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Europawahl 2014 Patzelt: AfD wird von bisherigen Nichtwählern profitieren
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Wahlen 2014
14:16 21.05.2014
Der Politikwissenschafter Werner Patzelt (Archivfoto) Quelle: dpa
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Dresden

Der Dresdner Politikwissenschaftler Werner J. Patzelt schätzt im Interview die Chancen der Partei ein.

Frage:

Wird sich die AfD in Sachsen so gut wie bei der Bundestagswahl behaupten, als sie 6,8 Prozent der Stimmen bekam?

Patzelt:

Es würde mich sehr wundern, wenn bei der Europawahl die AfD nicht deutlich oberhalb von 5 Prozent liegen würde. Immerhin geht es um ihr Kernthema. 7 Prozent der Stimmen sind realistisch. Man weiß allerdings nicht, welche Ungeschicklichkeiten bei der AfD in den nächsten Tagen noch passieren.

Profitiert die AfD von abtrünnigen Wählern der rechtsextremen NPD? Wer sind die Wähler der AfD?

Bei der Bundestagswahl hat uns die Wahlgeografie gezeigt, dass die AfD dort stark war, wo auch die NPD stark war. Damals war es nicht so, dass NPD-Wähler die AfD als „NPD Light“ gesehen haben und gewechselt sind. Eher scheint es so, dass sich mit den Wählern von AfD und NPD ein allgemeines Missbehagen mit unserem politischen System und dem Europa-Kurs von Deutschland äußert. Es sind unterschiedliche Wählerschichten, die hier Systemkritik und Systemskepsis zum Ausdruck geben.

Wer wird bei der Europa- und Kommunalwahl von wem profitieren?

Es dürfte komplexe Wählerwanderungen geben. Die AfD wird vor allem von bisherigen Nichtwählern profitieren. Da würde ich eine gute Flasche Wein drauf wetten. Auch bisherige CDU-Wähler könnten darunter sein. Die wiederum könnte von früheren SPD-Wählern unterstützt werden. Rechts von der Union ist noch Platz. Um den kann die AfD mit der NPD konkurrieren. Diese Wiese ist noch nicht gemäht.

In manchen ländlichen Regionen hängen fast nur Plakate der NPD? Warum überlassen die großen Parteien den Rechtsextremen das Feld?

Es war schon ein Ärgernis bei den letzten Wahlen, dass die größeren Parteien hier am Geld sparen. Das ist zwar rational verständlich, denn eine Partei hat nicht unendlich viel Geld, und dort, wo sie mit gewisser Wahrscheinlichkeit sowieso stark ist, scheint das keine sinnvolle Investition. Aber die Plakate haben etwas von Duftspuren, die man hinterlässt. Man sollte der NPD nicht in dieser Weise die symbolische Selbstdarstellung überlassen. Andernfalls hat die NPD auch bei der letzten Wahl viel plakatiert und Stimmen verloren. Das Plakatieren hat wohl keinen so großen Effekt. Manchmal ist das Symbolische das Geld auch nicht wert.

Jörg Schurig

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