestens impfen lassen? 

Unser Körper braucht etwa zwei Wochen, bis sich der Grippe-Schutz ausgebildet hat. Da die Grippewelle uns in der Regel kurz nach dem Jahreswechsel erreicht, sollten Sie sich noch vor Weihnachten impfen lassen. Und wenn die Grippe bei uns ihren Höhepunkt erreicht, das ist im Februar und März, dann ist der Antikörper-Spiegel noch hoch genug.

Interview: Uwe Niemann

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