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UKL aktuell Warum Männer zu selten zum Arzt gehen
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10:32 01.11.2018
Dr. Kurt Seikowski von der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Uniklinik Leipzig Quelle: Stefan Straube

Wenn der Mann sich Schwächen eingestehen kann, lebt er länger. Das sagt Dr. Kurt Seikowski von der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am UKL. Wenn er allein dem gesellschaftlichen Rollenbild folgt, wird er Krankheiten als Schwächen ansehen und Vorsorgeuntersuchungen meiden. Genau das ist aber falsch. Und obwohl die Frau die Mitschuld am alten Rollenbild trägt, rettet sie letztlich doch den Mann – wenn er mit ihr zusammenlebt.

Frage: Männer sind oft Vorsorgemuffel und gehen ungern zum Arzt. Woran liegt das?

Dr. Kurt Seikowski: Männer sollen und wollen stark sein. Das gehört zum Rollenbild, das auch die Frauen aufbauen. Denn sie wollen sich an einer starken Schulter anlehnen, geborgen fühlen. In dieses Rollenbild passt Krankheit nicht hinein, weil sie als Schwäche empfunden wird. Auch das Altern, das Nachlassen der Leistungsfähigkeit in vielen Bereichen, und auch Arbeitslosigkeit wird vom Mann als Makel betrachtet. Zudem haben Männer ein anderes Körpergefühl als Frauen.

Was meinen Sie damit?

Frauen lernen durch die Menstruation, dass der Körper zeitweise geschwächt sein kann. Der junge Mann wird damit vielleicht einmal im Jahr durch einen grippalen Infekt konfrontiert, die junge Frau aber Monat für Monat. Zudem reagieren Frauen viel sensibler auf Anzeichen von körperlichen Fehlfunktionen. Männer verdrängen das lange, Frauen reagieren aber meist schnell. Das hängt mit ihrer Rolle bei der Fortpflanzung zusammen. Frauen sind darauf geeicht, Vorgänge im Körper zu spüren. Denn von der Schwangerschaft bis zur glücklichen Geburt ist es ungemein wichtig, diese Vorgänge wahrzunehmen und darauf zu reagieren. Auch indem sie sagt: Ich kann jetzt nicht mehr.

Frauen lernen also frühzeitig, sich Schwächen einzugestehen …

… und diese Schwächen auch auszusprechen. Bei Männern ist das ganz anders. Die spielen immer den starken Maxe, auch wenn es ihnen nicht gut geht. Da spielt eben eine Rolle, dass ein Mann im Normalfall über lange Jahre tatsächlich sehr gesund ist. Die Frau hat alle vier Wochen ihre Periode und vielleicht mehrere Schwangerschaften. Das macht Unterschiede.

Welche Rolle spielt es, dass Frauen schon von der Jugend an regelmäßig zum Arzt gehen?

Die Frauen lernen dadurch, dass der Arztbesuch etwas völlig Normales ist. Und sie lernen, dass ein Eindringen in den Körper nichts Schlimmes ist. Viele heterosexuelle Männer bekommen Probleme, wenn der Urologe die Prostata abtastet. Und schon die Vorstellung, dass da ein Finger kommt, hält manchen Mann ab, zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen. Leider.

Wie kommt der Mann dann trotzdem zum Arzt?

Wenn er eine Partnerin hat, wird sie ihn schicken. Das ist ja das Schöne am Zusammenleben von Frau und Mann: Dass sie sich ergänzen. Die Fürsorge der Frauen rettet die Männer. Aber nur, wenn sie zusammenleben. Laut einer Studie des Robert Koch-Instituts leben Männer in einer Beziehung durchschnittlich zwei Jahre länger als ein Single-Mann. Ganz einfach, weil die Partnerin die Rolle des Gesundheitsmanagers übernimmt. Wenn mit ihrer Hilfe sich der Mann Schwächen eingestehen kann, lebt er länger. Und wehe, die Frau stirbt: Viele Witwer sind ohne die Frau nur noch ein Häufchen Elend.

Interview: Uwe Niemann

UKL aktuell

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