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Stanislaw Tillich: Regierungschef mit hohen Sympathiewerten

Stanislaw Tillich: Regierungschef mit hohen Sympathiewerten

Zwölf Tage vor der Landtagswahl in Sachsen hat Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) den Gipfel schon erreicht. Am frühen Morgen des 19. August besteigt der 55-Jährige den Papststein in der Sächsischen Schweiz.

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Ministerpräsident Tillich hat die Wahl gewonnen - und muss sich einen Koalitionspartner suchen. 

Quelle: Hendrik Schmidt

Dresden. Es dämmert, als Tillich das Plateau des Ausflugsfelsens erreicht. CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer hat sich die Szene gut ausgedacht. Die Sonne geht auf und Tillich schaut - von Fotografen und Fernsehen begleitet - zu.

Auch wenn die Inszenierung allzu deutlich war: Die Sachsen mögen solche Bilder von einem Mann, der bodenständig ist und ihren Dialekt spricht. Für sie ist Tillich nach zwei West-Importen einer der ihren. 

Tillich ist in der sächsischen Politik so etwas wie Everybody’s Darling. Bei Umfragen finden ihn rund 80 Prozent der Sachsen sympathisch. Und selbst bei Anhängern der Linken und Grünen gibt ihm die Hälfte gute Noten. 2008 wurde der Sorbe an die Spitze der Union und der Regierung des Freistaates gewählt. Seither macht er in wechselnden Konstellationen eher geräuschlos Politik.

Als Tillich ans Ruder kam, saß noch die SPD im Regierungsboot. Seit Herbst 2009 stand er einem schwarz-gelben Kabinett vor. In der Dresdner Staatskanzlei scheint der Ostsachse seinen idealen Platz gefunden zu haben. Bundespolitische Ambitionen hegt er ganz offensichtlich nicht. Einige in der sächsischen Union meinen, Tillich würde sich mit zu vielen Beratern umgeben. Aus teils gegensätzlichen Empfehlungen resultiere dann eine Art „Jein“-Mentalität.

Tatsächlich scheint Tillich nicht immer entscheidungsfreudig. Zu seinem Führungsstil gehört freilich auch, dass er seinen Ressortchefs vergleichsweise viel vom Spielfeld überlässt. Tillich ist nicht der Mann, der jede Lehrerstelle zur Chefsache macht und immer klar Kante zeigt. Viel lieber lässt er manche Position nebulös im Raum stehen. So war es bis zuletzt auch mit der Alternative für Deutschland (AfD), die er als Bündnispartner aus taktischen Gründen nie klar ausschloss. Am Wahlabend wirkte Tillich weder angespannt noch erleichtert.

„39 Prozent und ein Stück mehr ist ein Super-Ergebnis und für die nächsten fünf Jahre eine große Ehre und Verantwortung“, sagte er in einer erste Reaktion in die Kameras. Der Politikwissenschaftler Hendrik Täger (Universitäten Leipzig und Magdeburg) sah das Ergebnis nüchterner. Er erinnerte am frühen Abend daran, dass die CDU womöglich ihr schlechtestes Ergebnis seit 1990 einfuhr. Im Unterschied zu „König“ Kurt Biedenkopf in den 1990er Jahren sei es weder Tillich noch seinem Vorgänger Georg Milbradt (CDU) gelungen, die Wähler für sich und ihre Partei zu mobilisieren.

Tillich ist von Beruf Konstruktionsingenieur und wohnt in Panschwitz-Kuckau. Schon vor dem Fall der Mauer war er CDU-Mitglied. Seine Tätigkeit im Rat des Kreises Kamenz - einer staatlichen Behörde - hat ihm nach seiner Wahl Nachfragen eingebracht. Dennoch wird Tillich  nicht als Wendehals wahrgenommen.

In den 1990er Jahren saß er als Beobachter und Abgeordneter im EU-Parlament. 1999 holte ihn der damalige CDU-Regierungschef Kurt Biedenkopf als Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten nach Sachsen zurück. Ministerpräsident Georg Milbradt machte ihn 2002 zum Chef der Staatskanzlei und gab ihm später die Ministerien für Agrar und Umwelt sowie Finanzen. Seither gilt der zweifache Familienvater als Allrounder sächsischer Politik.

Jörg Schurig

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